Männer sollen Frau auf Mallorca vergewaltigt haben

Vergewaltigungsvorwürfe gegen Männer aus Hersfeld-Rotenburg: „Die Strafen in Spanien sind hart“

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Protestdemos auf Mallorca nach der Vergewaltigung einer Deutschen.

Eine Gruppe junger Männer aus Hersfeld-Rotenburg soll auf Mallorca eine junge Frau vergewaltigt haben. Über den Vorfall sprachen wir mit Ingo Thor vom Mallorca-Magazin.

Über den Fall der beiden jungen Männer aus dem Landkreis, die auf Mallorca eine 18-jährige Deutsche vergewaltigt haben sollen, sprachen wir mit Ingo Thor, der für das Mallorca-Magazin vor Ort über den Fall recherchiert und berichtet.

Herr Thor, wie ist der Stand der Ermittlungen? 

Die zwei Hauptverdächtigen sitzen weiter in Untersuchungshaft. Mehr ist bislang nicht bekannt. Die Guardia Civil ist sehr zurückhaltend mit Informationen. Auch die Namen der mutmaßlichen Täter wurden nur in der deutschen Presse veröffentlicht, hier wurde offiziell nichts dazu bekannt gegeben.

Wann ist mit einer Anklageerhebung zu rechnen? 

Dafür ist es noch zu früh, die Ermittlungen dauern an. Eine U-Haft kann in Spanien bis zu zwei Jahren dauern. Die Justizbehörden arbeiten hier nicht sehr schnell.

Auch die möglichen Strafen sind im Vergleich zu Deutschland sehr hoch. Setzt man auf Abschreckung?

Die Strafen waren immer schon sehr hoch, wobei in Spanien zwischen Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch unterschieden wird. Bei Vergewaltigung drohen bis zu 15 Jahre, für sexuellen Missbrauch neun Jahre Haft. In Spanien kann man für solche Taten sehr schnell, sehr hart bestraft werden.

Können Sie uns etwas über das Opfer sagen? 

Auch darüber wurde hier vor Ort nichts bekannt. Wir wissen daher nicht, wo die junge Frau herkommt, wie es ihr jetzt geht und ob sie noch auf der Insel ist.

Obwohl von offizieller Seite ja offenbar nicht allzu viel gesagt wird, hat der Fall auch in Mallorca Wellen geschlagen. Es gab sogar Demonstrationen. 

Es gab sogar mehrere Demonstrationen, hier auf dem Rathausplatz in Palma, in Manacor, der zweitgrößten Stadt der Insel, und in Cala Ratjada selbst, wo die Tat passiert sein soll. Vor allem Frauenorganisationen hatten dazu aufgerufen. Das gab es schon öfter, weil es vor allem in Festlandspanien in der Vergangenheit einige solcher Gruppenvergewaltigungen gegeben hat. Deshalb ist man hier sehr sensibilisiert.

Gibt es dafür Erklärungen? 

Es wird darüber diskutiert. Offenbar ist das aber ja ein Phänomen, was europaweit immer virulenter wird. Aber so eine richtige Erklärung hat man dafür auch hier in Spanien nicht.

Wie wurde in den spanischen Medien über den Fall berichtet, wie wird in der Öffentlichkeit diskutiert? 

Der Fall wurde mit anderen Vorfällen dieser Art verglichen, die es in den vergangenen Jahren in Spanien gab. In Katalonien läuft zum Beispiel gerade ein Prozess gegen sieben Jugendliche, die 2016 eine 14-Jährige vergewaltigt haben sollen. Und der Oberste Gerichtshof hat sogar ein Urteil verschärft gegen eine andere Gruppe von Vergewaltigern. Das wird immer groß thematisiert – auch in den überregionalen Medien.

Mallorca hat einen gewissen Ruf als Partyinsel – Stichwort Ballermann. Gleichzeitig versucht man ja auch, viel dagegen zu tun. Sind derartige Vorkommnisse ein Rückschlag für das Insel-Image? 

Das glaube ich nicht, denn derartige Vorfälle wie jetzt in Cala Ratjada gibt es hier nur sehr selten. Angesichts der vielen „Sauf-Urlauber“ passiert sogar eher wenig. In den deutschen und englischen Urlauberhochburgen kommt es zwar vermehrt zu Gewalttaten, aber dabei handelt es sich meist nur um Schlägereien.

Wir haben Ferienzeit, viele junge Leute planen jetzt einen Trip nach Mallorca. Ist die Insel sicher?

Die Insel ist sogar sehr sicher. Die Polizeipräsenz überall ist hoch – vor allem auch an den Stränden. Außerdem gibt es neue Verordnungen, dass auf einigen Straßen kein Alkohol mehr getrunken werden darf. Der Party- und Sauf-Tourismus soll dadurch eingedämmt werden.

Gibt es wegen der jüngsten Vorfälle Vorbehalte gegen deutsche Touristen? Versucht man womöglich, deren Zahl einzudämmen?

Nein, es gibt keinen Ruf nach weniger deutschen Touristen. Im Gegenteil: Deutsche sind hier seit jeher sehr gut angesehen – besser übrigens als die Briten. Und sexuelle Gewalt ist auch kein Problem, das auf einzelne Länder begrenzt ist.

Ingo Thor (54) ist seit 2011 Redakteur beim Mallorca-Magazin. Er ist in Argentinien aufgewachsen und spricht perfekt spanisch. Thor hat zuvor bei Focus Online in München gearbeitet.

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Von Kai Struthoff

*Hersfelder-zeitung.de und fr.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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