Synode befasst sich mit Mitgliederentwicklung

Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg sucht neue Wege

Das Bild zeigt Kleingruppen von Menschen im Gespräch. Zu sehen sind von links Sarah Rehn (Raboldshausen), Thomas Heid (Rotenburg), Dr. Wolfgang Thon (Bad Hersfeld), Michael Zehender (Neuenstein) und Rainer Heß (Heringen).
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„Murmelrunde“: In Kleingruppen diskutierten die Synodalen, was aus der Corona-Zeit mitzunehmen ist und wie man mit demografischem Wandel und nachlassender Kirchenverbundenheit umgehen kann. Das Bild zeigt von links eine Runde mit Sarah Rehn (Raboldshausen), Thomas Heid (Rotenburg), Dr. Wolfgang Thon (Bad Hersfeld), Michael Zehender (Neuenstein) und Rainer Heß (Heringen).

Auch im Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg sinkt die Zahl der Mitglieder, zudem ist mit geringeren Einnahmen aus der Kirchensteuer zu rechnen. Die Synode befasste sich am Freitag damit.

Bebra - Dekanin Gisela Strohriegel (Rotenburg) und Pfarrer Thorsten Waap (Heringen) hatten im Lokschuppen in Bebra Zahlen genannt: Zwischen 2000 und 2019 gingen demnach dem Kirchenkreis rund 25 000 „Schäfchen“ verloren. „Wir liegen voll im negativen Trend“, sagte die Dekanin.

Lösungen gegen das gravierendste Problem, den demografischen Wandel, kann die Kirche nicht bieten. Das wurde in der Debatte nach der Kleingruppenarbeit („Murmelrunden“) deutlich. Hoffen lassen dagegen Ansätze zu neuen Wegen – die sich zum Teil durch die Corona-Pandemie entwickelt haben, wie auch Synodale festgestellt hatten: Gottesdienste im Freien, Klappstuhlgottesdienste, digitale Kontakte, Taufen in Gärten oder privaten Wohnzimmern – davon wurde berichtet, ebenso davon, man habe während der Pandemie auch Ballast abgeworfen, allerdings ohne zu sagen, welcher Ballast der Kirche damit gemeint war.

Fundament der neuen Kreativität bleibt dabei die Verkündigung des Evangeliums. Das sei der Auftrag er Kirche. Dekan Dr. Frank Hofmann zitierte Bischöfin Beate Hofmann: „Manche aus der Improvisation heraus geborene Form der Verkündigung und der Seelsorge spricht Menschen an, die wir bisher kaum erreicht haben. Das ist eine gute Erfahrung, an der wir dranbleiben sollten.“

Der Dekan kündigte die Gründung von Arbeitgruppen an, zu denen sich Synodale noch am Freitag anmelden konnten: eine zum Thema Taufe und eine zum Thema Gottesdienste.

Pfarrer Michael Zehender (Neuenstein), Ansprechpartner für die Gruppe Taufe, beschrieb Öffnungen: Die Anpassung an die Bedürfnisse von Familien, was Zeit und Ort einer Taufe angehe, die Ansprache von jungen Familien, in denen es ein Mitglied der Kirche gibt, das Kind zur Taufe zu geben oder auch die Möglichkeit, Paten zu benennen, die nicht der Kirche angehören.

Pfarrer Andreas Leipold wird die Gruppe Gottesdienste leiten. In der Gruppe soll darüber beraten werden, wer an welchem Ort, zu welcher Zeit und für welche Zielgruppe welche Gottesdienste feiert, hatte der Dekan angekündigt. Pfarrer Leipold sprach von einer Gottesdienst-Landschaft, die zur Stärkung der religiösen Autonomie beitragen könne.

Pfarrer Carsten Köthe schließlich nannte eine dritte Arbeitsgruppe, die sich mit Spiritualität befassen sollte: Es gebe ein großes Bedürfnis nach Tiefe in der Gesellschaft, die Suche nach Mehr. Wie Kirche darauf antworten kann, besonders in Zeiten einer übergroßen Individualisierung, das wird Thema in dieser Arbeitsgruppe.

Die Synode konnte als erste Gruppe die neue Technik im Lokschuppen testen, Präses Reinhard Kerst war begeistert und dankte den Verantwortlichen für die gute Betreuung. Bebras Erste Stadträtin Ilse Koch hatte die Synodalen in der „Location mit dem Dreh“, wie sie augenzwinkernd sagte, willkommen geheißen. Auch Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz hatte die Synodalen begrüßt, war aber in erster Linie gekommen, um den Kirchenkreisamtsleiter Alexander Reitz zu verabschieden, mit dem auch der Landkreis zehn Jahre lang gut zusammengearbeitet habe, besonders im Jugendbereich. Er wird Kirchenamtsleiter in Kassel. Reitz wurde von vielen Mitstreitern verabschiedet, seine Nachfolgerin Rahel Krause begrüßt.

Von Silke Schäfer-Marg

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