„Das Land soll toll bleiben“

Landtagswahl: Der Arzt Stefan Wild will für die AfD nach Wiesbaden

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Er gibt sich nachdenklich: Der AfD-Landtagskandidat Stefan Wild, der in Rotenburg wohnt, aber im Wahlkreis 11 (Hersfeld) antritt. Das Foto entstand im Schilde-Park.

Bad Hersfeld. As letzten der sieben Direktkandidaten des Wahlkreises 11 (Hersfeld) für die Landtagswahl stellen wir den Rotenburger Arzt Stefan Wild von der AfD vor.

Stefan Wild passt nicht so leicht in die üblichen Schubladen. Er spricht leise, gibt sich nachdenklich, ist belesen und wortgewandt. Schrille Töne, wie man sie von manchen AfD-Politikern kennt, liegen ihm fern. „Nicht jeder, der rechts von der CDU steht, ist gleich ein Nazi“, sagt er und gibt zu, dass ihn derartige Vergleiche und die Ablehnung, die der AfD allerorten entgegenschlägt, verletzen.

Früher war Wild in der FDP, doch die Flüchtlingspolitik und die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung haben ihn zur AfD gebracht. „Wir leben in einem tollen Land, ich möchte, dass es so bleibt.“ Deshalb warnt er auch vor ungebremster Zuwanderung aus islamischen Staaten.

Der Islam sei eine „große Bedrohung“, denn er habe ein „starkes Beharrungsvermögen“ und verbiete seinen Anhängern, ihren Glauben abzulegen. Deshalb könne die Integration in unserem christlich geprägten Land nicht gelingen, meint Wild. Obwohl er selbst nicht an Gott glaube, sei der christliche Glaube, der „Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält“.

Als Arzt sei es immer seine Aufgabe gewesen, Menschen zu helfen. Jetzt werde er als AfD-Politiker zuweilen als „Menschenverachter“ beschimpft. Eigentlich möchte er nicht, dass Europa zur Festung gegen Zuwanderung werde, „aber wir können nicht alle aufnehmen, sonst schwächen wir unsere eigene Kraft, zu helfen.“

Das klingt differenzierter, als man es von anderen AfD-Politikern kennt. Ebenso bekennt sich Wild zur Pressefreiheit, die „für die Demokratie unabdingbar“ sei, während seine Parteifreunde gern von der „Lügenpresse“ schwadronieren. Allerdings meint auch Wild, dass viele Journalisten „ihre eigene Sicht der Dinge als Wahrheit“ darstellten.

Den umstrittenen „Vogelschiss-Vergleich“ der Nazi-Zeit des AfD-Chef Gauland „verstehe ich auch nicht“, sagt Wild. Den als AfD-Scharfmacher geltenden Björn Höcke indes hält er für missverstanden. Wild selbst scheint irgendwie dazwischen zu stehen. Dass die AfD auf Kreisebene noch keine Erfolge vorzuweisen hat, räumt er ein. Es fehle seiner noch jungen Partei an Erfahrung, Personal, Ortsverbänden, einem Büro, an Ressourcen, sagt er entschuldigend. Wild wäre deshalb zufrieden, „zunächst weiter in der Opposition zu fungieren.“

Als AfD-Landtagskandidat ist Stefan Wild nicht über einen Listenplatz abgesichert. Eigentlich sollte der überraschend verstorbene Heiner Hofsommer in Hersfeld kandidieren. Nun springt Wild in die Bresche und hofft – siehe Fragebogen – auf 20 Prozent der Stimmen. Die Wähler überzeugen will er mit einem Schwerpunkt im Bereich der inneren Sicherheit. „Die Polizei muss ordentlich aufgestellt sein, um sie vor Überforderung zu schützen“, sagt Wild. In der Schulpolitik plädiert er für ein dreizügiges Schulsystem und nennt die „Inklusion“ von Schülern mit Handicap „einen Irrweg – so wie sie gemacht wird.“ In der Gesundheitsversorgung fordert Wild klarere Strukturen, die vom Land vorgegeben werden müssen und eine stärkere „Ambulanzisierung“ der Krankenhäuser.

Ganz allgemein wünscht sich Stefan Wild von den Bürgern und den anderen Parteien „etwas mehr Neugier und Zugehen auf die AfD“. Gespräche also statt Schubladen.

Kandidaten kurz und knapp 

1. Die Breitbandversorgung ist unverzichtbare Voraussetzung für die Ansiedlung von Firmen und den Zuzug von Familien.

2. Die ärztliche Versorgung verbessere ich, indem ich – auch mit dem Blick über Deutschlands Grenzen hinaus – Infrastruktur, Arbeitsbedingungen und Vergütung anpasse.

3. Die Abschaffung der Straßenbaubeiträge finanziere ich durch Streichungen in ideologie-lastigen Bereichen der Landespolitik.

4. Die Polizei im Kreis muss alle notwendige Unterstützung bekommen, um die Sicherheit der Bürger auch weiterhin gewährleisten können.

5. Unsere Kinder bekommen in der Schule zu wenig Wissen und Können auf den Lebensweg, um die weltweite Stellung Deutschlands in Wissenschaft, Kultur und Technik auf höchstem Niveau zu halten.

6. Die Feuerwehren müssen in der Zukunft mit noch weniger Leuten Sicherheit und Gemeinsinn fördern.

7. Die Landtagswahl wäre für mich ein Erfolg, wenn ich für die AfD 20 Prozent erreiche.

8. Wenn ich mal keine Politik mache, dann lese oder musiziere ich.

9. In meinem Lieblingsrestaurant bestelle ich am liebsten Käsespätzle und Apfelsaft-Schorle.

10. Als Lesestoff besonders beeindruckt hat mich in letzter Zeit Thilo Sarrazins „Feindliche Übernahme“.

11. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzler sein dürfte, würde ich das viel zu kurz finden.

12. Diese Marotte würde ich mir am Liebsten abgewöhnen: Den Teller auch ohne Hunger leer essen.

13. Mit diesen drei Eigenschaften würden mich meine besten Freunde beschreiben: Zuverlässig, belesen, besonnen.

Zur Person 

Stefan Wild (58) stammt aus Tettnang am Bodensee. Nach einem Medizinstudium in Ulm arbeitete er in Melsungen, eher er Anfang der 90er-Jahre ans HKZ in Rotenburg wechselte. Er arbeitete zehn Jahre im Bereich der Herzchirurgie, ist aber kein Facharzt in dieser Disziplin. Später wechselte er am HKZ in die Position des Verwaltungsleiters und absolvierte ein Betriebswirtschaftsstudium an der BKK-Aademie und in Stuttgart. Im Zuge der Fusion von Klinikum und HKZ wechselte Wild in den Bereich des Medizin-Controllings und Qualitätsmanagements. Er arbeitet heute vornehmlich in Bad Hersfeld. In seiner Freizeit widmet sich Wild der Literatur und Musik, spielt in einer Rotenburger Guggengruppe Trompete. Er lebt mit seiner Frau in der Nachbarschaft des HKZ. Das Paar hat einen erwachsenen Sohn und eine erwachsene Tochter. (lad/kai)

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