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Konzertchor der Kantorei und Thüringer Symphoniker spielten in Hersfelder Stadthalle

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Musik zum Ewigkeitssonntag: Der Konzertchor der Hersfelder Kantorei singt in der Stadthalle W.A. Mozarts Requiem, unterstützt von den Thüringer Symphonikern Saalfeld-Rudolstadt.
Musik zum Ewigkeitssonntag: Der Konzertchor der Hersfelder Kantorei singt in der Stadthalle W.A. Mozarts Requiem, unterstützt von den Thüringer Symphonikern Saalfeld-Rudolstadt. © Christine Zacharias

Ein selten zu hörender musikalischer Edelstein und eines der meistgespielten geistlichen Werke standen auf dem Programm des Konzertchores der Hersfelder Kantorei am Ewigkeitssonntag.

Bad Hersfeld – Kantor Sebastian Bethge begrüßte die Zuhörer in der gut besetzten Stadthalle, auf die ausgewichen werden musste, da die Stadtkirche aus Energiespargründen derzeit nicht geheizt wird. Er erinnerte an Erika Schmidt-Glintzer, der das Konzert in Dankbarkeit gewidmet war.

Bethge hob ihre vielfältigen Aktivitäten für die Kirche hervor. Sie sei mit viel Herzblut und kritischem Engagement bis ins hohe Alter sozial und musikalisch engagiert gewesen. Mehr als ein Menschenleben habe Erika Schmidt-Glintzer ehrenamtlich gearbeitet, da war es nur folgerichtig, die gespendeten Gelder der Kirchenmusik zu widmen.

Als musikalische Eröffnung erklang das gut fünfzehnminütige Orchesterzwischenspiel aus dem Oratorium Rédemption (Erlösung) des französischen Komponisten Cesar Franck, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Er ist ein bedeutender Komponist der Romantik, meist aber nur in seinen Orgelwerken präsent.

Seine Musik zeichnet sich durch komplexe Harmonik und besonderen melodischen Reichtum aus. Die Thüringer Symphoniker aus Saalfeld-Rudolstadt entwickelten unter dem souveränen Dirigat von Sebastian Bethge aus dem zarten Beginn eindrucksvolle dynamische Steigerungen und fein abgestufte Klangfarben der schwärmerischen und kantablen Themen.

Das Hauptwerk des Abends, das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart, erklang traditionell in der Süßmayr’schen Fassung. Mozarts Handschrift bricht im Lacrimosa ab, der Komponist verstarb über der Arbeit an dem Auftragswerk des Grafen Walsegg und sein Schüler Franz Xaver Süßmayr ergänzte und vervollständigte die Komposition anhand von Skizzen, fügte aber auch eigene Kompositionen an.

Abgerundet wird das Requiem durch das Wiederaufgreifen des Anfangs, nun neu textiert. Die Musik wird umgedeutet von der ewigen Ruhe (Requiem) hin zum hoffnungsvollen ewigen Licht (Lux aeternam).

Stimmgewaltig: Die Solisten Froya Gildberg (Sopran), Melanie Arnhold (Alt), Michael Ha (Tenor) und Michael Marz (Bass). Die Leitung hatte Sebastian Bethge.
Stimmgewaltig: Die Solisten Froya Gildberg (Sopran), Melanie Arnhold (Alt), Michael Ha (Tenor) und Michael Marz (Bass). Die Leitung hatte Sebastian Bethge. © Christine Zacharias

Die Komposition zeigt Mozart auf der Höhe seiner Meisterschaft der Vokalkomposition. Der Text wird nuancenreich ausgedeutet, dabei entstehen trotzdem herrlich kantable Melodien von großer Natürlichkeit. Dem Orchester, den Solisten und dem gut vorbereiteten Chor gelang es, diese kompositorischen Nuancen klangvoll und differenziert nachzuzeichnen.

Der gewichtige Bass von Michael Marz, wusste sich einerseits in den Anfangstakten des „Tuba mirum“ klangvoll durchzusetzen, fügte sich aber dennoch in den Ensemblepassagen der vier Solisten harmonisch ein. Die charakteristische Tenorstimme von Michael Ha, wirkte in solistischen Passagen etwas übermotiviert, verschmolz aber ebenfalls, besonders im „Recordare“, wunderbar mit den anderen Stimmen.

Dem Solopart des Soprans bleiben in Mozarts Requiem nur wenige Takte sich klanglich auszuzeichnen. Dies gelang Frøya Gildberg mit großer Schönheit. Ihre weiche Stimme rundete das Solistenquartett in der Höhe wohlklingend ab. Besonders eindrucksvoll formte die Altistin Melanie Arnhold den Beginn des „Recordare“ indem ihre dunkle Stimme quasi aus dem Nichts heraus die „Erinnerung“ gestaltete, ebenso wie im lyrischen „Benedictus“.

Der Konzertchor der Hersfelder Kantorei erwies sich wieder einmal der anspruchsvollen Aufgabe gewachsen. Fein abgestimmte Dynamik in ruhigen Passagen wechselte mit kraftvollen Abschnitten besonders in den virtuosen und anspruchsvollen Chorfugen. Leichte Intonationsschwächen und gelegentliche rhythmische Unsicherheiten konnten den positiven Gesamteindruck nicht beeinträchtigen.

Die Thüringer Symphoniker erwiesen sich als idealer Partner, weich in den Streichern, zupackend in den Posaunen und ausdrucksvoll in den Holzbläsern. Sebastian Bethge war all dem ein aufmerksamer und zuverlässiger Dirigent, stets auf der Höhe des Geschehens und sicher in der Gestaltung des großartigen Werkes.

Langanhaltender Applaus dankte allen Mitwirkenden für ein eindrucksvolles Konzert zum Ewigkeitssonntag. (Helgo Hahn)

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