Protest gegen Agrarpaket

Landwirte im Kreis fürchten um ihre Existenz

Protestieren gegen dieaktuelle Agrarpolitik: (von links) Christian Kaupenjohann, Marcel Bock, Nadine Reinhardt, Stefan Böss und Sven Mares.
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Protestieren gegen die aktuelle Agrarpolitik: (von links) Christian Kaupenjohann, Marcel Bock, Nadine Reinhardt, Stefan Böss und Sven Mares.

Mit grünen Kreuzen auf Feldern und der Teilnahme an Demonstrationen protestieren Landwirte gegen steigende Auflagen und Dumpingpreise für Lebensmittel.

Viele Landwirte im Kreis fühlen sich durch das von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) geschnürte Agrarpaket in ihrer Existenz bedroht.

In den Gesetzesentwürfen werde die Landwirtschaft als alleiniger Verursacher von Insektenschwund und Nitratbelastung dargestellt, beklagt etwa Landwirt Stefan Böss aus dem Schenklengsfelder Ortsteil Landershausen: „Wir sind es leid, als Umweltverschmutzer dargestellt zu werden“. Das Agrarpaket sei ohne Absprache mit den Betroffenen geschnürt worden und setze vor allem auf Verbote und Ordnungsrecht statt auf Kooperation und Förderung. Dabei sei die Landwirtschaft durchaus bereit, ihren Beitrag zu Arterhalt und Insektenschutz zu leisten. Allerdings müsse Verbrauchern und Wählern klar kommuniziert werden, dass mehr Umweltschutz auch mehr Geld koste. Für zusätzlichen Frust bei den Landwirten sorgt das Freihandelsabkommen mit den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten, das steigende Importe von unter weniger hohen Auflagen produzierten Lebensmitteln zur Folge haben werde. „Die Landwirtschaft wird hier den Absatzmärkten für die Industrie geopfert“, ist Landwirt Marcel Bock aus dem Schenklengsfelder Ortsteil Wüstfeld überzeugt.

Friedhelm Diegel, Vorsitzender des Kreisbauernberbands

„Die Produktionsbedingungen müssen akzeptabel bleiben“, betont auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Friedhelm Diegel. Dass verstärkt Rindfleisch auf deutschen Tellern lande, für das womöglich Regenwald abgeholzt wurde, sei nicht nachvollzeihbar – zumal die heimische Landwirtschaft unter hohen Standards qualitativ hochwertiges Rindfleisch erzeuge.

Für die Proteste hat der Landwirt aus Alheim-Erdpenhausen Verständnis, wenngleich die Initiatoren wie die Gruppe „Land schafft Verbindung“ bislag schwer einzuschätzen seien. Vom Deutschen Bauernverband hätte sich Diegel in diesem Zusammenhang eine klarere Positionierung und eine deutlichere Abgrenzung von der Bundespolitik gewünscht. 

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Von Jan-Christoph Eisenberg

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