Wochenendporträt

Krimi-Autor Schönholtz: Dicht an der Realität

Der zweite Krimi ist fertig: In Bad Hersfeld während des Lullusfests spielt „Enner, zwoon ... tot“ von HZ-Redakteur Karl Schönholtz. Foto:  Zacharias

Bad Hersfeld. Karl Schönholtz schreibt seit vielen Jahren für die Hersfelder Zeitung - und in seiner Freizeit Krimis. Sein neuester Roman heißt „Enner, zwoon ... tot“.

Das Schreiben ist Karl Schönholtz’ Geschäft. Seit 37 Jahren arbeitet er bei der Hersfelder Zeitung und hat in dieser Zeit ungezählte Artikel geschrieben: Über Stadtpolitik und über Kaninchenzüchter, über die Festspiele und Kasperletheater und immer wieder auch über Kriminelle und Gerichtsverhandlungen: Über den kleinen Betrüger ebenso wie den Drogenhändler und natürlich auch über Mörder.

An seinen Artikeln arbeitet Schönholtz mit der gebotenen journalistischen Sorgfalt und kritischen Distanz. Selbst komplizierte Sachverhalte innerhalb der 100-Zeilen-Obergrenze verständlich darzustellen ist seine Spezialität. Doch wer gerne schreibt, wer mit Texten arbeitet, der hat oft das Bedürfnis, das auch ohne die engen beruflichen Grenzen zu tun. Einfach mal fabulieren, eine Geschichte auch mit mehreren Wendungen erzählen, Personen erfinden, von denen einige Ähnlichkeit mit lebenden Menschen haben, andere auch nicht.

Genügend Stoff

Ideen für solche Geschichten kann Karl Schönholtz, der selber gerne Krimis liest, aus seiner reichen beruflichen Erfahrung schöpfen. „In den mehr als 35 Jahren bei der HZ habe ich so viel mitgekriegt, dass da genügend Stoff für meine Bücher ist. Viele Geschichten sind einfach zu gut, um sie nicht zu erzählen“, sagt Schönholtz.

Wichtig ist ihm, dass auch seine Krimis so dicht an einer denkbaren Realität sind, dass sie wirklich passiert sein könnten. Wahnsinnige, blutrünstige Serienkiller wird es deshalb wohl bei ihm nicht geben.

Stattdessen jede Menge Lokalkolorit. Sein zweiter Roman "Enner, zwoon... tot" spielt rund um das Lullusfest, das auch als äußere Struktur der Geschichte dient. Seine Protagonisten, Reporter Nick Scholz und Kriminalrätin Britta Stegemann haben es diesmal mit einem alten Fall zu tun. Schließlich ist in einer kleinen Stadt wie Bad Hersfeld die Zahl der Tötungsdelikte übersichtlich. „Ich will nicht reihenweise Leute um die Ecke bringen“, betont Karl Schönholtz.

Er hat auch keine Ambitionen, so dicke Wälzer zu schreiben, wie das viele andere Krimiautoren tun. „Mit der kurzen Form bin ich ganz glücklich“, sagt der Autor.

Reizvoll findet Schönholtz auch die heimliche Liebschaft von Zeitungsreporter und Kripochefin. So etwas habe es seines Wissens nach in der Kriminalliteratur noch nicht gegeben, sagt er. Die Konstellation biete zum einen die Möglichkeit, Informationen auszutauschen, sie lote aber auch die Grenzen des Berufsethos bei beiden Figuren aus.

Zeit zum Schreiben findet Karl Schönholtz unter anderem auf den langen Bahnfahrten zwischen Berlin und Bad Hersfeld. Denn inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen drei Kindern in der Hauptstadt und pendelt zum Arbeiten nach Bad Hersfeld.

Kritische Erstleser

Ideen, die er in seinen Romanen verarbeitet, entstehen oft beim Sport, beim Laufen oder Schwimmen. Ungefähr ein Dreivierteljahr hat Schönholtz jeweils an seinen Krimis gearbeitet. Dabei ist es mit dem Schreiben alleine längst nicht getan. Kritische Erstleser, darunter eine Kripobeamtin, machen ihn auf Ungereimtheiten aufmerksam und achten auch auf die Feinheiten.

Die überwiegend positive Resonanz auf sein erstes Buch fand Karl Schönholtz jedenfalls so ermutigend, dass er einen zweiten Hersfeld-Krimi folgen ließ. Und der dritte ist bereits in Arbeit. Worum es da gehen wird, verrät er aber noch nicht.

Dass er irgendwann die Belletristik ausbaut, kann Schönholtz sich durchaus vorstellen. Er weiß aber auch: „Der Buchmarkt ist schwierig.“ Und schreiben wird er auf jeden Fall weiterhin – über die Stadtpolitik, die Festspiele und kleine und große Kriminelle. „Ich bin ja nicht unglücklich mit dem, was ich tue“, sagt Schönholtz und macht sich auf zum nächsten Termin.

Zur Person 

Karl Schönholtz ist gebürtiger Coburger, lebt jedoch seit seiner Grundschulzeit in Bad Hersfeld. Seit 1981 arbeitet er bei der Hersfelder Zeitung und ist inzwischen der dienstälteste Redakteur. Seine Schwerpunkte sind die Bad Hersfelder Festspiele, die Hersfelder Stadtpolitik und die Justiz. Für den Fotoband „bilder.bögen.“ über die Festspiele hat er die Texte geschrieben. 2017 erschien sein erster Krimi „Auf Abwegen“, der inzwischen in dritter Auflage wieder erhältlich ist. Schönholtz ist Vater von drei Kindern. Mit seiner Familie lebt er in Berlin. In seiner Freizeit liest Karl Schönholtz mit Leidenschaft. Er interessiert sich für Musik und Theater und läuft gerne.

Verkauf

Der Roman „Enner, zwoon ... tot“ von Karl Schönholtz, ISBN 978-3-9820068-0-2, Ott-Verlag Hersfelder Zeitung, ist zum Preis von 10.90 Euro in der Geschäftsstelle der HZ, Benno-Schilde-Platz 2, in allen Filialen der Sparkasse, im Buchhandel und bei der Tourist-Information Bad Hersfeld erhältlich. Unterstützt wurde der zweite Bad Hersfeld-Krimi von der Sparkasse und der Firma Hoehl-Druck Medien+Service GmbH.

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