ZWISCHEN DEN ZEILEN

Lolls, ein Lob und das Herz des Booms

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Kai A. Struthoff

In dieser Woche wurde das beliebte Lullusfest abgesagt. Das trifft die Fans ins Herz, ist aber vernünftig.

Nach den Festspielen hat Corona nun auch unser Lullusfest auf dem Gewissen. Auch wenn sich die Absage eigentlich schon lange abgezeichnet hat, so hatten die Fans des Volksfests noch gehofft, dass Lolls irgendwie zu retten ist. Umso größer ist nun die Enttäuschung. Leicht haben sich die Verantwortlichen die Entscheidung sicher nicht gemacht. Aber sie ist richtig. Zu groß ist das Risiko, dass Bad Hersfeld und unser Kreis zu einem neuen Corona-Hotspot geworden wäre. Obwohl unsere Region – auch wegen des besonnenen Handels von Bürgern und Kommunalpolitikern – bislang verhältnismäßig glimpflich durch die Krise gekommen ist, so ist die Gefahr leider noch längst nicht gebannt.

Trotz mancher Auswüchse sind die sozialen Medien wie Facebook & Co. für uns Journalisten ein wichtiger Seismograf, um Stimmungen und Themen auszuloten. Besonders schätze ich dabei die lokalen Gruppen, in denen oft leidenschaftlich diskutiert wird. Dazu gehört auch „Bad Hersfeld diskutiert und schnuddelt“ mit seinen fast 3000 Mitgliedern, die von Administratorin Dagmar T. charmant, aber konsequent geführt wird. Zuletzt wurde dort sehr kontrovers über das Agieren von Bürgermeister Thomas Fehling in Sachen Festspielkantine debattiert. Auch wenn dem Stadtoberhaupt ja zuweilen das diplomatische Fingerspitzengefühl im Umgang mit politischen Partnern und den Bürgern fehlt, hat er aus meiner Sicht in diesem Fall konsequent und richtig gehandelt – Aber natürlich verstehe ich auch den Verdruss der sympathischen Kantinenwirte.

Aber es gibt auch viel Kritik an Fehlings Vorgehen, wie die Facebookdebatte gezeigt hat. Dort wurde ich übrigens explizit aufgefordert, dieses Thema in der HZ aufzugreifen, was ich gern getan habe. Dabei habe ich logischerweise auch Stimmen aus dieser Facebookgruppe zitiert, was allerdings einige Gruppenmitglieder empört hat, weil sie das als Vertrauensbruch sehen. Das tut mir natürlich leid! Gleichwohl ist es journalistisch statthaft, zumal eine so große Gruppe ja bereits eine gehörige Öffentlichkeit erzeugt hat.

Ohnehin finde ich, dass man zu seiner Meinung stehen muss und im vermeintlich anonymen Raum der sozialen Medien nichts von sich geben sollte, was man einem anderen nicht auch ins Gesicht sagen würde.

Ein dickes Lob hat sich der Bad Hersfelder Juwelier Matthias Laufer-Klitsch verdient: Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums seines Geschäfts verschickte er an seine überregionalen Kunden einen dicken Brief, dem das Programm des „Anderen Sommers“ der Festspiele beigelegt war. Im Anschreiben bedauerte Laufer-Klitsch den Ausfall des ursprünglich geplanten Theaterprogramms, lud zur Entdeckung der Ersatzveranstaltungen und natürlich auch zu einem Blick auf seine Kollektionen ein. Der sicher nicht ganz billige Versand des Festspiel-Flyers war übrigens eine Eigeninitiative des Juweliers zur Unterstützung der örtlichen Kultur. Prima, so etwas wünscht man sich öfter.

Ein dickes Lob hat übrigens auch unsere ganze Region bekommen – von der ehrwürdigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Unter dem Titel „Im Herzen des Booms“ berichtet dort Autor Julian Staib über den Wandel vom Zonenrandgebiet zum Logistikzentrum Deutschlands. Wir wissen natürlich schon lange, dass es bei uns richtig brummt. Jetzt aber weiß es dank der FAZ auch der Rest der Republik.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende in unserer Boomregion!

Von Kai A. Struthoff

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