EIN ANDERER SOMMER

Melancholisch ins Ehe-Aus

Die Schauspieler Armin Kahl (links) und Bettina Mönch (rechts) mit dem Kammermusical „Die letzten fünf Jahre“  auf der Bühne der Stiftsruine in Bad Hersfeld.
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Das Ende einer Ehe: Jamie (Armin Kahl, links) und Cathy (Bettina Mönch, rechts) blicken im Musical „Die letzten fünf Jahre“ in 14 Songs auf das Scheitern ihrer Beziehung zurück. Begleitet werden sie von einer sechsköpfigen Akustik-Band.

Das Kammermusical „Die letzten fünf Jahre“ hatte jetzt im „Anderen Sommer“, dem Ersatzprogramm der Bad Hersfelder Festspiele, Premiere. Für die beiden Darsteller Bettina Mönch und Armin Kahl gab es viel Beifall.

Bad Hersfeld – Es ist eine melancholische Geschichte, die die Bad Hersfelder Festspiele mit dem Kammermusical „Die letzten fünf Jahre“ von Jason Robert Brown im Rahmen des „Anderen Sommers“ in der Stiftsruine erzählen: Cathy und Jamie reflektieren das Scheitern ihrer Ehe, singen von erst erfüllten, dann geplatzten Träumen und suchen nach Erklärungen dafür, dass ihre Lebenswege eines Tages in unterschiedliche Richtungen führten. Ein Happy End gibt es hier nicht, das steht schon nach dem ersten Song fest.

Gil Mehmert, der im Festspielsommer 2020 eigentlich die Uraufführung des nagelneuen Musicals „Goethe!“ inszenieren sollte, hat für das Ersatzprogramm ein Stück gewählt, das er zum einen aus seiner Lehrtätigkeit an der Uni kannte und das zum anderen seine Frau Bettina Mönch „schon immer“ spielen wollte – nur dass die beiden für ein Zwei-Personen-Musical bisher weder Zeit noch Gelegenheit gefunden hatten.

Die Idee, „Die letzten fünf Jahre“ nun im „Anderen Sommer“ aufzuführen, hatte laut Mehmert Intendant Joern Hinkel, eine Idee, die sich für alle Beteiligten als Glücksgriff erwies.

Hinzu kommt, dass das Hersfelder Publikum ohne Corona um ein einzigartiges Erlebnis gekommen wäre. Die Bühne vor dem Chor zu platzieren statt in Querschiff und Apsis, der geradezu intim wirkende Zuschauerbereich mit den locker gestellten Stadthallen-Stühlen und die neuen Lichtstimmungen, die das Team von Dietmar Wolf auch mit reduzierter Technik ins altehrwürdige Gemäuer zaubert – das hat man so noch nie gesehen und wird es vermutlich auch nie wieder sehen.

Überhaupt: Trotz der räumlichen und personellen Einschränkungen wirkt hier nichts bemüht oder gar billig. Auch der „Andere Sommer“ hat das gewohnte Niveau, nur eben anders.

Das gilt auch für das Geschehen auf der Bühne. Bettina Mönch (Cathy) und Armin Kahl (Jamie) spielen und singen in dem nahezu dialogfreien Stück mit ausdrucksstarker Präsenz, begleitet von einer sechsköpfigen Band, die mit doppeltem Cello, Violine, Bass, Gitarre und Klavier ebenfalls ungewöhnlich besetzt ist. An den Tasten sitzt mit Christoph Wohlleben der Mann, der bei den Festspielen schon viele Jahre gezeigt hat, dass er das große Orchester ebenso gekonnt zu führen versteht wie die Handvoll Musiker einer Akustik-Gruppe.

Für die beiden Darsteller bedeutet das in diesem Fall, dass sie immer wieder gefordert werden: Hier gibt es keinen Sound-Teppich, der stimmliche Schwächen gnädig zudeckt, vielmehr müssen Mönch und Kahl stellenweise ihr Potenzial ausreizen, Dass sie dabei mitunter verletzlich wirken, entspricht dem Charakter ihrer Rollen. Das geht dann auch dem Publikum unter die Haut.

Dass selbst mit beschränkten Mitteln große Effekte zu erzielen sind, zeigt das Bühnenbild: Ein großer Tisch ist mal Tisch, mal Wand und bei Bedarf auch ein Ruderboot. Ansonsten reichen ein paar Gegenstände aus Cathys und Jamies Umzugskisten, um die jeweilige Szene treffend zu illustrieren.

Die Melancholie, die vielleicht manchen Besucher noch beim Gedanken an den Ausfall des eigentlich geplanten Festspielprogramms beschlichen haben mag, ist am Ende der Premiere verflogen: Zwar war die Ehe von Cathy und Jamie nicht zu retten, doch das Publikum darf sich mit dem Erlebten reich beschenkt fühlen. Auch wenn man die glücklichen Gesichter hinter Mund- und Nasen-Schutz nicht sehen kann.

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