Neue Ausstellung

Kunst, die für sich selbst steht

Kiki Gebauer hat für ihre neueste Arbeit Papier von beiden Seiten bemalt, in Streifen geschnitten, diese einmal gedreht und in Holzrahmen befestigt.

Werner Assenmacher und Kiki Gebauer zeigen ihre Arbeiten in der Galerie im Stift im Kapitelsaal des Hersfelder Museums.

Kunst, die für sich steht, die sich der Deutung und Interpretation entzieht und doch Assoziationen weckt, wird ab heute im Kapitelsaal der Galerie im Stift in Bad Hersfeld gezeigt. „Konkrete Positionen“ heißt die Ausstellung der beiden Künstler Werner Assenmacher und Kiki Gebauer, die heute um 18.30 Uhr eröffnet wird.

Werner Assenmacher spannt Fä den in den Farben Gelb, Rot und Blau schräg versetzt in Holrahmen. Je nach Standpunkt des Betrachters verändern sich Farben und Strukturen, Fotos: Christine Zacharias

Galerist Gunter Haedke mit seiner „galerie auf zeit“ hat sich zunächst den Kapitelsaal, einen Raum voller historischer Bedeutung und Bezüge, gesichert und dann nach Künstlern gesucht, die dort ausstellen könnten. Konkrete Kunst mit ihren klaren Formen, Farben und Linien ohne einen inhaltlichen Hintergrund erschien ihm da ein interessanter Kontrast. Dass er dann auch noch zwei Künstler gefunden hat, in deren Arbeiten Parallelen zu finden sich und die sich zudem gut verstehen, empfindet er als Glücksfall.

Auch ohne bedeutungsschwangere Interpretationen – Gebauers und Assenmachers Kunst macht etwas mit dem Betrachter. Die rot-weiß-gestreiften Flächen Kiki Gebauers erinnern an die Fensterläden historischer Gebäude oder an Wachhäuschen vor Burgen. So einfach ist es aber nicht, denn die Farbflächen sind nicht parallel, irritieren dadurch, dass sie aus der Reihe tanzen. Und dann gibt es da noch einen viereckigen Kasten mit Spiegeln und Linien, der zu spiegelnden Experimenten einlädt.

Diagonale Linien, denen ein mathematisches Grundprinzip zugrunde liegt, die sich auffächern und zusammenfinden und dabei im Auge des Betrachters Regenbogenfarben entstehen lassen, prägen die Arbeiten von Werner Assenmacher. Er hat Rahmen und räumliche Formen – Pyramiden und Oktaeder – mit Kordeln in verschiedenen Farben bespannt. Das mathematische Grundprinzip seiner dreidimensionalen Arbeiten hat Assenmacher auch zeichnerisch umgesetzt – mit großer Sorgfalt und Präzision. Dennoch gibt es durch die handwerkliche Arbeit leichte Unebenheiten. Eben dadurch wirken die Zeichnungen lebendig. „Ich könnte das auch alles am Computer machen, aber dann wäre es tot“, ist Assenmacher überzeugt.

Kiki Gebauer bestätigt diese Einschätzung. Auch sie, die normalerweise große Mühe auf absolut ebenmäßige Farbflächen verwendet, hat für einige Arbeiten mit Strukturen experimentiert und schätzt den lebhaften Effekt.

Beide empfinden die mechanische Arbeit, das wochenlange Durchziehen der Kordel oder die ebenmäßige Gestaltung von Farbflächen, als meditativen Prozess, den sie ganz fokussiert und weit weg von allem anderen erleben.

Gebauer stellt zudem eine ganze Reihe von Fotos aus, bei denen sie mit Spiegelungen und Ergänzungen auf glatten und gekräuselten Wasserflächen und auf Eis experimentiert.

Die Ausstellung ist bis zum 8. November im Kapitelsaal zu sehen: Dienstag bis Samstag von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Zur Finissage wird eigens für die beiden Künstler komponierte elektronische Musik uraufgeführt.

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