Internationaler Frauentag

Lohnlücke zwischen Frauen und Männern klafft noch immer

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg  verdienen Frauen knapp 600 Euro im Monat weniger als Männer.  Das ist die größte Lohnlücke in Hessen.

Beim Einkommen ziehen Frauen nach wie vor den Kürzeren: Knapp 600 Euro sind es den aktuellsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit nach, die Frauen mit Vollzeit-Stelle im Kreis Hersfeld-Rotenburg im Monat weniger verdienen als ebenfalls in Vollzeit und sozialversicherungspflichtig beschäftigte Männer.

In den vergangenen Jahren wies der Kreis laut des hessischen Lohnatlas sogar die größte Lohnlücke in ganz Hessen auf (wir berichteten).

Bei 2554 Euro im Monat lag das durchschnittliche Vollzeit-Einkommen von Frauen im Landkreis zum Stichtag 31. Dezember 2018. Männer mit der gleichen Arbeitszeit kamen auf 3141 Euro. Zahlen für das Jahr 2019 werden erst im Sommer 2020 veröffentlicht. Im Vergleich zur Statistik für das Jahr 2017 hatte sich das Arbeitsentgelt von Frauen aber um immerhin knapp vier Prozent erhöht – damals lag es im Mittel nur bei 2457 Euro.

Melanie BonackerArbeitsagentur

Die Ursachen für die Lohnlücke sind laut Melanie Bonacker, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, vielschichtig. Zwar sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich angestiegen. Von 49 147 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren im Juni 2019 im Landkreis fast 44 Prozent weiblich (227 mehr als im Vorjahr), die meisten im Alter von 25 bis unter 55 Jahren. Und auch bei den weiblichen Beschäftigten mit akademischem Abschluss sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 6,6 Prozent gestiegen.

Es bestehen laut Bonacker allerdings nach wie vor strukturelle Differenzen. Frauen arbeiten häufiger in sozialen oder personennahen Dienstleistungen, die tendenziell schlechter bezahlt werden als etwa technische Berufe, hinzukommen längere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und der anschließende Wiedereinstieg in Teilzeit und Minijobs. Dies wirke sich negativ auf die Karrieremöglichkeiten aus. „Frauen sind in Führungspositionen, besonders in Spitzenpositionen, unterrepräsentiert“, weiß Bonacker. Auch Rollenstereotype und geschlechtsspezifische Zuschreibungen wirkten bei der Arbeitsbewertung, Leistungsfeststellung oder Stellenbesetzung noch immer nach und könnten zu meist indirekter Benachteiligung und mittelbarer Diskriminierung führen.

Elke Künholz, Erste Kreisbeigeordnete

Zwei Drittel der Lohnlücke lassen sich laut der Ersten Kreisbeigeordneten und Frauenbeauftragten des Kreises, Elke Künholz, mit den bereits genannten Strukturen erklären. „Aber auch die bereinigte Entgeltlücke liegt in Deutschland bei rund sechs Prozent“, betont sie. Dabei werde eine Stunde Arbeit mit Blick auf vergleichbare Qualifikation, Stundenumfang und Tätigkeit verglichen. Das sei eine unmittelbare Diskriminierung. „Daher rate ich allen Frauen, frühzeitig für ein gerechtes und angemessenes Gehalt zu kämpfen“, so Künholz.

Kaya KinkelGrünen-Landtagsabgeordnete

Das Ziel gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit verfolgt auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Kaya Kinkel, die das Thema im Kreistag schon aufs Tapet gebracht hat. Dabei sei das Thema nicht nur zum Weltfrauentag am 8. März wichtig, sondern müsse kontinuierlich verfolgt werden. „Im Landkreis müssen das Frauenbüro und die Frauenbeauftragte durchgehend daran arbeiten“, fordert sie. Grundsätzlich habe eine Tarifbindung nachweislich positive Effekte auf das Lohngleichgewicht.

  Fotos: Alexander Paul Englert/NH/Grüne/NH

Hessischer Lohnatlas zeigt positive Entwicklung

Die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern in Hessen ist laut des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration zwischen 2015 und 2018 um mehr als zwei Prozentpunkte kleiner geworden. Eine Entgeltgleichheit sei aber noch nicht erreicht. Auch der aktuelle Lohnatlas von 2019, der am 12. März vorgestellt wird, zeige viele positive Entwicklungen. Neu seien darin auch Daten zu Engeltlücken in verschiedenen Branchen und Betriebstypen. Mit der Erstellung ist das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität Frankfurt beauftragt. Der Atlas soll Transparenz schaffen und eine Datengrundlage für zukünftige Schritte liefern.

Von Nadine Maaz

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