ZWISCHEN DEN ZEILEN

Leere Kneipen und eine verpasste Chance

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Am vergangenen Samstag haben wir an dieser Stelle weit über den Tellerrand bis in die Vereinigten Staaten geschaut, heute soll sich der Blick in die nächste Nähe richten.

Gemeinsam mit einem Freund war ich am Dienstag dieser Woche einziger Gast in einer Hersfelder Kneipe – den ganzen Abend lang.

Zugegeben, das Wetter war mies, es kam Fußball im Fernsehen, und die rot-weißen Trassierbänder, mit denen die Plätze an der Theke und einzelne Tische gesperrt waren, verbreiten eine trostlose Atmosphäre. Aber die Sorgen der freundlichen Wirtin um ihre Existenz waren mit Händen zu greifen. Wenn selbst Stammgäste ausbleiben und den ganzen Abend nicht mehr zu tun ist, als zwei, drei Bier zu zapfen, dann braucht es nicht viel Fantasie sich vorzustellen, wann hier die Lichter ganz ausgehen.

Anderswo im Städtchen sah es an diesem Abend nicht besser aus: Hier geschlossen, dort ebenfalls schwach besucht. Natürlich kann man niemandem einen Vorwurf machen, der sein Bier in Corona-Zeiten aus guten Gründen lieber daheim trinkt. Es gilt aber auch: Wer sich heute nicht mit seiner bevorzugten Gaststätte solidarisiert, darf sich morgen nicht wundern, wenn es das Lokal dann nicht mehr gibt.

Die Stadt Bad Hersfeld wirbt im Zusammenhang mit der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen der Deutschen Bahn massiv für den Erhalt oder sogar den Ausbau des ICE-Halts im Bahnhof der Kreisstadt. Jüngste Initiative ist eine umfangreiche Argumente-Sammlung, die eine Wiesbadener Agentur im Auftrag der Stadt erstellt hat. Darin geht es um Wachstumschancen, um die zentrale Lage und die Anbindung Bad Hersfelds an den Speckgürtel des Rhein-Main-Gebiets. Für uns, die wir hier wohnen und Zeitung lesen, im Grunde nichts Neues, doch für Außenstehende und Entscheider möglicherweise neu und hilfreich.

Was ein wenig verwundert: Die sicher nicht billige Präsentation wurde diese Woche von Stadt-Sprecher Meik Ebert ohne Ankündigung und ohne weitere Flankierung an die Medien versandt. Dabei hätte die Initiative durchaus einen öffentlichkeitswirksamen Pressetermin verdient gehabt, etwa direkt am Hersfelder Bahnhof. Das hätte die gute Absicht sicher noch einmal verstärkt, es hätte die Gelegenheit zu Nachfragen gegeben, und ein nettes Foto wäre wohl auch noch drin gewesen. Aber diese Chance zur Selbstdarstellung wurde nicht wahrgenommen. Schade drum.

Das Stadion an der Oberau mit neuem Multifunktionsgebäude und Kunstrasenplatz war eines der großen Hessentagsprojekte, das die Stadt Bad Hersfeld mit den Fördermitteln des Landesfestes realisiert hat. Das neue Sportlerheim wurde gerade noch rechtzeitig fertig, der B-Platz aus verschiedenen Gründen nicht mehr.

Das Coronavirus hat den Spielbetrieb der Fußballer seit Monaten lahm gelegt, sodass das Stadion schon seit einiger Zeit aus dem Fokus der Aufmerksamkeit geraten ist. Nicht jedoch bei der städtischen Bauverwaltung. Wie Bauamtschef Johannes van Horrick auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte, ist die Fertigstellung der Außenanlagen in Arbeit, auch steht die Ausschreibung für das Kunstrasen-Sportfeld unmittelbar bevor.

Eile ist nicht unbedingt geboten: Der bis zum Hessentag genutzte Kunstrasenplatz im Jahnpark hat die Zwischennutzung als Sparkassen-Konzertarena offenbar viel besser überstanden als gedacht und steht grundsätzlich weiter zur Verfügung.

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