Aus Eica wird gesundes Öl

Landwirtschaftszentrum Eichhof in Bad Hersfeld erhält Sortenschutz für neu gezüchtete Leindotter-Sorte

Wenige Millimeter groß: Die gelbbraunen Körner der neuen Leindottersorte Eica enthalten 35 bis 40 Prozent Öl. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Für eine neu gezüchtete Leindotter-Sorte hat das Bundessortenamt dem Landwirtschaftszentrum Eichhof in Bad Hersfeld Sortenschutz erteilt. 

Es sind vor allem die großen, schweren Körner, die Eica von Lignea, Calinka, Dolly und Sonny unterscheiden.

Wobei die Bezeichnung „groß“ relativ ist: Gerade mal 1,9 Gramm wiegen 1000 der wenige Millimeter großen, gelbbraunen Samenkörner. Für Leindotter ist das allerdings beachtlich – Lignea, Calinka, Dolly und Sonny bringen es nur auf 1,1 bis 1,4 Gramm. Eica ist eine neue Leindottersorte, die im Landwirtschaftszentrum Eichhof in Bad Hersfeld entstanden ist. Für die Neuzüchtung hat das Bundessortenamt der landeseigenen Informations- und Bildungseinrichtung jetzt Sortenschutz erteilt. „Das ist schon etwas Besonderes“, freut sich Edith Foltys vom Fachgebiet Biorohstoffnutzung Hessen-Rohstoffe (HeRo). Bevor eine neue Nutzpflanzensorte für den gewerblichen Anbau zugelassen wird, muss sie eine zweijährige Prüfung durchlaufen. Damit Züchter Sortenschutz – also den rechtlich gesicherten Eigentumsanspruch – erhalten, muss die Zuchtlinie neu, von den bisherigen Züchtungen unterscheidbar sein, und ihre Eigenschaften müssen beständig sein.

Erntereif: In den Samenkapseln reifen die Körner heran. Foto: nh

Interesse ließ nach

Die Entstehungsgeschichte von „Eica“, reicht bis ins Jahr 1983 zurück. Damals habe Dr. Frieder Morgner alte Landsorten aus Polen und der Sowjetunion gekreuzt, berichtet Edith Foltys. Zwei Sorten wurden in der Folgezeit zugelassen. „Damals war die Pflanze eher als Grundstoff für die Farbindustrie von Interesse“, erinnert sich die Eichhof-Mitarbeiterin. Nach der Jahrtausendwende habe das Interesse am Leindotter nachgelassen, das Saatgut landete in der Tiefkühlung. „Auf fünf bis sechs Prozent Feuchtigkeit heruntergetrocknet und bei minus 18 Grad gelagert, bleibt die Keimfähigkeit erhalten“, erklärt Foltys. Auf die so konservierten Pflanzenstämme konnten die Saatgutzüchter am Eichhof zurückgreifen, als der Leindotter durch die Nachfrage nach hochwertigen Speiseölen wieder in den Fokus rückte.

Hellgelb: Leindotteröl hat einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren. Foto: Eisenberg

Eine Pflanzenlinie, deren Körner einen hohen Ölgehalt aufwiesen, sei mit einer Leindotter-Sorte mit hohem Tausendkorngewicht – also hoher Kornmasse – gekreuzt worden, verdeutlicht Edith Foltys das Vorgehen. Aus den entstandenen Samenkörnern wurden die größten ausgewählt und die daraus gewachsenen Pflanzen mit weiteren Sorten gekreuzt. Dabei arbeiteten die Eichhof-Mitarbeiter zunächst mit einzelnen Pflanzen im Gewächshaus, später wurde die neue Sorte auf testweise vier Quadratmetern Fläche ausgesät. Nicht nur das hohe Tausendkorngewicht von 1,9 Gramm zeichne Eica aus, in einem Sortenversuch des Landes habe auch das aus den Samen gewonnene Öl im Geschmackstest am besten abgeschnitten. Erste Interessenten, die die neue Sorte anbauen wollen, gebe es bereits. Ob der Eichhof das Saatgut selbst gewinnen oder dafür mit einem externen Anbieter zusammenarbeiten wird, müsse allerdings noch entschieden werden.

Leindotter: In Vergessenheit geratene Kulturpflanze

Als Kulturpflanze ist Leindotter eher heute ein Nischenprodukt – aber genau deshalb für Landwirte durchaus interessant, erklärt Edith Foltys. Die 60 bis 125 Zentimeter hohen Pflanzen gelten als anspruchslos, gedeihen mit wenig Dünger und kommen auch ohne Pflanzenschutz aus. Das Kreuzblütlergewächs ist unempfindlich gegen Spätfrost und kann daher Ende März oder Anfang April ausgesät werden. Bereits 85 bis 120 Tage später können die Samenkapseln mit dem Mähdrescher geerntet werden.

Wenige Millimeter groß: Die gelbbraunen Körner der neuen Leindottersorte Eica enthalten 35 bis 40 Prozent Öl. Foto: Eisenberg

Sieben Kilogramm-Leindotter-Saatgut reichen für einen Hektar Fläche. Der Ertrag liegt zwischen 2500 und 3000 Kilogramm pro Hektar (Zum Vergleich: Der Weizenertrag pro Hektar liegt zwischen 6500 und 9000 Kilogramm). Die Körner haben einen Ölgehalt von 35 bis 40 Prozent. Es enthält einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren. „Das Verhältnis von Omega3- zu Omega-6-Fettsäuren ist im Leindotter optimal. Omega-3-Fettsäuren stärken das Immunsystem, bauen die Zellmembran auf und wirken entzündungshemmend“, betont Edith Foltys. 

Außerdem enthalte Leindotter-Öl viel Vitamin E und sei daher länger haltbar als andere kalt gepresste Öle. Leindotter-Öl kann für Salatdressings, Dips und Pesto verwendet werden. „Wärme würde die wertvollen Inhaltsstoffe zerstören“, erläutert die Eichhof-Mitarbeiterin. Leindotteröl wird aber auch in der Kosmetik- und Pharmabranche verwendet. Wegen seiner Zusammensetzung eignet es sich für die Herstellung von Linoleum sowie von schnell trocknenden Farben und Lacken. 

Als Misch- und Stützfrucht kann Leindotter gemeinsam mit Linsen, Erbsen oder Hafer angebaut werden. Die Stengel gäben den anderen Kulturpflanzen Halt, der Leindotter unterdrücke zudem das Unkraut, berichtet Foltys. Die zahlreichen kleinen gelben Blüten ziehen Bienen und andere Insekten an. Leindotter sei deshalb in mehreren Saatgutmischungen für Insektenblähwiesen enthalten. 

Nahrungsquelle: Die zahlreichen kleinen Blüten ziehen Insekten an. Foto: n h

Stichwort: Sortenschutz

Der Sortenschutz ist vergleichbar mit Patenten für technische Entwicklungen oder dem Urheberrecht für geistiges Eigentum. Da Pflanzenzucht sehr arbeits- und kostenintensiv ist, sollen dem Züchter dadurch die Einnahmen aus der Vermarktung gesichert werden. Gewerbliche Nutzer, zum Beispiel Landwirte, dürfen nicht ohne Zustimmung des Sortenschutzinhabers und damit in der Regel nicht ohne Zahlung einer sogenannten Nachbaugebühr Saatgut der Sorte erzeugen oder in Verkehr bringen. Diese Einschränkungen gelten nicht für private, nichtgewerbliche und Versuchszwecke. Die Saatgutgewinnung einer geschützten Sorte für die Verwendung im eigenen Garten ist also erlaubt. Die Verwendung einer geschützten Sorte für die Züchtung einer neuen Sorte bedarf hingegen in der Regel nicht der Zustimmung des Sortenschutzinhabers. Der Sortenschutz dauert 25 Jahre, bei Hopfen, Kartoffeln, Reben und Baumarten 30 Jahre. Für die Aufrechterhaltung muss eine jährliche Gebühr bezahlt werden. Kritiker hinterfragen, ob geistiges Eigentum auf biologische Organismen beansprucht werden kann. (jce)

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