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Lärmschützer sind besorgt: Bürgerinitiativen kritisieren Verkehrsentwicklung in Hersfeld-Rotenburg

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Das Bild zeigt eine Frau mit dickem Gehörschutz an einer Kreuzung. Hinter ihr fahren Autos vorbei.
Lärm hat viele Gesichter: Ob Straßen-, Schienenlärm oder sonstiger Alltagslärm – auf das Thema aufmerksam machen soll seit 25 Jahren am 27. April der „Tag gegen Lärm“. Unser Symbolbild entstand in Bad Hersfeld an der häufig viel befahrenen Kreuzung Dippelstraße/Seilerweg/Bahnhofstraße/Reichsstraße (B 324). © Nadine Meier-Maaz

Zum heutigen 25. bundesweiten „Tag gegen den Lärm“ haben Lärmschützer aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg eine eher durchwachsene Bilanz ihrer Arbeit gezogen.

Hersfeld-Rotenburg - Vor allem der Schienenlärm –auch vor dem Hintergrund der geplanten neuen Schnellbahntrasse –, aber ebenso der Ausbau der Autobahn 4 bereitet den Vertretern der Bürgerinitiativen Sorgen. Prognostiziert ist eine weitere Zunahme des Güterverkehrs auf der Schiene im Kreisgebiet um bis zu 40 Prozent. Das Gleiche gelte wegen immer neuer Logistikcenter auch für den Schwerlastverkehr in der Region.

„Ich fühle ich mich nicht ernst genommen, sondern zuweilen sogar verarscht“, findet Gerhard Deiseroth vom Bündnis gegen Bahnlärm deutliche Worte. Bei wichtigen Entscheidungen würden die Lärmschützer nicht gehört, sondern außen vorgelassen. Ähnlich äußert sich Dr. Joachim Dähn von der Bürgerinitiative „A 4-Lärmschutz“, der kritisiert, dass die Stadt Bad Herfeld die Anfangsphase verschlafen habe. Dähn spricht von einer „Drei-Klassen-Gesellschaft“ beim Lärmschutz entlang der Autobahn, weil Teile der Kreisstadt keine Schutzwände erhalten werden. Für den Rest seien zwar bis zu zehn Meter hohe Lärmschutzwände vorgesehen, aber „diese Wände sind undurchsichtig, hässlich und in billigster Ausführung. Direkt dahinter wohnen möchte man eigentlich nicht“, sagt Dähn. „Eine neue Dynamik“ verspüren die Lärmschützer indes dank des neuen Klimaschutzbeauftragten von Bad Hersfeld, Michael Mai, der sich auch um den Lärmschutz kümmert.

Der Bad Hersfelder Lärmschutzbeirat bündelt die Interessen mehrerer Bürgerinitiativen und wirkt damit über die Grenzen der Kreisstadt hinaus. Einen eigenständigen Lärmschutzbeirat gibt es außerdem noch in Kirchheim.

Als Konfliktpunkte gelten die Bahnstrecken, Autobahnen und die Bundesstraßen im Kreis. Eingaben der Bürger fließen unter anderem in den Lärmaktionsplan Hessen ein, der unter Federführung des Regierungspräsidiums regelmäßig überarbeitet wird. Bad Hersfeld erstellt zudem derzeit einen „Masterplan Mobilität und Verkehr“. (Kai A. Struthoff)

Lesen Sie auch: Joachim Dähn und Gerhard Deiseroth im Interview zum Tag gegen Lärm

25. Tag gegen Lärm

Der europaweite „Tag gegen Lärm – International Noise Awareness Day“ findet seit 1998 auch in Deutschland statt, in diesem Jahr also zum 25. Mal. Das Motto lautet diesmal „Hört sich gut an“. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf die Ursachen von Lärm und seinen Wirkungen zu lenken, um die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Der „Tag gegen Lärm“ richtet sich an alle vom Lärm, seiner Art, den Ursachen und seiner Wirkung Betroffenen und soll seiner Bekämpfung dienen.

Der Lärmschutzbeirat von Bad Hersfeld ist am „Tag gegen Lärm“ in der Zeit von 10 bis 13 Uhr mit einem Infostand am Lullusbrunnen vertreten. In der Zeit von 17.30 bis 19.30 Uhr gibt es drei Vorträge im Konferenzraum 2 der Stadthalle. Dr. Joachim Dähn spricht über den „Mut zur Stille“. Dr. Henrik Losenhausen, Oberarzt an der Hainbergklinik, referiert über „Lärm aus medizinischer und therapeutischer Sicht“ und Diplom-Ingenieur Michael Mai (der Klimaschutzbeauftragte der Stadt Bad Hersfeld) spricht über „Lärm-Hotspots in Hersfeld“. Die Vorträge gibt es auch online: Die Zugangsdaten erhält man nach rechtzeitiger Anmeldung bis heute 15 Uhr über www.laermschutz@bad-hersfeld.de. (kai)

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