Keine konkreten Pläne

Meeschendorf: Zukunft ist weiter ungewiss

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Blick auf die Freizeitanlage Meeschendorf vom Strand

Hersfeld-Rotenburg. Im Juni hat der Kreisstag dem Verkauf der kreiseigenen Erholungsstätte Meeschendorf eine Absage erteilt. Derzeit werden verschiedene Optionen geprüft.

Befasst ist damit die Betriebskommission der Jugend- und Freitzeiteinrichtungen, heißt es aus dem Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung. Die Kommission setzt sich aus fünf Mitgliedern des Kreistages (vertreten sind SPD, CDU, AfD und Grüne), vier Mitgliedern des Kreisausschusses inklusive Landrat Dr. Michael Koch, zwei Mitgliedern des Personalrats und zwei sachkundigen Bürgern zusammen. „Der Kreistag hat entschieden, die Freizeiteinrichtung nicht zu verkaufen“, so Landrat Koch, „weitere Entscheidungen sind nicht gefällt worden.“ Da der Betreibervertrag bis Mitte kommenden Jahres laufe, bleibe genug Zeit, um zu entscheiden, wie es mit Meeschendorf weitergehe. Der bestehende Pachtvertrag mit der Schülerfreizeitzentrum Ilmenau aus Thüringen hatte sich im Juni automatisch um ein Jahr verlängert.

„Wir wollen als Pächter in Meeschendorf bleiben“, sagt dessen ehrenamtlicher Geschäftsführer Erich Rindermann, gern mit einem längerfristigen Vertrag. Derzeit gebe es nur Planungssicherheit bis Ende 2019, größere Projekte anzustoßen sei damit schwierig. Weitere Details will er nicht nennen – im Oktober steht ein Gespräch mit der Betriebskommission an, dem er nicht vorgreifen will.

Die im Kreis teils heftig geführte Diskussion um die Zukunft der Erholungsstätte habe sich auch auf Fehmarn bemerkbar gemacht – und für Verunsicherung bei Besuchern und Personal gesorgt. Seit Juni, mit Ende der Verkaufspläne, steige die Nachfrage wieder. Für die Saison zwischen Mai und Oktober rechnet Rindermann wie im Vorjahr mit etwa 15 000 Übernachtungen. 

Kleine Schritte zum Ziel

Wie geht es nach dem abgelehnten Verkauf mit der kreiseigenen Erholungsstätte Meeschendorf weiter? Der derzeitige Pächter, das Schülerfreizeitzentrum Ilmenau, würde gern in Meeschendorf bleiben – die Besucherzahlen hätten sich nach dem abgelehnten Verkauf stabilisiert, so Geschäftsführer Erich Rindermann. Zudem gebe es seit Juni viele neue Besucher in Meeschendorf, darunter viele Paare und Familien, die fast ausschließlich aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg nach Fehmarn reisen. Die Ferienstätte wird sonst vor allem von Stammkunden besucht.

Das könnte auch eine Folge der hohen Wellen sein, die die Diskussion um den Verkauf der Ferienstätte geschlagen hatte. So wurde etwa auf Facebook massiv für den Besuch in Meeschendorf geworben.

Die häufig geäußerte Kritik, die Erholungsstätte werde nicht ausreichend beworben, schränkt Rindermann zumindest ein: „Wir haben zu Schuljahresbeginn alle Schulen im Kreis angeschrieben und auf unser spezielles Angebot für Schulklassen hingewiesen“, sagt er. Zudem werde derzeit der – bisher allerdings vernachlässigte – Internetauftritt (www.fehmarnfreizeit.de) überholt. In vier Wochen soll die neue Webseite der Erholungsstätte fertig sein. 

Laut Landratsamt liegt der Ball bei der Betriebskommission, die alle möglichen Optionen prüfen soll. Dabei wird es wohl auch um die Sanierungskosten und den derzeitigen Pachtvertrag gehen. Wir haben dennoch bei den Kreistagsfraktionen nachgefragt, welche konkreten Vorschläge sie für die Gestaltung der Einrichtung auf Fehmarn haben, und die Antworten

Das sagt die SPD

Beratungen laufen: Laut SPD hätte es sich bei dem von der CDU geplanten Verkauf der Ferienstätte in Meeschendorf um eine Verschleuderung von Kreisvermögen gehandelt – die im Kreistag abgewendet wurde. Was das weitere Vorgehen betrifft, befinde sich die Fraktion derzeit in Beratungen. Zudem werde sich im Zuge der Haushaltsberatungen und der Diskussion um den Wirtschaftsplan der Jugend- und Freizeiteinrichtungen des Landkreises Hersfeld-Rotenburg mit dem Thema auseinandergesetzt, so die Sozialdemokraten.

Das sagt die CDU

Zunächst nur das Nötigste investieren: Laut CDU ist der Nichtverkauf der defizitären Ferienstätte ein schwerer Fehler. Statt den Verkaufserlös von 2,2 Millionen Euro in die Schulen im Landkreis, die Kreisstraßen und eine gute Klinikstruktur investieren zu können, müssten jetzt zusätzliche Sanierungsausgaben getätigt werden. „Wir befürchten, dass der Sanierungsbedarf deutlich über den bislang vermuteten drei Millionen Euro liegen wird“, heißt es aus der Kreistagsfraktion. Keine der Parteien – SPD, AfD, FWG, FDP und die Linke – die den Verkauf abgelehnt haben, könne erklären, an welcher Stelle das benötigte Geld eingespart werden soll. Da der Pachtvertrag frühestens Mitte 2019 zum Jahresende kündbar ist, sei es bis dahin Aufgabe der Betriebskommission, entsprechende Vorschläge zu machen. Aktuell sollten daher nur zwingend erforderliche Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden, um nicht sinnlos Geld zu verbrennen, das dann vor Ort im Landkreis fehle.

Das sagen die Grünen

Verkaufs-Befürworter müssen liefern: Die Grünen hatten für den Verkauf gestimmt: Das anfallende Investitionsvolumen sei zu hoch und die Mittel besser im Landkreis aufgehoben. Einkommensschwachen Familien wollte die Fraktion dennoch Urlaub ermöglichen – in Form einer direkten Unterstützung für diese Zielgruppe. Der Kreistag entschied anders. „Für die Finanzierung der nunmehr zeitnah erforderlichen Sanierung müssen die Befürworter des Verkaufs Vorschläge und Ideen liefern“, so die Grünen. Klar sei, dass eine Modernisierung gleichzeitig eine ökologische Sanierung beinhalten müsse, um Betriebskosten zu senken. Dabei solle auch der Natur-und Küstenschutz berücksichtigt werden. „In den Gremien muss jetzt ein Konzept erarbeitet werden, wie es mit der Erholungsstätte weitergeht, wie der Betrieb organisiert wird und wie man die Auslastung steigert“, heißt es in der Stellungnahme. „Dabei darf das Ziel, eine Erholungsstätte für einkommensschwache Familien anzubieten, nicht aus den Augen verloren werden.“

Das sagt die AfD

Die Bevölkerung beteiligen: Die Kreistagsfraktion der AfD hatte den bestehenden Pachtvertrag als mit Webfehlern behaftet kritisiert. Zudem sei eine Wertsteigerung des Grundstücks auf Fehmarn, wie sie häufig angenommen werde, wegen der darauf lastenden Bau- und Nutzungsbeschränkungen nicht wahrscheinlich. Die Ertragssituation hätte bei einem entsprechenden Management sicherlich nicht negativ ausgesehen, argumentiert die AfD. Für die kommende Kreistagssitzung hat die Fraktion folgenden Antrag gestellt: Der Kreisausschuss soll prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen die Ausgliederung der Ferienstätte aus dem Eigenbetrieb und eine Beteiligung der Bevölkerung als Anteilseigner möglich ist. Bereits bei der vergangenen Sitzung hatte die AfD vorgeschlagen, der Kreis solle eine GmbH gründen, einen oder mehrere Teilhaber für die Renovierungskosten gewinnen und einen externen Geschäftsführer mit geringem Gehalt und guter Erfolgsprovision einsetzen. 

Das sagt die FDP

Neues Trägerkonzept ist nötig: Die FDP habe gegen den Verkauf von Meeschendorf im Kreistag gestimmt, da der Jahresverlust gerade einmal bei 65 000 Euro liege, so die Freien Demokraten. Dieser könne bereits mit einem verbesserten Marketingkonzept zu einer schwarzen Null geführt werden. Allein die öffentliche Diskussion habe dazu geführt, dass Meeschendorf inzwischen bis Mitte 2019 ausgebucht ist. Gebraucht werde daher ein neues Trägerkonzept. Die Vergabe eines Erbbaurechtes oder die direkte Einbindung von regionalen Investoren (etwa in einer anderen Gesellschaftsform) habe die Fraktion bereits in die Diskussion eingebracht. Dadurch könne als Eigentümer die Feriennutzung für die Bürger weiterhin sichergestellt werden, zudem seien die anstehenden Investitionen nicht in vollem Umfang vom Landkreis zu tragen. „Hierzu gibt es bereits Angebote und auch laufende Gespräche, die zu gegebener Zeit in ein Gesamtkonzept für Meeschendorf fließen sollen“, argumentiert die FDP-Fraktion.

Das sagt die FWG

Marketingstrategie muss sich ändern: Die Freien Wähler werten den abgelehnten Verkauf der Erholungsstätte als Erfolg. Die „Perle an der Ostsee“ habe fast 60 Jahre Menschen und Familien zur Erholung gedient, die nicht das Geld besaßen, um sich einen „großen“ Urlaub in anderen Erdteilen leisten zu können. Jetzt gelte es, sich zusammenzusetzen und diese Perle vom Staub der Vergangenheit zu befreien. „Es muss nun ein Entwicklungskonzept einschließlich überarbeiteter Vermarktungsstrategien erarbeitet und parallel dazu, nach einer Bestandsaufnahme, eine Sanierung der sanierungsbedürftigen Teile der Anlage begonnen werden“, heißt es von der Fraktion. Ebenso sei es unabdingbar, die teilweise an vergangene Zeiten erinnernde Einrichtung auf den neusten und damit konkurrenzfähigen Urlaubsstandard anzupassen.

Das sagt die Linke

Rat von außen holen: Um die Erholungsstätte Meeschendorf zu einem Erfolgsprojekt zu machen, sei es wichtig, dass sich intensiv mit dem Thema beschäftigt wird, heißt es von der Linken. Derzeit sei die Betriebskommisssion damit beauftrag – ob das ausreiche, sei dahingestellt. Die Fraktion schlägt vor, sich in den Landkreises Schwalm-Eder und Kassel Rat zu holen: Dort gebe es Freizeiteinrichtungen mit Erfolg. 

Von Clemens Herwig

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