Impfung soll ab März 2020 Pflicht sein

Masern: Nicht alle Schulanfänger im Kreis sind geimpft

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Dr. Martin Ebel.

Kita-Kinder und Schulanfänger müssen ab März 2020 eine Masern-Impfung vorweisen. Die Zahl der geimpften Schulanfänger in Hersfeld-Rotenburg schwankt zwischen 89 und 93 Prozent.

Kita-Kinder und Schulanfänger müssen ab März 2020 eine Masern-Impfung vorweisen. Ansonsten drohen Bußgelder. Kitas dürfen ungeimpfte Kinder zudem nicht mehr aufnehmen. Das hat das Bundeskabinett im Juli beschlossen. Der Bundestag muss das Masernschutzgesetz noch bestätigen.

Die Zahl der geimpften Schulanfänger im Landkreis Hersfeld-Rotenburg schwankt von Schule zu Schule zwischen 89 und 93 Prozent. Das sagt Dr. Martin Ebel, Bezirksvorsitzender des Hausärzteverbands Hessen. Die Statistiken stammen vom Gesundheitsamt Hersfeld-Rotenburg.

Deutschlandweit sind laut Robert-Koch-Institut nur knapp 93 Prozent der Kinder in Deutschland ausreichend gegen Masern geimpft – zu wenige, um die Krankheit auszurotten. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen die Infektionskrankheit immunisiert sein. Nur dann sei es realistisch, die Krankheit auszurotten.

„Es gibt viele Gründe, warum Menschen ihre Kinder nicht impfen lassen. Manche Eltern sind besorgt, dass die Impfstoffe den Kindern schaden“, sagt Ebel. Er selbst musste bisher mit keinem Patienten über die Wirksamkeit von Impfstoffen diskutieren. Seine Kollegen aber schon.

„In einigen Fällen helfen aufklärende Gespräche“, berichtet Ebel. „Aber manche Eltern sind mit objektiven Argumenten leider nicht zu erreichen. Jede Diskussion ist dann sinnlos“, sagt der Lehrbeauftragte für Allgemeinmedizin an der Uni Gießen. Und auch er müsse als Arzt akzeptieren, dass sich Menschen nicht impfen lassen wollen – bis das geplante Masernschutzgesetz im kommenden Jahr wahrscheinlich zur gesetzlichen Grundlage beschlossen wird. „Immerhin leben wir in einem freiheitlichen Staat“, sagt Ebel.

Auch Kirsten Jähnert, Konrektorin der Brüder-Grimm-Schule in Bebra, hält das geplante Gesetz für sinnvoll. „Es wäre schön, wenn genügend Menschen geimpft sind, um die Krankheit ein für alle Mal zu besiegen.

Hintergrund: "Herdenimmunität" erst ab 95 Prozent

Laut Bundesgesundheitsministerium geht es bei der Impfpflicht nicht nur um den Schutz Einzelner vor Masern, sondern auch um den sogenannten Gemeinschaftsschutz – also eine Verhinderung der Weiterverbreitung der Infektionskrankheit in der Bevölkerung. Bei mindestens 95 Prozent der Bevölkerung sei dafür Immunität erforderlich. Experten sprechen dann von einer sogenannten „Herdenimmunität“. Deutschland habe den prozentualen Wert bislang nicht erreicht. (jfw)

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