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Kunstfreiheit und hungrige Festspieler

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Von: Christine Zacharias

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Christine Zacharias
copy-of-a0d98ca97ddcc7cbaebd5926501a7f59d857ef71.jpg © Maaz, Nadine

Über ein Friedenshappening der besonderen Art und die Probleme der Festspiel-Schauspieler nach Feierabend schreibt Christine Zacharias in unserer Wochenkolumne.

Diskussionen darüber, was Kunst darf und was nicht, gibt es nicht nur bei der documenta in Kassel, sondern auch auf dem Dorf. Für die Aktion „Wehrda auf dem Weg zur Kunst“ am 21. August, über die wir kürzlich berichtet haben, hat der Künstler Erik Grösch eine Kunstaktion angekündigt, bei der auf einer großen Leinwand Diktatoren und Kriegstreiber abgebildet werden sollen, die dann mit Farbe und anderen Materialien beworfen werden können. Eine Art Friedens-Happening stellt er sich da wohl vor.

Diese Idee gefällt nicht allen. Die Vorstellung, dass Kinder und auch Erwachsene dazu animiert werden, Farbe auf Bilder von Menschen zu werfen, wird lebhaft diskutiert. Man solle stattdessen lieber in den Dialog gehen, meint ein Haunetaler. In der Gemeinde sei ohnehin schon Russenhass zu spüren, der würde durch solche Aktionen weiter geschürt. Er wolle als Künstler genau solche Reaktionen provozieren und zu Diskussionen anregen, meint dazu Erik Grösch. Er sei froh, in einem Land leben zu können, wo jeder seine Meinung und Kritik frei und ohne Zensur äußern könne. Die kritische Auseinandersetzung mit zeitgemäßen Themen gehört für Grösch zu seiner künstlerischen Arbeit dazu. Er fordert die Kritiker auf, sich persönlich am 21. August ein Bild vor Ort zu machen und vielleicht miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Kunstaktion auf dem Dorf bietet zudem noch viel mehr Sehenswertes und Kulinarisches und ist sicher auch für Nicht-Haunetaler einen Besuch wert.

Abend für Abend sind die Tische der Restaurants in der Bad Hersfelder Innenstadt gut besetzt. Viele Festspielgäste nutzen die Gelegenheit, sich vor der Vorstellung noch einmal zu stärken. Die Mitwirkenden aber essen normalerweise vor der Vorstellung nichts.

Voller Körpereinsatz mit vollem Bauch funktioniert nicht wirklich gut. Schwierig wird es allerdings, dann nach der Vorstellung noch ein Lokal zu finden, wo man zusammensitzen, sich austauschen, etwas essen und trinken kann.

Die Zeiten, als die Festspielkantine ihrem Namen gemäß diese Aufgabe nächtens und auch tagsüber übernahm, sind schon lange vorbei. Deshalb sind die Festspieler erleichtert, so hört man, im „Mückenstürmer“ wenigstens eine Anlaufstelle am Marktplatz zu haben, wo auch zu später Stunde die Küche noch geöffnet ist. (Christine Zacharias)

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