Chaos im „Tunten-Haushalt“

Theatervergnügen mit Lilo Wanders: "Ein Käfig voller Narren" in Bad Hersfeld

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„Ein Käfig voller Narren“: Monsieur Dieulafoi (Hannes Ducke), Georges (Gregor Eckert; stehend), Madame Dieulafoi (Isabella Nagy), Muriel Dieulafoi (Hannah Baus) und Laurent (Michael Jäger, von links).

Einen rundum vergnüglichen Theaterabend gab es am Freitagabend mit Jean Poirets turbulenter Komödie „La Cage aux Folles“ (Ein Käfig voller Narren) in der Bad Hersfelder Stadthalle.

Ganz ausverkauft war die Halle allerdings nicht.

In der Inszenierung von Florian Battermann begeisterte vor allem Kult-Diva Lilo Wanders als Travestiestar Albin, seit über 20 Jahren mit Georges, dem Besitzer des Nachtclubs „Der Narrenkäfig“ liiert und als Zaza Star der allabendlichen Revue. Als Laurent, Ergebnis von Georges einzigem „Fehltritt mit dem weiblichen Geschlecht“ und in der Wohnung über dem Nachtclub aufgewachsen, die aus einer reichen, aber erzkonservativen Familie stammende Muriel heiraten möchte, bricht in dem „Tunten-Haushalt“ das Chaos aus.

Da sich vor der Hochzeit die Familien des jungen Paares natürlich kennenlernen sollen, wird aus der plüschigen, mit Statuen unbekleideter griechischer Jünglinge und einem riesigen Penis dekorierten Wohnung über Nacht ein mit Madonnenbildnissen geschmücktes zweites Lourdes – der Phallus muss einer überdimensionalen Marienstatue weichen – und auch das tuntige Paar übt sich in maskulinen Verhaltensmustern, was allerdings grandios in die Hose geht.

Während Simone, Georges „Fehltritt“ und Mutter von Laurent, die völlig verfahrene Situation rettet, entdeckt Muriels erzkonservativer Vater seine weibliche Ader und zum großen Finale stehen schließlich alle im „Fummel“ Charleston tanzend auf der Bühne.

Neben Lilo Wanders spielen in der Aufführung der Braunschweiger „Komödie am Altstadtmarkt“ Gregor Eckert (Georges), Michael Jäger (Laurent), Isabella Nagy (Madame Dieulafoi), Hannes Ducke (Monsieur Dieulafoi), Hannah Baus (Muriel Dieulafoi), Astrid Straßburger (Simone), Gurmit Bhogal (Jakob) sowie Andreas Werth (Mercedes). Unterm Strich ein bestens aufeinander eingespieltes Ensemble mit viel temporeicher Situationskomik, herrlich zweideutigen Wortspielen wie „Gib ihn ins Kloster zu den barmherzigen Brüdern“ – begleitet von einem eindeutigen Hüftschwung – und einem gelungenen Bühnenbild.

Dafür gab es vom sichtlich amüsierten Publikum nicht nur nach dem Schlussvorhang viel Applaus.

Von Thomas Landsiedel 

Fotos: "Ein Käfig voller Narren" in der Bad Hersfelder Stadthalle

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