Oscar Bruch jr. nennt gesundheitliche und Personalprobleme als Grund

Lullusfest: Stadt Bad Hersfeld erbost über Absage des Riesenrad-Betreibers 

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Mit diesem Riesenrad namens „Wheel of Vision“ wollte die Firma Bruch ursprünglich zum Lullusfest kommen. Jetzt sagte das Unternehmen kurzfristig ab.  

Bad Hersfeld. Mit dem Riesenrad „Wheel of Vision“ wollte die Firma Bruch ursprünglich zum Lullusfest kommen. Jetzt sagte das Unternehmen kurzfristig ab. 

„Wir fühlen uns betrogen.“ Bad Hersfelds Erster Stadtrat Gunter Grimm nimmt kein Blatt vor den Mund, um die Absage des Riesenrad-Betreibers Oscar Bruch jr. für das bevorstehende Lullusfest zu beschreiben.

Am Mittwoch vergangener Woche zog der Schausteller, der in der Vergangenheit alle zwei Jahre mit dem 65 Meter hohen Bellevue-Riesenrad auf dem Markt vertreten war, die Reißleine. Nach Angaben der Stadt hatte er sich mit zwei Geschäften auf drei Plätzen beworben, so dass einer am Ende leer ausgehen musste – in diesem Fall Bad Hersfeld.

Absage kurz vor dem Volksfest war eine Katastrophe für die Organisatoren

Nur fünfeinhalb Wochen vor dem am 15. Oktober beginnenden Volksfest war die Absage für die Lolls-Organisatoren eine katastrophale Nachricht. Transportable Riesenräder in der gewohnten Größe und Qualität gibt es nicht viele. Zudem hatten potenzielle Mitbewerber gar nicht erst bemüht, weil die Firma Bruch bei Lolls Stammgast war.

Der Düsseldorfer Schausteller, der in diesem Jahr mit dem modern anmutenden „Wheel of Vision“ kommen sollte, ist hier Branchenführer. Anfang der letzten Augustwoche hatte er die Stadt informiert, dass das Fahrgeschäft nicht zum Lullusfest 2018 aufgebaut werden könne.

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Zunächst hatte Bruch dies nach Angaben der Stadt mit Personalmangel und fehlenden Lagermöglichkeiten für Material begründet. Innerhalb von zwei Tagen habe das Lullusfest-Team dem Betreiber zu beiden Punkten konkrete Lösungen angeboten, teilt dazu der Erste Stadtrat mit. Die avisierten Lastwagen seien am 31. August trotzdem nicht gekommen.

Endgültige Absage kam Anfang September

Die endgültige Absage des Betreibers und damit der letztendliche Bruch des bestehenden Vertrages erfolgten am 3. September. „Besonders irritierend ist für uns die Tatsache, dass das für Bad Hersfeld vorgesehene Riesenrad in einer Veröffentlichung der Fachzeitung „Komet“ vom 30. August (!) für eine Veranstaltung in Düsseldorf im Oktober angekündigt wird“, erklärt Grimm dazu. Das „Bellevue“-Riesenrad steht zur gleichen Zeit in Basel.

Neuer Riesenrad-Betreiber schon gefunden

Die Lolls-Organisatoren haben es dennoch geschafft, innerhalb von sieben Tagen für das Lullusfest 2018 ein anderes Riesenrad zu verpflichten. „Wir sind dem neuen Partner sehr dankbar, dass er sehr kurzfristig im Sinne des Lullusfestes agiert hat“, sagt dazu Gunter Grimm.

Er fügt allerdings hinzu: „Wie wir mit dem vertragsbrüchigen Beschicker in Zukunft umgehen wollen, wird sich die städtische Lullusfestkommission sicherlich sehr genau überlegen.“

Der Betreiber wehrt sich

Riesenrad-Betreiber Oscar Bruch jr. wehrt sich gegen die Vorwürfe und ist seinerseits enttäuscht. Die Entscheidung, seine Teilnahme kurzfristig abzusagen, sei ihm nicht leicht gefallen und sie sei auch nicht aus Jux und Dollerei gefallen, betont der 55-Jährige. Ein Grund für die Absage seien Personalprobleme, er habe schlicht nicht genug Personal, was bei der Bewerbung noch nicht abzusehen gewesen sei. Erst im August habe sich die Situation verschärft, wobei es im Übrigen für die gesamte Branche immer schwieriger werde, Personal zu finden. Hinzu kommen laut Bruch gesundheitliche Probleme, und seine Gesundheit aufs Spiel setzen, das wolle er bei aller Liebe zum Lullusfest nicht.

Dass er sich parallel auf drei Veranstaltungen beworben habe, sei nicht richtig. Dass das Bellevue zur gleichen Zeit woanders steht, sei von Anfang klar gewesen, es hätte ja ohnehin das "Wheel of Vision" zum Lullusfest 2018 kommen sollen. Selbiges gehe erst Ende Oktober für mehrere Wochen nach Düsseldorf, den Auf- und Abbau sowie den Betrieb kurz vorher in Bad Hersfeld könne er aber nun aus genannten Gründen nicht gewährleisten. Zumal der Auf- und Abbau aufgrund der räumlichen und zeitlichen Enge in Bad Hersfeld besonders herausfordernd wäre.

"Ich habe auch einen Ruf zu verlieren und den setze ich nicht aus Spaß aufs Spiel", so der Schausteller, wenngleich er verstehen könne, dass die Enttäuschung groß ist.

Nach 22 Jahren guter Zusammenarbeit habe er allerdings mehr Verständnis erwartet. Wenn die Stadt nun derart verärgert sei, biete er aber seinerseits an, dem Lullusfest auch in Zukunft fern zu bleiben. (ks/nm) 

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