Forstwirte in Sorge

Lage im Wald ist dramatisch: Millionenschäden durch Borkenkäfer

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Kontrolle mit dem Schäleisen: Gerd Schwarz von der Revierförsterei Hönebach prüft den Entwicklungsstand der Borkenkäferpopulation unter der Rinde einer gefällten Fichte.

Borkenkäfer, Sturmschäden, zu wenig Regen: Die Lage in den waldhessischen Wäldern ist ernst. Die Schäden gehen in die Millionen.

Forstwirte kommen mit dem Aufräumen nicht mehr hinterher.

„Seit geordnete Forstwirtschaft betrieben wird, hat es so etwas noch nicht gegeben“, fasst Dr. Hans-Werner Führer, Leiter des Forstamts Rotenburg, die Situation zusammen. Kersten Eidam vom Forstamt Bad Hersfeld sagt: „Die Lage ist dramatisch.“

Das mit Abstand größte Problem sind die Borkenkäfer. Zu 90 Prozent sind Fichten betroffen. Im vergangenen Sommer hatten sich die millimetergroßen Tierchen durch anhaltene Trockenheit und heiße Temperaturen explosionsartig vermehrt. Die Entwicklung setzte sich im Frühjahr fort und sorgt dafür, dass täglich neue Bäume von den gefräßigen Käfern befallen werden und absterben. Die Förster versuchen, diese Bäume dann möglichst schnell aus dem Wald zu entfernen, damit benachbarte Bäume verschont bleiben. In der Vergangenheit habe man das auch in den Griff gekriegt. Jetzt nicht mehr, sagt Führer: „Wir werden vom Borkenkäfer überrollt.“ Ein Beispiel, das die Ausmaße verdeutlicht: Im vergangenen Jahr waren allein im Forstamtsbezirk Rotenburg 100.000 Kubikmeter Holz vom Käfer befallen. „In diesem Jahr sind wir schon bei 300.000 Kubikmetern Käferholz und ein Ende ist nicht absehbar“, sagt Führer. „Im Rotenburger Staatswald“, rechnet der Forstamtsleiter vor, „haben wir geschätzt 50 Millionen Euro Wertverlust zu verzeichnen und der Käfer marschiert munter weiter“.

Kersten Eidam kann für das Hersfelder Forstamt zwar noch keine konkreten Angaben über die Schadenshöhe machen. „Im Fichtenbereich haben wir aber jetzt schon längst den Baumeinschlag erreicht, den wir im gesamten Jahr 2018 hatten. Das sind Dimensionen, die sind kritisch.“

Weibchen sorgt für 100.000 Nachkommen

Borkenkäfer vermehren sich bei Hitze und Trockenheit rapide. Statt der üblichen zwei Generationen pro Jahr beklagen die Forstwirte seit dem vergangenen Sommer schon eine dritte. Über drei Generationen kann ein Weibchen mehr als 100.000 Nachkommen haben. Die Eier werden zwischen Holz und Borke abgelegt. Daher auch der Name: Borkenkäfer. Die Käfer zapfen den lebenswichtigen Saft zwischen Holz und Borke ab und nehmen den befallenen Bäumen die Lebensgrundlage. 

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Sebastian Schaffner und Peter Gottbehüt

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