Wochenend-Kolumne

Zwischen den Zeilen: Lolls-Seelen, Wahlgänge und ein Abschied

In seiner Kolumne Zwischen den Zeilen befasst sich Kai A. Struthoff unter anderem mit September-Pflichten und Oktober-Plänen.

Kai A. Struthoff

Die Pläne für einen „Anderen Oktober“ sind bislang überwiegend positiv aufgenommen worden – zumindest in den hiesigen Facebook-Gruppen. Dass wenigstens für einige Tage das Feuer brennt und ein Riesenrad auf dem Markt steht, ist etwas Balsam für die geschundenen Lolls-Seelen der echten Herschfeller. Nun liegt es sehr an der Disziplin der Besucher, ob das Experiment auch gelingt.

Die Warnung von Bürgermeister Fehling, alle Veranstaltungen abzusagen, wenn einzelne über die Stränge schlagen, ist glasklar. Aber ob sie auch erhört wird? Dazu passt folgender Kommentar, den ich auf Facebook gelesen habe: „Eiern neimodischer Kommuff von wäje des met dem anerschder Okdober kennt er aich gespor. Banns Fierche brennt dann feiert der Herschfeller Lolls auch bann’s dis Johr annerscht hesst un ussieht!“ Wobei feiern ja okay ist, aber bitte mit Abstand und Augenmaß.

Am Fierche fehlen wird in diesem Jahr auch einer, der darauf von seinem Restaurant Naxos aus immer den besten Blick hatte: Konstantinos Dingiloudis – von allen nur Kosta genannt – ist am Donnerstag auf dem Hauptfriedhof beerdigt worden. Sein tragischer, viel zu früher Tod hinterlässt eine Lücke.

Wie groß seine Gabe war, aus Gästen Freunde zu machen und auch die unterschiedlichsten Menschen in seinem Lokal zusammen an einen Tisch zu bringen und so neue Freundschaften entstehen zu lassen, das zeigte auch der nicht enden wollende Trauermarsch der Menschen, die ihn auf seinem letzten Weg begleitet haben. Und das ist gut. Denn nur Mitgefühl und Anteilnahme können den unfassbaren Schmerz lindern, den seine Familie jetzt ertragen muss. Er wird fehlen als einer, der anderen immer einen Vertrauensvorschuss gab und so die Menschen mit seiner offenen Art schnell für sich gewann. Nun gilt es, die Familie zu unterstützen – damit sein Naxos bald wieder zu einem Wohnzimmer für Freunde wird. Denn das hätte er sich so gewünscht.

Optimistisch gestimmt hat mich ein Foto, das ich bei Facebook entdeckt habe: Die drei Stadtmarketingchefs von Bad Hersfeld, Rotenburg und Bebra, Matthias Glotz, Torben Schäfer und Stefan Pruschwitz gemeinsam an einem Tisch beim Bier trinken. Zwischen den Dreien stimmt offenbar die Chemie, regelmäßige Treffen sollen nun folgen. Zusammen wollen sie versuchen, den Kreis besser zu vermarkten. Bei Tourismus, Werbung und Veranstaltungen gibt es da viele Gemeinsamkeiten. Es ist gut, dass die Kleinstaaterei nun offenbar endlich beendet wird.

Humor hat er, unser neuer Landrat Torsten Warnecke. In meiner Büttenrede zum Rosenmontag hatte ich den SPD-Politiker ein wenig karnevalistisch-flapsig als „Toddel“ bezeichnet, eine Koseform seines Vornamens, die ich aus Norddeutschland kenne. Jetzt hat mir der Landrat ein Bilderbuch geschenkt: „Toddel, der mutigste Hase der Welt“ heißt es.

Erzählt wird in niedlichen Bildern die Geschichte des kleinen Angsthasen Toddel, der zum Muthasen wird, weil er sich traut, die Wahrheit zu sagen. Im Buch geht es zwar nur um gemopste Möhren, beim großen Toddel hingegen vielleicht auch um bittere Wahrheiten – wie die Zukunft des Klinikums oder die Kreisfinanzen. Bei der Fülle seiner Aufgaben und den schwierigen Entscheidungen kann man dem neuen Landrat nur viel Mut wünschen.

Am Montag steht nun erst mal die Wahl des Ersten Kreisbeigeordneten an. Eine erste Nagelprobe für Warnecke, ob es ihm gelingt, den SPD-Kandidaten Dirk Noll durchzusetzen ohne dabei auf die Stimmen der AfD angewiesen zu sein. Der Wahlgang könnte dadurch zum Wahlkrimi werden ...

Den Ersten Beigeordneten dürfen nur die Kreistagsmitglieder wählen. Bei der Bundestagswahl am Sonntag sind wir alle gefordert. Die Argumente sind ausgetauscht. Klar scheint zu sein, dass es hier auch um eine Richtungswahl geht, bei der gerade die kleinen Parteien zum Zünglein an der Waage werden können. Es kommt daher auf jede Stimme an.

Ich erspare Ihnen die üblichen Sonntagsreden und Appelle: Sie alle wissen, dass freie Wahlen ein Privileg sind, um das uns viele Menschen auf der Welt beneiden. Für mich ist das Wahlrecht deshalb auch eine Wahlpflicht. Wir sehen uns im Wahllokal!
(Kai A. Struthoff)

Rubriklistenbild: © LUDGER KONOPKA

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