Bis zum nächsten Jahr

Lullusfest: Aufbruchstimmung bei Karussell- und Budenbesitzern

+
Der Grusel verfliegt: Willy Fellerhoff (19 Jahre) holt das Skelett vom Dach, sein Vater Hermann Fellerhoff (47, Bild links) packt ebenfalls mit an.

Bad Hersfeld. Schwerbeschäftigte Arbeiter huschen vorbei an Trittleitern und Kränen, ihre Rufe hallen über den, nach einer Woche Lolls ungewohnt still und grau wirkenden, Festplatz. Hier und da sieht man neugierige Hersfelder durch die Lkw-Gassen schleichen, sie interessieren sich diesmal jedoch weder für Losgewinne noch Zuckerwatte. Der Abbau der Fahrgeschäfte ist in vollem Gang.

Auch vor der Losbude von Monika Schleinitz (63) herrscht geschäftiges Treiben. Laut ihrem Mitarbeiter Steffen Schulz (35) dauere der Abbau ungefähr einen Tag. Bude und Inhalt würden anschließend mit insgesamt drei Lkw abtransportiert und dann für dieses Jahr eingelagert.

Unter dem heruntergelassenen Dach des Autoskooters können nur noch die Beine der Arbeiter erkannt werden, die die Gerüste verladen. Chef des Fahrgeschäfts ist Heinar Distel (37), der bereits seit 18 Jahren in dem Unternehmen seiner Familie arbeitet und das mit Freuden, wie er sagt: „Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf.“ Der Abbau dauere einen Tag, „danach fahren wir nach München, wir haben da in der Nähe eine Lagerhalle“. Dort würden die Autoskooterteile schließlich überwintern. 

Packen ihre Koffer (von links): Steffen Schulz (35) und Heinz Müller (32) von der Losbude.

Erst ab März gehe es wieder los, beim Frühjahrsfest in Würzburg. Andere Volksfeste seien im Vergleich zum Lullusfest jedoch kaum so stark in der Stadt verankert. „Faszinierend, wie viel immer los ist. Wenn man mal im Sommer hier ist, ahnt man davon noch nichts.“

Auch im Geisterdorf geht es familiär zu. Besitzer Hermann Fellerhoff (47) bekommt beim Abbau von abgetrennten Köpfen und eingekerkerten Skeletten Untestützung durch seine Söhne. Nur etwa fünf Stunden brauchen sie dafür. Danach gehe es weiter nach Köln „und im Winter mit meinen 100 Jahre alten Pferdekarussells auf den Weihnachtsmarkt,“ erklärt Hermann Fellerhoff stolz. In einem unterscheide sich Lolls aber von anderen Volksfesten: „Das Feuer gibt es nirgendwo sonst.“

Von Silvia Claus

Kommentare