Bad Hersfelder Firma baut Filter gegen das Virus

Kampf gegen Corona: Trox filtert Aerosole weg

Viktor Schmidt und Florian Kramer in der Werkstatt von Trox bei der Montage der Luftfilterschränke – hier im Bildhintergrund.
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Auch sie kämpfen gegen Corona: Viktor Schmidt und Florian Kramer in der Werkstatt von Trox bei der Montage der Luftfilterschränke – hier im Bildhintergrund.

Die Firma Trox mit Sitz in Bad Hersfeld hat einen Luftreiniger entwickelt, der bis zu 99,95 Prozent der Aerosole aus der Raumluft filtern kann. 

Damit ist dem international tätigen Unternehmen für Lüftungstechnik mit einem Tochterunternehmen in Bad Hersfeld ein Beitrag zum Kampf gegen die Verbreitung des Corona-Virus gelungen.

„Alle Experten sind sich einig: Corona wird in erster Linie über Aerosole übertragen – und zwar in geschlossenen Räumen. Deshalb ist die Frischluftzuführung so wichtig. Geht das nicht, dann hilft die Umluftreinigung“, erklärt Udo Jung aus Bad Hersfeld, Geschäftsführer der Trox-Group mit Sitz in Neukirchen-Vluyn am Niederrhein.

Aerosole sind sehr kleine Schwebeteilchen, die beim Husten, Niesen und in geringerem Maße beim Sprechen ausgestoßen werden, in denen sich das Coronavirus befinden kann. Anders als Tröpfchen, die zu Boden fallen, können die unter fünf Mikrometer kleinen und leichteren Aerosole längere Zeit in der Luft stehen und ansteckend sein. Der Virologe Christian Drosten nimmt an, dass fast die Hälfte der Übertragungen von Sars-Cov-2 durch Aerosole erfolgt. 

Der Trox-Luftreiniger, der aussieht wie ein großer Kühlschrank, saugt von unten Raumluft an, die dann über zwei Hochleistungsfilter gereinigt wird. Oben strömt dann aus dem Filterschrank saubere Luft wieder aus. So kann in einem 100 Quadratmeter großen Raum die Luft pro Stunde bis zu fünf mal ausgetauscht werden.

Dadurch werde das Infektionsrisiko signifikant gesenkt. Das bestätigten unabhängige Prüfberichte. Gerade für Restaurants, Fitnessstudios, Hotels, Arztpraxen und Büroräume sei das Gerät, das abhängig von der Volumengröße ab circa knapp 3000 Euro kostet, geeignet, zumal es sehr leise arbeitet und leicht zu installieren ist.

Trox-Geschäftsführer Christian Söllner zeigt, wo die Luft gereinigt wird.

„Mit dem Luftreiniger startet Trox erstmals eine globale Produktion in sechs Ländern und an sieben Standorten gleichzeitig“ berichten Geschäftsführer Udo Jung und sein Hersfelder Kollege Christian Söllner. Trox verfügt weltweit über 19 Produktionsstätten. Der Luftreiniger wird in China, Brasilien, Spanien, Schweiz, England sowie in den beiden deutschen Werken in Neukirchen-Vluyn und Bad Hersfeld gebaut.

Neben Trox stellen noch andere Firmen ähnliche Geräte her. Die Babcock BSH, ein Vorgängerunternehmen der heutigen Trox X-Fans, hat bereits vor dreißig Jahren solche Geräte für den Einsatz in Krankenhäusern gebaut und verfügt über viel Erfahrung.

Einer der ersten Kunden in der Region ist zum Beispiel die Firma Horn Heizungs- und Klimatechnik in Wildeck-Bosserode.

Für den Standort Bad Hersfeld ist die Herstellung des Luftfilters das eine große Chance – nicht nur wegen der Produktionsaufträge, sondern auch wegen der globalen Zusammenarbeit. „Hier zeigt sich, wozu die Trox-Group mittlerweile in der Lage ist – und das macht uns alle schon sehr stolz“, sagt Udo Jung.

So trage das Projekt dazu bei, das Zusammenwachsen innerhalb der Gruppe zu fördern. So waren Kollegen aus Bad Hersfeld gemeinsam mit anderen aus aller Welt zur Einarbeitung in der Produktion in Neukirchen/Vluyn. „Das war zu Zeiten von Corona zwar nicht ganz einfach, festigt aber Dinge, die in unserer Firmenphilosophie verankert sind: Zusammenhalt und den Gemeinschaftssinn“, sagt Udo Jung.

Entscheidend bei solchen Geräten sei der Zusammenhang zwischen hoher Leistung und das ohne es zu hören. Deshalb eigneten sich die Geräte gerade für Arztpraxen, Anwaltskanzleien, Fitnessstudios oder eben die Gastronomie.

Dabei werde das Virus im Filter nach kurzer Zeit inaktiv. Beim Wechseln des Filters werden daher keine Viren freigesetzt und es bestehe kein Infektionsrisiko.

„Wir dürfen nicht vergessen: Luft ist ein Lebensmittel. Der Mensch kann drei Wochen ohne Essen auskommen, drei Tage ohne Wasser - aber nur drei Minuten ohne Luft. Leider sind sich viele dieser Tatsache gar nicht bewusst“, sagt Udo Jung.

(Kai A. Struthoff)

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