"A Long Way Down"

Eigenwillige Selbsthilfegruppe im Literaturgottesdienst

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Kirchengemeinde auf dem Festspielparkett: Anne Natt, Sönke Völker, Michaela Buchs und Markus Pfromm lasen aus dem Roman A Long Way Down von Nick Hornby. Pfarrerin Petra Schwermann hielt die Predigt und Pfarrerin Imke Leipold hatte die Gesamtleitung des Literaturgottesdienstes. Den musikalischen Rahmen gestalteten Sebastian Bethge und Herbert Janßen.

Mit einem Literaturgottesdienst zu Nick Hornbys Roman „A Long Way Down“, dessen Dramatisierung derzeit im Eichhof zu sehen ist, begab sich die Kirche erneut aufs Festspielparkett.

Bad Hersfeld – Bibel und Literatur – so Pfarrerin Imke Leipold – seien eng miteinander verbunden und verdienten es, immer wieder neu bedacht zu werden.

Nick Hornby, der nach eigenem Bekunden höchst orientierungslose Lehrer und erfolglose Musikjournalist, der Bücher schreiben muss, weil er keine Songs schreiben kann, lässt in seinem Roman vier Selbstmordkandidaten an Silvester auf einem Londoner Hochhaus aufeinandertreffen. Alle vier sind sehr unterschiedliche Charaktere: Die schnoddrige Jess, der abgehalfterte Fernsehmoderator Martin, der amerikanische Pizzabote J.J., der viel lieber Rockstar wäre und Maureen, die ihren behinderten Sohn pflegt und der dabei keine Zeit für eigenes Leben mehr bleibt. Zunächst unfreiwillig bilden die vier eine höchst eigenwillige und kuriose Selbsthilfegruppe und beschließen, den Selbstmord zunächst für einige Wochen zu vertagen. Am Ende löst sich zwar nicht einfach alles in Wohlgefallen auf, aber es tun sich für alle Protagonisten neue Wege auf.

Wie in allen seinen Romanen porträtiert Hornby auch hier Verlierer und Gescheiterte und er tut dies mit liebevollem Blick und Sinn für sprachliche Nuancen. Diese nahm auch das Leseteam auf, das sich auf die Kanzel begeben hatte, um von oben – quasi wie vom Hochhausdach aus – auf die Zuhörer in der ausgesprochen gut besetzten Stadtkirche hinabzusprechen.

Mit Anne Natt (Jess), Michaela Buchs (Maureen), Markus Pfromm (Martin) und Sönke Völker (J.J.) war es Imke Leipold einmal mehr gelungen, Leser zu finden, die den verschiedenen Charakteren sehr unterschiedliche und eigene Stimmen verliehen. Bezirkskantor Sebastian Bethge sorgte an der Eule-Orgel mit Kurzimprovisationen für Atempausen in der Lesung. Herbert Janßen (Gesang und Gitarre) steuerte mit Songs von Gerhard Schöne, Udo Lindenberg und Phil Ochs, deren Texte einen engen Bezug zum Thema hatten, eine weitere Reflexionsebene bei.

In ihrer Predigt wies Pfarrerin Petra Schwermann darauf hin, dass die vier Protagonisten einander zu Rettern werden und stellte dabei auch den Bezug zu Psalm 50 her, den die gläubige Maureen auch im Roman zitiert. Und auch wenn der Engel, anders als von Jess dargestellt, nicht als spektakulär gut aussehender Mann im weißen Gewand und mit überirdischem Leuchten daher kommt, öffnet sich für die vier Protagonisten im Zueinanderrücken doch ein neuer Blick auf die Zukunft.

VON UTE JANSSEN

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