„Politik ist wie Sport“

Landtagswahl: Bernd Böhle aus Bad Hersfeld tritt für die FDP an

In seinem zweiten Wohnzimmer: FDP-Landtagskandidat Bernd Böhle im Hessenstation, das für den Hessentag umgebaut wird. Hier trifft für ihn sinnbildlich Politik auf Sport. Foto: Kai A. Struthoff

Bad Hersfeld. Vor der Landtagswahl stellen wir die sieben Direktkandidaten des Wahlkreises 11 (Hersfeld) vor. Heute ist es Bernd Böhle (FDP) aus Bad Hersfeld.

Wer den Politiker Bernd Böhle verstehen will, geht mit ihm am besten auf dem Fußballplatz – zum Beispiel ins Hessenstadion an der Unterau. „Politik ist wie Sport“, sagt Böhle und blickt über den ramponierten Rasen, der von harten Kämpfen zeugt. Seit vielen Jahren ist Böhle als Schiedsrichter auf den Sportplätzen des Kreises unterwegs, davor hat er selbst aktiv gekickt. „Manchmal muss man als Schiedsrichter unpopuläre Entscheidungen treffen“, sagt er. Wie in der Politik.

Böhle mag klare Regeln und Paragrafen, aber er ist einer, der stets „den Konsens sucht“. Berührungsängste mit anderen Parteien kennt er nicht, er sucht lieber das Gespräch. Mit den Jahren als Schiedsrichter sei er gelassener geworden, meint Böhle. Vielleicht liegt es daran, dass er auch in kontroversen Situationen stets ruhig, sachlich und höflich bleibt. Zum Beispiel bei seinen Wortgefechten mit Landrat Dr. Michael Koch im Kreistag.

Trotz massiver Kritik an seiner Haltung bleibt Böhle dabei: Die Fusion von Klinikum und HKZ sei „sehr riskant, ein Fass ohne Boden“. Alternativen wurden seiner Meinung nach zu wenig geprüft. Das gelte auch für den geplanten Anbau am Landratsamt. Böhle findet, die Kreistagsabgeordneten würden zu wenig eingebunden in diese wichtigen Zukunftsentscheidungen. Und diese Ansicht vertritt er beharrlich – trotz Gegenwind.

Politik hat Bernd Böhle schon immer interessiert. Seit 2007 unterstützt er die Liberalen, er will sich einbringen und Dinge voranbringen. Im Landtagswahlkampf setzt Böhle auf die „Stärkung des ländlichen Raums“, dessen Probleme er durch seine tägliche Arbeit als Büroleiter von Alheims SPD-Bürgermeister Georg Lüdtke gut kennt.

„Ich weiß, wo es brennt, denn viele Probleme werden nur von oben nach unten in die Gemeinden verlagert“, meint Böhle. Dabei ist er sich mit seinem sozialdemokratischen Chef meist einig. „Es läuft gut, denn es hängt an Personen und nicht an Parteien“, sagt Böhle. Seine politische Agenda für den Wahlkampf könnten daher vermutlich auch viele über Parteigrenzen hinweg unterschreiben: Er will mehr Geld für die Infrastruktur im ländlichen Raum und kritisiert, dass die schwarz-grüne Landesregierung viel Geld einfach habe verfallen lassen. Er wehrt sich gegen die „Mogelpackung“ der Kita-Gebührenfreiheit, die manche Kommune sogar teurer zustehen komme. Er will stattdessen mehr Personal und höhere Gehälter für die Kita-Mitarbeiter.

Zudem will er die Schulen modernisieren und fit für das digitale Zeitalter machen. „Overhead-Projektoren gehören ins Museum und nichts ins Klassenzimmer.“ Das Thema Ordnung und Sicherheit will er sich nicht von „der AfD wegnehmen lassen“ und tritt deshalb für höhere Investitionen bei der Polizei, klare Einwanderungsregeln und konsequente Abschiebung von straffälligen Ausländern ein. Beim Streitthema „Straßenbeiträge“ meint Böhle, dass jede Kommune selbst entscheiden soll, dafür aber genug Geld aus zweckgebundenen Fördertöpfen erhalten müsse. Und natürlich steht der FDP-Kandidat auch zur Kali-Industrie.

Ein weites Themenfeld, grün wie ein Fußballplatz. Bernd Böhle weiß, der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten – und die nächste Wahl ist immer die Schwerste.

Kandidaten kurz und knapp 

1. Die Breitbandversorgung ist für unsere Heimat ein absolutes Muss und zu fokussieren, damit Familien hierherziehen und gute Arbeitsplätze finden können!

2. Die ärztliche Versorgung verbessere ich, indem ich die Einrichtung regionaler Gesundheitsversorgungszentren stärker fördere.

3. Die Abschaffung der Straßenbaubeiträge finanziere ich durch deutlich höhere Landeszuweisungen für die Städte und Gemeinden im ländlichen Raum. Im Landeshaushalt ist hierfür genügend Geld vorhanden und das obwohl Schwarz-Grün rund 39 Millionen an Bundesmitteln für den Straßenbau sinnlos verfallen lassen hat.

4. Die Polizei im Kreis muss mehr Wertschätzung erhalten und dafür sorgen, dass Frauen und ältere Menschen abends ohne Angst durch unsere Straßen und Parkanlagen gehen können!

5. Unsere Kinder bekommen in der Schule zu viel Papier und der Unterricht fällt zu oft aus. Wir müssen raus aus der Kreidezeit und brauchen mehr qualifizierte Lehrer, die mit modernen Medien die Schüler auf das Berufsleben vorbereiten.

6. Die Feuerwehren müssen in der Zukunft besser unterstützt und ausgestattet werden. Die Bedarfsentwicklungspläne müssen daher Schritt für Schritt umgesetzt werden.

7. Die Landtagswahl wäre für mich ein Erfolg, wenn ich mit der Umsetzung unserer Ideen, die Stärkung unserer Region zu 80 Prozent erreiche.

8. Wenn ich mal keine Politik mache, dann bin ich oft als Schiedsrichter auf dem Fußballplatz tätig.

9. In meinem Lieblingsrestaurant bestelle ich am liebsten ein Zigeunerschnitzel mit Pommes und Salat.

10. Als Lesestoff besonders beeindruckt hat mich in letzter Zeit mein eigenes Buch „Kennzahlen für die kommunale Verwaltungssteuerung“, weil immer mehr davon umgesetzt wird.

11. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzler sein dürfte, würde ich endlich ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild auf den Weg bringen und dafür sorgen, dass niemand mehr ohne Fingerabdruck und Registrierung in unser Land kommen kann.

12. Diese Marotte würde ich mir am Liebsten abgewöhnen: Schauanträge anderer Parteien durch lange Rededebatten aufzuwerten.

13. Mit diesen drei Eigenschaften würden mich meine besten Freunde beschreiben: Klare Linie. Engagiert. Kompromissbereit.

Zur Person 

Bernd Böhle ist am 27. Mai 1989 in Bad Hersfeld geboren. Nach dem Abitur an der Modellschule Obersberg im Jahr 2009 hat Böhle eine Ausbildung im Landratsamt in Bad Hersfeld gemacht und an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Wiesbaden studiert. Er ist Betriebswirt. Böhle arbeitete danach beim Sozialamt im Vogelsbergkreis und ist jetzt Leiter des Bürgermeisterbüros in Alheim. Politisch engagiert er sich seit über zehn Jahren in der FDP für die er im Kreistag und in der Stadtverordnetenversammlung sitzt. Außerdem ist er in der Regionalversammlung Nordhessen, im FDP-Landesvorstand und der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker Hessen aktiv. In seiner Freizeit ist Böhle Fußball-Schiedsrichter und engagiert sich in mehreren Vereinen. Bernd Böhle ist Single. (kai)

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