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Drei Kinderschauspieler aus Notre Dame zeigen ihre Bühnenwelt

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Von: Kim Hornickel

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Sind Bühnenprofis: (von vorne) Jan Pfeiffer, Jonas Bauer und Suad Etishovski wissen, dass die Bühnenkulisse in Kupferoptik eigentlich bemaltes Holz ist.
Sind Bühnenprofis: (von vorne) Jan Pfeiffer, Jonas Bauer und Suad Etishovski wissen, dass die Bühnenkulisse in Kupferoptik eigentlich bemaltes Holz ist. © Kim Hornickel

Jan Pfeiffer, Jonas Bauer und Suad Etishovski sind die einzigen Kinder im Festspiel-Stück Notre Dame und spielen ein und dieselbe Rolle.

Bad Hersfeld – Sie sitzen meist mit dem Rücken zum Publikum und sind die einzigen Kinder in Notre Dame – Jonas Bauer und Suad Etishovski aus Bad Hersfeld sowie Jan Pfeiffer aus Marburg spielen ein und dieselbe Person. Als Kind eines der Bürgerinen müssen sich die drei zwar nur wenig Text einprägen, sind aber gleichzeitig für eine wichtige Requisite zuständig – den Kuchen.

„Am Anfang dachte ich, cool es gibt Kuchen“, erinnert sich Jonas an den Moment als er die Gebäckschachtel entdeckte. Doch der 12-Jährige musste sich noch ein wenig gedulden, denn die Schachtel befüllen die Mitarbeiter der Requisite erst zur Aufführung. „Da waren dann aber so Kekse drin“, sagt der 10-Jährige Jan kritisch.

Als vermeintlich freches Kind essen die Kinderschauspieler den Kuchen, der eigentlich für die Siedlerin gedacht war. Während ihre Mutter im Stück vom Schicksal der Siedlerin (Esmeraldas Mutter) klagt, knuspern die kleinen Darsteller Gummibären oder Kekse – und ernten eine Ohrfeige. „Dafür hatten wir Schlagtraining“, erklärt Jan. Damit sich die Kinder beim eingeübten Ausweichmanöver nicht den Hals verrenken, übten die älteren Schauspieler mit dem Theater-Nachwuchs. An das ungewöhnliche Training, das geschäftige Treiben hinter der Bühne und die anfangs vielen fremden Menschen gewöhnten sich die drei Jungs schnell.

Kuchen naschen verboten: Jan Pfeiffer spielt das Kind einer Bürgerin in Stück Notre Dame. Die Rolle teilt er sich mit zwei weiteren Jungen.
Kuchen naschen verboten: Jan Pfeiffer spielt das Kind einer Bürgerin in Stück Notre Dame. Die Rolle teilt er sich mit zwei weiteren Jungen. © Steffen Sennewald

Auch die bedrohliche Musik und die Folterszene, in der Quasimodo vor Schmerzen schreit, berühren die Jungs kaum noch. Ganz Profi erklärt der 10-jährige Jan ernst: „Man kennt die Leute ja von hinter der Bühne und weiß, dass sie eignetlich nett sind.“ Doch Jonas erwidert: „Am Anfang habe ich mich schon erschreckt.“ Wie die Großen bleiben die drei Nachwuchsschauspieler auch dann ganz professionell, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft. Suad grinst. „Einmal habe ich mich wie immer vor dem Schlag der Mutter weggeduckt und dabei ist mein Mikrofon weggeflogen.“ Der 13-Jährige nahm es gelassen und hatte auch schon eine Lösung parat. „Ich habe ohne Mikro dann einfach ganz laut gesprochen und das ging.“

Kleine Pannen kennt auch Jan. Der 10-Jährige im blauen Poloshirt hatte ein Mal die so wichtige Kuchenschachtel vergessen. „Das war Donnerstag der 7.7“, blickt er zurück. „Wir haben dann einfach eine silberne Damenhandtasche genommen.“ Problem gelöst.

Beim Kuchenessen auf der Bühne kann so einiges schiefgehen. Jonas spielt beim Interview mit der Achse eines Spielzeugautos, wartet bis er dran ist und erzählt dann aufgeregt von seiner Bühnenpanne. Erst sei die Mutter mit der Kamera an einem der Käfige hängen geblieben, dann sei ihm auch noch der Kuchen heruntergefallen. „Da habe ich ganz leise ‘peinlich’ geflüstert“, sagt er und freut sich.

Mitten in unserem Gespräch müssen sich die drei Jungs immer mal wieder ausklinken und Details der Aufführungen diskutieren. Zum Beispiel, ob einem Schauspieler etwas peinlich sein sollte oder nicht. Bei der Frage kommt Leben in den sonst zurückhaltenden Suad. „Beim Theater sollte dir nichts peinlich sein“, sagt der 13-Jährige bestimmt. Trotzdem sei es ihm zunächst gar nicht recht gewesen, als seine Schulklasse im Publikum des „kleinen Glöckner“ saß, berichtet Jonas. Die Schulkameraden feuerten ihn wie einen Fußballspieler an. In der nachträglichen Grundsatzdiskussion sagt Jonas nachdenklich: „Du beherrschst dich halt, das ist ja dein Job. Wenn dir was peinlich ist, dann hast du was falsch gemacht.“

Die drei Jungs beschäftigen sich nicht nur mit ihren Rollen, auch die anderen Figuren von Notre Dame faszinieren die Hobbyschauspieler. In welche Rolle sie gerne mal schlüpfen würden? „Die von Phoebus“, sagt Suad. Die „Männlichkeit der Figur“ habe ihn beeindruckt, erklärt der 13-Jährige und grinst scheu. Phoebus steht bei allen Dreien hoch im Kurs. Und wer sollte nun den Zuschauerpreis bekommen? Etwas Phoebus-Darsteller Oliver Urbanski? Jonas hat eine bessere Idee. Er grinst, zeigt auf sich und reckt den Daumen in die Höhe. „Ich“, sagt er und freut sich. „Oder Oliver geht auch“, schiebt er schnell nach. (Kim Hornickel)

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