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Literatur-Aktion in Bad Hersfeld ist zu Ende gegangen

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Zeitungs-Ente für die Schriftstellerin: Moderator Kai Struthoff und Autorin Kirsten Boie sprachen über Literatur und das Schreiben.
Zeitungs-Ente für die Schriftstellerin: Moderator Kai Struthoff und Autorin Kirsten Boie sprachen über Literatur und das Schreiben. © Philipp Ling

Mit einer großen Abschlussveranstaltung in der Stadthalle ist am Donnerstag die Aktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“ zu Ende gegangen.

Bad Hersfeld – Ehrengast bei der Abschlussveranstaltung war Autorin Kirsten Boie, deren Roman „Heul’ doch nicht, du lebst ja noch“ in diesem Jahr von der Jury ausgewählt worden war.

Der Autorin und den zahlreichen Gästen in der Stadthalle wurde bei der Veranstaltung ein Potpourri aus den vorangegangenen Veranstaltungen der Lesereihe geboten. So präsentierten Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Geistal noch einmal ihre selbst erarbeiteten Schwarzmarktszenen, die durch das Buch inspiriert wurden.

Schülerinnen der Gesamtschule Oberberg trugen ebenfalls eigene Texte vor, in denen sie die Geschichte und das Schicksal der Romanfiguren nach den im Buch geschilderten Ereignissen weitererzählten.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von den Chören der Obersbergschulen unter Leitung von Ulli Meiß sowie Udo Diegel, Olaf Wald, Daniela Schönberg und Sebastian Rückert, die mit Stücken wie „Lilli Marleen“ oder „Irgendwo auf der Welt“ von den Comedian Harmonists, die das Publikum auch musikalisch in die Zeit des Romans mitnahmen.

Durch das Programm führte HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff, der die Autorin in mehreren Gesprächsrunden zu den Hintergründen ihres Romans befragte.

Die Idee zu dem Buch, so erzählte sie, kam ihr 2020 anlässlich des Gedenkens an das Kriegsende vor 75 Jahren. Sie selbst gehört zwar mit dem Geburtsjahr 1950 der Nachkriegsgeneration an, doch auch für sie war der vergangene Krieg in ihrer Kindheit allgegenwärtig.

Kirsten Boie: „Reden, um zu verarbeiten“

„Es war das Eindringlichste und Furchtbarste, was die Menschen erlebt hatten und sie mussten darüber reden, um es zu verarbeiten“, berichtete sie. Von den Erwachsenen hörte sie die Erlebnisse während der Bombardierungen und die Zeit im Luftschutzbunker, von Hunger und Kälte.

Verschwiegen wurden hingegen die deutsche Kriegsschuld, die Verbrechen und die Schoah. Dies rückte erst später mit den Auschwitz-Prozessen in den 1960er Jahren ins Bewusstsein. Auch diese für ihre Generation schockierende Erfahrung hat sie in einem Buch mit dem Titel „Vorbei ist eben nicht vorbei“ verarbeitet.

Die Autorin und ihre Fans: Am Ende der Abschlussveranstaltung von „Bad Hersfeld liest ein Buch“ musste die Autorin Kirsten Boie (rechts) viele Bücher signieren und Autogramme geben.
Die Autorin und ihre Fans: Am Ende der Abschlussveranstaltung von „Bad Hersfeld liest ein Buch“ musste die Autorin Kirsten Boie (rechts) viele Bücher signieren und Autogramme geben. © Philipp Ling

Die Inspirationen zum Schreiben entstehen bei ihr ganz unterschiedlich: Mal basieren sie auf eigenen Erlebnissen, andere Ideen kommen einfach spontan. Mitunter steht auch wie bei „Heul doch nicht, du lebst ja noch“ zunächst das Thema fest und die Geschichte entwickelt sich daraus. In diesem Fall seien die Charaktere frei erfunden – so habe sie mehr Freiraum gehabt, um die unterschiedlichen Aspekte des Themas unterzubringen.

Dass auch Erwachsene gerne zu Jugendbüchern greifen, ist kein Geheimnis (und Kai A. Struthoff outete sich selbst als Fan der „Juli“-Reihe von Kirsten Boie). Dabei sei diese Unterscheidung allerdings recht modern, erläuterte Boie – viele Klassiker der Jugendliteratur wie Mark Twain oder Karl May wurden einfach gerne von Jugendlichen gelesen, ohne dass sie speziell für diese Zielgruppe geschrieben wurden. Zu „Heul’ doch nicht, du lebst ja noch“ erhielt sie jedoch auffallend viele Zuschriften von älteren Lesern, die über ihre eigenen Kriegserlebnisse berichteten.

Und auch in Bad Hersfeld habe der Roman den Nerv des Publikums getroffen, erklärte der Juryvorsitzende Dr. Thomas Handke zum Abschluss und bedankte sich bei allen Mitwirkenden der Leseaktion. Im Anschluss bildete sich eine lange Schlange vor dem Tisch, an dem Kirsten Boie ihr Buch signierte und Autogramme gab.

Bad Hersfeld liest ein Buch 2023

Die Vorbereitungen für „Bad Hersfeld liest ein Buch 2023“ laufen bereits. Wer die Jury bei der Buchauswahl unterstützen möchte, kann noch bis zum 17. Februar eigene Buchvorschläge einreichen. Es sollte sich dabei um Werke deutschsprachiger Autoren mit einem Umfang von etwa 300 Seiten handeln. Vorschläge werden in der Konrad-Duden-Stadtbibliothek entgegengenommen, auch per Mail an: bibliothek@Bad-Hersfeld.de. (Philipp Ling)

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