Trump und Niedrigwasser treiben Preis nach oben

Heizöl so teuer wie seit 2014 nicht mehr: Das sagen Lieferanten der Region

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Sorgt für warme Wohnungen: Mario Fuchs, Heizölfahrer von der Firma Kurt Günther in Rotenburg, beliefert die Kunden.

Heizöl ist in diesem Jahr so teuer wie seit 2014 nicht mehr. Hier lesen Sie, was die Öl-Lieferanten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg dazu sagen. 

Hersfeld-Rotenburg. Heizöl ist in diesem Jahr so teuer wie seit 2014 nicht mehr. Zwischen 75 und 84 Euro pro 100 Liter müssen Besitzer von Ölheizungen derzeit einplanen. Die Großhändler der Region machen die niedrigen Wasserstände der zum Transport genutzten Flüsse durch die monatelange Dürre und die weltpolitische Lage verantwortlich.

„Allein das Niedrigwasser sorgt für drei- bis fünfmal so hohe Preise bei Schifffahrtsfrachten. Das macht schon einige Cent beim Öl-Literpreis aus“, erklärt Maik Reinhardt von der Firma Kurt Günther, die Niederlassungen in Rotenburg und Bad Hersfeld hat. „Wenn beispielsweise der Rhein Niedrigwasser hat, können die Schiffe nur zu einem Drittel beladen werden. Der Preis bleibt gleich, die geladene Menge ist aber erheblich niedriger“, sagt Ingo Seeligmüller, Sprecher des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), der auch hessische Mitglieder vertritt. Man müsse sich nach alternativen Transportmöglichkeiten umsehen. „Auf Schienen ist der Transport aber teurer als über Wasser“, so Seeligmüller.

Auch internationale Unsicherheit treibe den Preis in die Höhe, so Maik Reinhardt. Insbesondere die Sanktionen der USA gegen den Iran spielten eine Rolle, sagt Seeligmüller: „Es entsteht eine Unsicherheit durch die Frage, wie es weitergeht, wenn der Iran als Erdölproduzent vom Markt geht.“ Spekulationen am Markt sorgten für weitere Preisanstiege. Zudem sei der Ausfall einer Raffinerie in Ingolstadt, die Anfang September brannte, ein Kostenpunkt. Deren Kapazitäten mussten andernorts übernommen werden.

Seeligmüller empfiehlt, sich vor dem Winter einzudecken und nicht auf fallende Preise zu spekulieren: „Man kann das auch mit kleineren Mengen tun, bei größeren gibt es meist aber einen Preisnachlass.“ Er erwartet nicht, dass die Preise bis zum Frühjahr erheblich sinken. 

Lieferzeiten sind bereits jetzt länger

Seit Anfang Oktober bewegt sich der Heizölpreis über der Marke von 80 Euro pro 100 Liter – so hoch wie zuletzt im September 2014. Im vergangenen Jahr lag der Durchschnittspreis zur gleichen Zeit bei rund 59 Euro pro 100 Liter. Ingo Seeligmüller vom Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) erwartet Preise auf stabil hohem Niveau bis ins Frühjahr. Deshalb sei davon abzuraten, bis auf den letzten Drücker zu warten. Es gebe bereits jetzt längere Lieferzeiten. Auch die Internet-Plattformen, bei denen die Nutzer sich über Preise und Tendenzen beim Heizöl informieren können, gehen nicht von sinkenden Kosten aus. Der höchste Preis für Heizöl lag im Oktober 2012 bei 95 Euro pro 100 Liter und fiel bis Januar 2016 auf knapp 40 Euro pro 100 Liter. Seitdem steigen die Preise kontinuierlich, auf derzeit etwa 82 Euro/100 Liter.

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