Längere Laufzeit für Rotoren

Bestehender Windpark bei Lengers soll auch nach 2022 noch weiterbetrieben werden

Blick auf Lengers und seinen Windpark: Die drei Anlagen sollen auch über das Jahr 2022 hinaus weiterlaufen. Zwei neue Rotoren sollen im Wald oberhalb hinzukommen.
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Blick auf Lengers und seinen Windpark: Die drei Anlagen sollen auch über das Jahr 2022 hinaus weiterlaufen. Zwei neue Rotoren sollen im Wald oberhalb hinzukommen.

Die Firma Energiekontor aus Bremen möchte ihre drei Windräder auf dem Eichberg bei Lengers auch über das Jahr 2022 hinaus weiterbetreiben.

Lengers - Das teilt Unternehmenssprecher Peter Alex auf Nachfrage mit. Derzeit lasse das Unternehmen die dazu notwendigen Gutachten erstellen. Die drei Rotoren waren zum 2. Januar 2003 in Betrieb genommen worden. Die sogenannte immissionsschutzrechtliche Genehmigung für die drei Anlagen sei vom Regierungspräsidium Kassel (RP) unbefristet erteilt worden, erklärt RP-Sprecher Hendrik Kalvelage. Zeitlich begrenzt sei hingegen die Gültigkeit des Standsicherheitsnachweises beziehungsweise der sogenannten Typenprüfung. Die Entwurfslebensdauer einer Anlage betrage im Regelfall mindestens 20 Jahre, teilweise auch bis zu 25 Jahre, führt dazu der zuständige Fachdienst Bauordnung des Landkreises aus. Nach Ablauf der Entwurfslebensdauer müsse eine Windenergieanlage hinsichtlich ihres Weiterbetriebes neu beurteilt werden. Das geschehe durch geeignete unabhängige Sachverständige. Im konkreten Fall des Windparks Lengers sei in der statischen Typenprüfung eine Entwurfslebensdauer von 20 Jahren angegeben. Sie ende damit am 2. Januar 2023.

Ein Weiterbetrieb über diesen Zeitraum hinaus erfordere eine Bewertung der Gesamtanlage durch unabhängige Gutachter. Maßgeblich seien alle standsicherheitsrelevanten Bauteile, insbesondere lastabtragende Komponenten, die Funktionsfähigkeit der Sicherheitseinrichtungen, der Anlagensteuerung und der Bremssysteme. Geregelt ist diese Prüfung für den Weiterbetrieb laut Fachdienst Bauordnung in der „Richtlinie für Windenergieanlagen, Einwirkungen und Standsicherheitsnachweise für Turm und Gründung“, die inzwischen in allen Bundesländern bauaufsichtsrechtlich eingeführt worden sei.

Um welchen Zeitraum die Betriebsdauer maximal verlängert werden könne, lässt sich laut Landkreis-Sprecherin Jasmin Krenz nicht pauschal beantworten. Abhängig sei das von Faktoren wie Standortbedingen, Konstruktionszustand, Produktionswerten und Instandhaltung. Alle Punkte seien Inhalt der „Bewertung und Prüfung über den Weiterbetrieb“.

Diese Prüfung sei sehr umfangreich und untergliedere sich in einen analytischen und in einen praktischen Teil. „Der Sachverständige dokumentiert diese Bewertung und Prüfung und erstellt ein Konzept beziehungsweise Gutachten, das letztendlich auch beinhalte, wie lange ein sicherer Weiterbetrieb möglich sei“, verdeutlicht die Landkreis-Sprecherin. Die Firma Energiekontor hatte ursprünglich angekündigt den Bestandswindpark nach dem Bau von sechs neuen Windrädern im benachbarten Waldgebiet an der Grenze zu Thüringen vorzeitig abzubauen. Nachdem die Anlagenzahl dieses geplanten Windparks Philippsthal-Heringen wegen naturschutzrechlicher Auflagen jedoch reduziert werden musste, hatten Unternehmensvertreter bei einer Informationsveranstaltung in Lengers im Jahr 2016 erklärt, dass der Bestandspark bis zum Ablauf seiner Nutzungsdauer im Jahr 2022 weiterlaufen solle.

Neue Anlagen dürften dieser Stelle nach einem möglichen Rückbau nach Auskunft von RP-Sprecher Hendrik Kalvelage aus planungsrechtlichen Gründen nicht mehr errichtet werden, da der alte Windpark nicht auf einer entsprechenden Windenergie-Vorrangfläche liegt.

Anders ist das beim benachbarten neuen Windpark Philippsthal-Heringen im Wald oberhalb. Den Bau von zwei Anlagen hat das Regierungspräsidium Ende März genehmigt. Energiekontor will voraussichtlich im Frühjahr 2022 mit den Arbeiten beginnen.

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