Interview

Kunstverein Bad Hersfeld: "Mit interessanten Projekten Menschen anziehen“

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Engagiert für die Kunst: Margot Knüpfer, Bernd Weyland, Gerhard Zinn und Christel Ziegler (von links) vom Kunstverein Bad Hersfeld, der in diesem Jahr 35 Jahre alt wird. 

Der Kunstverein Bad Hersfeld wird 35 Jahre alt. Wir haben mit Mitgliedern über Kunst im ländlichen Raum gesprochen, Probleme, und Wünsche, die gar nicht so außergewöhnlich sind. 

Der Kunstverein Bad Hersfeld wird in diesem Jahr 35 Jahre alt. Zurzeit läuft noch bis zum 23. Februar in der Galerie im Stift im Museum der Stadt Bad Hersfeld eine Ausstellung mit Arbeiten von 44 Mitgliedern. Im Interview sprechen die Vorsitzenden Gerhard Zinn und Christel Ziegler sowie Margot Knüpfer und Bernd Weyland über Kunst im ländlichen Raum, die Probleme, Ausstellungsflächen zu finden und Kooperationen.

Wie ist es losgegangen mit dem Kunstverein in Bad Hersfeld?

Gerhard Zinn: Wir haben damals in Wehrda in der Kulturscheune bei Jürgen Klähn angefangen, weil uns in Bad Hersfeld niemand haben wollte. Die erste Ausstellung haben Heidi Nübling, Bernd Weyland, Johannes Angert, Florian Fischer, Elke Grösch und ich gestaltet. Einige Jahre später hat uns die Stadt den Klausturm als Domizil angeboten. Den haben wir mehrere Jahre genutzt und viele Ausstellungen und Aktionen dort gemacht. Und weil es keine geraden Wände gab, haben wir das halbrunde Bild erfunden.

Bernd Weyland: Leider ist jeden Winter die Heizung eingefroren, weil das Gebäude nicht isoliert war. Wir haben auch einen Kunstbaum gepflanzt, doch den hat kurz darauf jemand abgesägt. Wir hatten damals auch regelmäßig Knatsch mit der Hersfelder Zeitung. Der ist eskaliert, als die HZ einen schlimmen Verriss einer Performance der Künstlerin Siglinde Kallnbach veröffentlicht hat.

Zeigt der Kunstverein denn in erster Linie Arbeiten eigener Mitglieder oder werden auch Künstler von außerhalb eingeladen?

Gerhard Zinn: Als wir mit dem Klausturm noch eigene Räume hatten, war das eine gute Möglichkeit, auch andere Künstler einzuladen. Inzwischen ist das schwierig. Wir müssen immer bitten und betteln, dass wir irgendwo ausstellen dürfen. Margot Knüpfer: Für eine Ausstellung, gerade auch mit externen Künstlern, braucht man aber langfristige Planungssicherheit. Bernd Weyland: Wir durften früher, also bis zur Renovierung, auch die Luisenschule nutzen. Da hatten wir schöne Ausstellungen und Werkstätten. Bürgermeister Boehmer hat uns sehr gefördert. Er hatte uns auch angeboten, die Empore der Schilde-Halle für Ausstellungen und offene Ateliers zu nutzen. Gerhard Zinn: Die Aussicht, da ausstellen und arbeiten zu dürfen hat uns einen richtigen Mitglieder-Boom beschert. Diese Möglichkeit hat viele Kunstschaffende gereizt und wir haben einige sehr gute Ausstellungen dort gehabt. Doch mit Bürgermeister Fehling war das sofort beendet.

Und wie sieht es jetzt mit Unterstützung durch die Stadt aus?

Gerhard Zinn: Es gibt kaum jemanden in der Stadtpolitik, der sich für unsere Arbeit interessiert, lediglich mit dem Intendanten der Festspiele Herrn Hinkel bahnt sich zur Zeit der Beginn einer Zusammenarbeit an. Das war unter Intendantin Elke Hesse anders. Sie hat über mehrere Jahre gemeinsam mit uns während der Saison die Schaufenster-Galerie mit organisiert und gefördert.

Bernd Weyland: Von einer Zusammenarbeit könnten aber alle profitieren, gerade in einer Zeit, in der bürgerschaftliches Engagement in allen gesellschaftlichen Bereichen gefordert wird.

Gerhard Zinn: Als Förderung von der Stadt erhalten wir die üblichen 400 Euro im Jahr und dürfen Räume im Vereinshaus „Altes Brauhaus“ nutzen, für die wir nur die Nebenkosten bezahlen müssen.

Margot Knüpfer: Und wir dürfen jedes Jahr den Kapitelsaal und das Dachgeschoss der Galerie im Stift für unsere Mitgliederausstellung nutzen.

Was wünschen Sie sich von der Stadt?

Christel Ziegler: Ein offener, kontinuierlicher Kontakt mit der Stadt wäre hilfreich. Gerhard Zinn: Aber eigentlich wollen wir gar nichts Außergewöhnliches von der Stadt. Dadurch würden wir uns nur abhängig machen. Bernd Weyland: Es ist aber schon verwunderlich, dass Angebote des Kunstvereins nicht wahrgenommen werden. Gerhard Zinn: Viele Städte haben verstanden, dass sie mit interessanten Kunstprojekten Leute anziehen können. Was wir brauchen, das sind Ausstellungsmöglichkeiten. Die Abfüllhalle, die im Sommer von den Festspielen als Probenbühne genutzt wird, wäre zum Beispiel ein sehr geeigneter Ort.

Gibt es eine Zusammenarbeit oder einen Austausch mit benachbarten Kunstvereinen, zum Beispiel in Rotenburg oder Fulda?

Margot Knüpfer: Wir haben gute Kontakte zum Kunstverein Fulda und auch einige Jahre lang immer im Wechsel unsere Arbeiten in Fulda gezeigt und die Fuldaer hier begrüßt. Doch dann wurde eine geplante Ausstellung nicht genehmigt mit dem Hinweis, dass Künstler von außerhalb nicht alle zwei Jahre im Kapitelsaal ausstellen dürften. Das hat die Fuldaer sehr geärgert, weil sie schon viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt hatten. Trotzdem wollen wir den Austausch mit Fulda wieder intensivieren. Christel Ziegler: Mit Rotenburg hatten wir mal Kontakt, aber das war schwierig und hat zwischen den handelnden Personen nicht funktioniert.

Bürgermeister Fehling plant ja eine Kunstakademie in Bad Hersfeld. Ist der Kunstverein da mit eingebunden?

Christel Ziegler: Der Bürgermeister hat uns im Vorfeld darüber informiert. Es war ihm wichtig, dass wir davon nicht aus der Zeitung erfahren. Aber es gibt keine Erwartungen, dass wir an dem Projekt mitwirken.

Viele Vereine haben Nachwuchssorgen und Probleme, Leute zu finden, die Verantwortung übernehmen. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Christel Ziegler: Beides ist schwierig. Bei jungen Leuten sind Vereine nicht cool. Viele von denen, die sich für Kunst interessieren, haben kein Interesse an Vereinsarbeit. Margot Knüpfer: Und die jungen Leute, die zu uns kommen, gehen irgendwann weg zum Studium oder zum Arbeiten. Bernd Weyland: Man kann Leute heute am besten über Projektarbeit gewinnen. Wir arbeiten schon sehr viel in Projekten. Gerhard Zinn: Der amtierende Vorstand will jetzt zwar nicht noch einmal antreten, aber wir haben genügend engagierte Mitglieder, denen die Zukunft unseres Vereins am Herzen liegt.

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