Liebe, Tod und Verklärung

Literarisches Konzert in der Bad Hersfelder Stiftsruine bezauberte das Publikum

+

Bad Hersfeld. „Ist Lieb’ ein zartes Ding? Sie ist zu rau!“ Ein Satz aus Shakespeares Drama, „Romeo und Julia“, der den Konzertabend am Samstag in der  Stiftsruine durchzog.

Zartheit und Rauheit, tödliches Drama und märchenhaftes Happy End bildeten die Gegensatzpunkte eines ungewöhnlichen Programms, dem Schauspiel-Ikone Marianne Sägebrecht und Hersfeld-Star Robert Joseph Bartl mit ihren Textbeiträgen den besonderen Reiz verliehen.

„Romeo und Julia“, so der Titel der Abends, bestimmten den ersten Teil. Verhalten feierlich lässt Peter Tschaikowsky seine Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ beginnen – den Gedanken des Mönchs Laurence folgend, ehe der Kampf der Montagues und Capulets entbrennt und das Stück in eine Totenklage mündet. Das Hessische Staatsorchester Wiesbaden war zu Gast und zeigte unter der agilen Leitung von Generalmusikdirektor Patrick Lange seine durch die Oper geschulten dramatischen Qualitäten.

Dass die Wiesbadener Musiker an diesem Abend überhaupt spielten, war allein schon ein heroischer Akt, da die Temperaturen weit unter dem für die empfindlichen Instrumente Zuträglichen lagen.

Fein ausgewählte Texte: Marianne Sägebrecht und Robert Joseph Bartl in der Stiftsruine.

Wie sehr es nicht nur das Drama selbst, sondern Shakespeares Sprache ist, die uns heute noch berührt, ließen Marianne Sägebrecht und Robert Joseph Bartl in ihren fein ausgewählten Textausschnitten spüren.

Nicht weniger eindrucksvoll gestaltete das Staatsorchester vier Sätze aus Sergei Prokofjews „Romeo und Julia“-Orchestersuiten, beginnend mit dem polternden Aufmarsch der Montagues und Capulets und endend mit der elegischen Szene „Romeo am Grabe Julias“.

Märchen statt Drama, Happy End statt tödlicher Tragödie, hieß es im zweiten, der Märchenwelt von „Tausend und einer Nacht“ gewidmeten Teil. Nikolai Rimski-Korsakows Suite „Scheherazade“, ein Wunder an harmonischem wie melodischem Erfindungsreichtum und virtuoses Feuerwerk zugleich, bildete den eindrucksvollen Rahmen, bei dem das Orchester auch solistische Glanzpunkte setzte, allen voran Konzertmeister Karl-Heinz Schultz mit seinem Violinsoli.

Marianne Sägebrecht las dazu die Rahmenerzählung vom verbitterten König Schahriyar, der jeden Tag eine Jungfrau töten lässt, ehe Scheherazade ihn mit tausendundein Geschichten versöhnt. Sie tat es mit jener zurückhaltenden Intensität, die solche Märchen tief in uns einsickern lassen. Riesiger Applaus.

Von Werner Fritsch

Literarisches Konzert in der Stiftsruine verzauberte Publikum

Kommentare