Neue Düngeverordnung seit Ende März in Kraft

Landwirte kritisieren strengere Regeln fürs Düngen 

Landwirtschaftsserie: Güllefass mit Schleppschlauch-Technik im Einsatz bei Erdmannrode.
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Nahrung für die Pflanzen: Mit dem Schleppschlauchverteiler werden Gülle oder Gärreste aus Biogasanlagen direkt auf den Boden geleitet.

Ende März hat der Bundesrat der neuen Düngeverordnung zugestimmt, die strengere Regeln für die Düngung vorsieht – insbesondere in den besonders mit Nitrat belasteten „roten Gebieten“.

In diesen roten Gebieten weise der Grundwasserkörper einen Nitratgehalt von 37 Milligramm pro Liter mit steigender Tendenz oder oder 50 Milligramm pro Liter auf, erklärt Philipp Pfister von der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft (AGLW) in Rotenburg. 

Im Landkreis seien nur zwei Gemarkungen rot eingestuft und deshalb, neben einigen Wasserschutzgebieten, von den besonders hohen Auflagen betroffen. Dort gelte es nun, bei der angekündigten Binnendifferenzierung die Ursache der Belastung näher einzugrenzen und feiner zu gliedern, um nicht eine ganze Gemarkung unter Generalverdacht zu stellen, sagt Pfister, der den heimischen Landwirten insgesamt eine hohe Sensibilität für den Gewässerschutz bescheinigt.

Philipp Pfister Berater AGLW

 Einen Teil der Neuerungen außerhalb roter Gebiete halte er durchaus für sinnvoll, beispielsweise die Erhöhung der Ausnutzung, also des verfügbaren Nährstoffgehalts bei der Berechnung von Wirtschaftsdüngern, die sich mit den Versuchsergebnissen der AGLW decke.

„Probleme, die die Landwirtschaft verursacht, muss sie auch selbst lösen“, betont der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Jörg Schäfer aus Alheim-Niedergude. Allerdings müssten andere Verursacher, etwa marode Kanalnetze, ebenso in die Verantwortung genommen werden. Zahlreiche Punkte der Verordnung seien zudem nicht praxistauglich.

Die Freude über die Verordnung hält sich auch bei Kreislandwirt Horst Taube in Grenzen. Die erneute Verschärfung sei aber wohl unumgänglich gewesen, um deutsche Strafzahlungen an die EU zu verhindern. Die meisten Betriebe im Kreis sieht Taube so aufgestellt, dass sie die Regeln umsetzen können. Mit der Verordnung werde jedoch einem gut ausgebildeten Berufsstand pauschal die gute fachliche Praxis abgesprochen, beklagt der Landwirt aus Blankenheim: „Es wird so dargestellt, als hätten wir vorher alles falsch gemacht“. (jce)

Hintergrund

EU-Kommission drohte mit Strafen

Nitrat gelangt unter anderem ins Grundwasser, wenn mehr Stickstoff gedüngt wird, als die Pflanzen verbrauchen. 2018 hatte der Europäische Gerichtshof Deutschland nach einer Klage der EU-Kommission verurteilt, weil vor 2014 über Jahre zu wenig gegen die Verunreinigung unternommen worden sei. Die Bundesregierung hatte die Düngeregeln 2017 zwar verschärft, aus Sicht der EU-Kommission aber nicht ausreichend. Deshalb drohten 857 000 Euro Strafe pro Tag. (red/jce)

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