Montagsinterview

Jazz und Wein: Markus Heide und Jan Luley zum neuen Konzept

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Mit neuem Konzept unterwegs: Markus Heide von der Stadt Bad Hersfeld (links) und Live-Jazz-Organisator Jan Luley machen bei „Swing & Wine“ gemeinsame Sache.

Es tut sich was im Veranstaltungskalender der Stadt Bad Hersfeld: Zu Pfingsten sollen das Weinfest und der Live-Jazz am neuen Standort Stiftsruine verschmelzen.

Und doch soll der Charakter beider Veranstaltungen erhalten bleiben. Wir sprachen mit den Organisatoren Markus Heide vom städtischen Fachbereich Stadtmarketing und dem künstlerischen Leiter Jan Luley.

Das Weinfest und der Live-Jazz sind in ihren bisherigen Formen Geschichte. Was ist Neues geplant?

Luley: Durch den Hessentag hat es bei beiden Veranstaltungen eine passende Zäsur gegeben, so dass man alles noch einmal durchdenken konnte. Nachdem das Weinfest an einen neuen Ort und auf einen neuen Termin verlegt worden war, stellte sich heraus, dass es eine Woche vor dem Live-Jazz gelegen hätte. Das ergab ja nun überhaupt keinen Sinn. Und da kam dann die Idee auf – ich weiß gar nicht, wer sie als Erster hatte –, dass wir beide Feste verschmelzen, ein gemeinsames Konzept entwerfen und so einen schönen, großen Start ins Veranstaltungsjahr hinlegen.

Das wird jetzt unter Federführung der Stadt umgesetzt?

Heide: Genau. Die Stadt ist Veranstalter dieses neuen Formats. Der Hessentag mit dem Weindorf im Stiftsbezirk war ein gutes Beispiel dafür, wie Menschen in die Stadt gelockt werden können.

Wie sieht denn das Konzept konkret aus? Der Live-Jazz hat ja atmosphärisch auch von der Kleinteiligkeit mit verschiedenen Spielstätten in der Fußgängerzone und Gaststätten gelebt.

Luley: Das Neue ist im Prinzip die Bühne bei den Weinständen im Stift. In der Innenstadt wird es überwiegend gleich bleiben mit der Hauptbühne am Linggplatz und ein paar Nebenspielorten. Vielleicht nicht ganz so viele wie bisher, denn wir wollen das Publikum ja auch beim Weinfest haben.

Aber dann wird der Charakter des Live-Jazz ja doch bewahrt.

Luley: Der bleibt auf jeden Fall erhalten. Es kommt nur eine Open-Air-Bühne dazu, und es wird voraussichtlich mehr Wein getrunken als bisher.

Wie wird das dann an der Stiftsruine aussehen? Wird das Programm eher auf Mainstream ausgerichtet sein?

Luley: Wir sind zurück in den Zwanzigern. Schwerpunkt wird die Swing-Musik aus den „Roaring Twenties“ sein, aber auch Boogie Woogie. Das gesamte musikalische Programm wird stilistisch wie immer breit gefächert sein, aber mit dem Fokus auf Swing. Und es wird eine Tanzfläche neben der Bühne im Stift geben, wo getanzt werden darf und ein Team aus Paris auch einen Swingtanz-Workshop geben wird. Das wird sicher lustig.

Sollen die Zwanziger das Leitthema des gesamten Live-Jazz sein?

Luley: Das Thema Swing und Swingtanz ist schon seit ein paar Jahren in den größeren Städten insbesondere beim jungen Publikum im Kommen. Das sieht man auch daran, dass in diesem Genre viele neue junge Bands unterwegs sind. Das ist ganz erstaunlich. In unserer Region gibt es das bisher nicht, und da guckt man schon, ob man da nicht ein Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten kann. So sind wir darauf gekommen.

Sie sind als Berufsmusiker ja gut unterwegs, demnächst geht es sogar wieder nach New Orleans. Profitiert der Live-Jazz von Ihren Kontakten?

Luley: Logisch, klar. Überall, wo ich spiele, schaue ich mir auch Festival-Konzepte an. Wie ist das mit der Finanzierung, wo stehen die Bühnen, wer spielt da? Das ist ein großer Vorteil. Man sieht eben viel, wenn man viel unterwegs ist.

Wie sieht es denn dieses Jahr bei uns mit der Finanzierung aus? Die Hersfelder verbinden den Live-Jazz ja mit dem Button, der als Eintrittskarte für alle Konzerte gilt. Wird daran festgehalten?

Heide: Der Button soll grundsätzlich erhalten bleiben. Es gibt zwar ein paar Überlegungen dazu, aber die sind noch nicht spruchreif. Es geht aber von der Idee her darum, sich an den über das ganze Jahr stattfindenden Veranstaltungen zu beteiligen. „Swing & Wine“ ist dann ein Baustein von mehreren. Ein anderes Beispiel ist der Weihnachtsmarkt, für den wir ja auch gerne namhafte Künstler verpflichten wollen. Der Gedanke ist jedoch nicht, Eintrittsgeld zu erheben, sondern einen Beitrag auf Freiwilligkeit.

Wie steht der Hersfelder Live-Jazz eigentlich im Vergleich mit anderen Festivals da? Schließlich gibt es den Jazz schon seit Jahrzehnten.

Luley: Bad Hersfeld hat sich da durchaus eine gewisse Stellung erarbeitet. Es war schon in den vergangenen Jahren immer so, dass Besucher sogar aus Husum gekommen, aus Stuttgart und dem Allgäu angereist sind. Das hat sich also schon herumgesprochen.

„Swing & Wine“ ist dann ja wohl eine weitere Großveranstaltung in der Stadt. Werden dafür auch wieder die bekannten Sicherheitsmaßnahmen ergriffen?

Heide: Na klar, das Thema ist ja aktueller denn je. Es wird also wieder ein Sicherheitskonzept erstellt und dann auch abgearbeitet.

Herr Luley, wenn Sie sich für den Live-Jazz etwas wünschen dürften, was wäre das?

Luley: Dass die Menschen aufhören, Angst vor Jazz zu haben. (Alles lacht)

Hinweis der Redaktion: Das Interview wurde vor einigen Tagen geführt. Ob die Veranstaltung wegen des Coronavirus wie geplant stattfinden kann, ist derzeit noch nicht absehbar.

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