Bilder als Passage ohne Ziel: Maler Albrecht Gehse stellt in Bad Hersfeld aus

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Der Künstler und sein Werk: Albrecht Gehse in seinem Atelier auf der Insel Eiswerder in Berlin-Spandau. In Bad Hersfeld wird er Bilder aus allen Schaffensphasen zeigen, darunter auch Porträts von berühmten Festspiel-Schauspielern.

Mit Albrecht Gehse stellt demnächst einer der bedeutendsten deutschen Maler in der Galerie im Stift in Bad Hersfeld aus.

Unter dem Titel „Mensch und Meer“ wird der Berliner, der durch sein Porträt von Bundeskanzler Helmut Kohl einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, ab dem 24. Mai Arbeiten aus allen Schaffensphasen zeigen.

Es geht hemdsärmelig zu bei Albrecht Gehse in seinem Atelier auf der Insel Eiswerder in Berlin. Mit dem Hausmeister der neu genutzten Industriebauten diskutiert der Maler gerade Motive und Wirkung seiner jüngsten Arbeiten, um im nächsten Moment per Telefon mit dem Bundeskanzleramt die Leihe seines berühmten Kohl-Gemäldes für eine Ausstellung in Leipzig zu arrangieren.

Der Besucher aus Bad Hersfeld wird zwischendurch mit einem Winken und einem rasch zurechtgerückten Stuhl hinzugebeten, denn gleich ruft auch noch Reinhold Schott von der Hersfelder Stadtverwaltung an, der Gehses Ausstellung im Kapitelsaal vorbereitet.

Herr Gehse, klären wir doch gleich mal das Geschäftliche: Wieviel Geld muss ich mindestens anlegen, um eines Ihrer Bilder zu erwerben?

Das ist eine gemeine Frage. (Lacht und denkt nach) Also es ist so, dass man Landschaftsbilder oder Stilleben abfünftausend Euro bekommen kann. Die großen Zyklus-Bilder kosten bis zu 110.000 Euro. Alles andere bewegt sich dazwischen.

Okay, dann können die Hersfelder ja schon mal ihre Sparbücher inspizieren. Was werden Sie im Kapitelsaal zeigen?

Bad Hersfeld ist ein Zwischenstopp vor einigen geplanten großen Ausstellungen. Das nehme ich sehr ernst. Ich werde frühe, ganz klassisch gemalte Bilder zeigen, Bilder aus den letzten beiden Zyklen und – neuere Bilder wie der Titel „Mensch und Meer“ schon sagt, darunter Proträts von Schauspielern. Gehse, der vor allem für seine großformatigen Zyklen wie „Aufruhr“ bekannt ist, in denen sich Figuren, Motive und Symbole sonder Zahl tummeln, hat zuletzt wieder reduziertere Formen und Motive gewählt. Ein Blick aufs aufgewühlte Meer etwa („Wellen kann ich!“) oder ein Porträt Louis Armstrongs, das für seine Verhältnisse ungewöhnlich poppig geraten ist. Ein zunächst nur als Hintergrund gedachtes Bild wirkt auf einmal wie eine Aufnahme der Feuersbrunst von Notre Dame. In Bad Hersfeld wird manches davon zu sehen sein.

Wie kommt es überhaupt, dass Sie bei uns ausstellen?

Es gibt da eine engagierte Frau bei Ihnen, Anne Steffien. Die ist gemeinsam mit Herrn Schott auf mich zugekommen. Und der Hessentag mit seinen vielen Besuchern wird natürlich auch für große Resonanz sorgen.

Was transportieren Ihre Bilder? Einige sind unverdächtig schön, aber gerade in den großen findet sich historische oder aktuelle Symbolik mit den Porträts bekannter Persönlichkeiten.

Meine Bilder sind geschichtsphilosophisch zu sehen, nicht als Abbild des Tagesgeschehens. Ich verweigere die Zuordnung zur politischen Kunst.

Man könnte trotzdem meinen...

...ja, könnte man. Denn es scheint natürlich ein Widerspruch zu sein, weil ich das politische Bildvokabular nutze. Ich bin trotzdem kein Welterklärer und male keine historischen Anekdoten oder Ereignisse. Mir geht es als Künstler um Geschichte als Ur-Kraft, Ur-Bewegung, Ur-Stoff.

Das klingt ganz schön elementar...

Ist es auch. Denn ich verstehe meine Bilder als Passage oder Durchgang auf der Grenze vom 20. ins 21. Jahrhundert. Sie besitzen aber keine Klarheit über das Ziel der Passage. Das gilt auch für mich.

Wie zur Bekräftigung des Gesagten bittet Gehse zum Betrachten eines Zyklus-Bildes, auf dem Häuser kopfüber aus dem Rahmen fallen.

Dieses Bild habe ich erst andersherum angefangen. Wir können es ja mal umdrehen...

Gemeinsam kippen und drehen wir die Leinwand, stellen sie wieder an die Wand und betrachten sie erneut.

Ein anderes Bild, eine ganz andere Tiefe. Ich sehe auch andere Figuren als vorhin...

Ja, aber das Porträt vom Papst geht verloren. Ich glaube, wir drehen es wieder herum.

Albrecht Gehse wird während des Hessentages zehn Tage in Bad Hersfeld sein. Das Publikum kann ihn dann auch persönlich im Rahmen von Diskussionen treffen und befragen.

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