Annett Louisan in der Stiftsruine Bad Hersfeld: „Live-Auftritte sind ein Geschenk“

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Annett Louisan tritt am 29. Juli in der Bad Hersfelder Stiftsruine auf.

„Kleine große Liebe“ heißt nicht nur das neue Album von Chanson-Sängerin Annett Louisan, sondern auch ihre Tournee. Am Montag, 29. Juli, singt sie in der Stiftsruine Bad Hersfeld.

Bereits 2012 stand die Sängerin hier auf der Bühne. Wir haben schon jetzt am Telefon mit ihr gesprochen – wobei das Gespräch zunächst mit einer sehr freundlichen Entschuldigung für knapp zehn Minuten Verspätung begann, denn Louisans kleine Tochter war erkrankt.

Wie sich die Veränderungen in ihrem Leben in der Musik widerspiegeln und was das Publikum dieses Jahr erwartet, hat sie uns aber auch noch verraten:

Seit ihrem ersten Auftritt in Bad Hersfeld hat sich einiges in Ihrem Leben verändert – beruflich, aber auch privat. Sie haben geheiratet und eine Tochter bekommen. Wie schlägt sich das in Ihrer Musik nieder?

An das Konzert in der Stiftsruine kann ich mich sogar noch gut erinnern. Ach, das ganze Leben, jede Veränderung und jedes Treffen machen doch etwas mit einem und sind Inspiration. Mutter zu werden war eine bombastische Erfahrung. All das fließt natürlich in meine Musik ein.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Stiftsruine, die von vielen Künstlern immer wieder als ganz besonderer Ort bezeichnet wird?

Es war eine wahnsinnig schöne Kulisse, die Bühne in diesem alten Gemäuer. Das Publikum war äußerst freundlich und es war ein toller Sommertag. Einfach perfekt, um dort zu musizieren.

Was ist das Besondere an Live-Auftritten, worauf dürfen sich die Besucher in Bad Hersfeld freuen?

Ich bin Live-Musikerin und denke auch beim Schreiben meiner Songs und bei den Aufnahmen im Studio immer daran, wie es sein wird, ein Stück später live zu präsentieren. Auch die persönlichen Begegnungen sind einfach etwas Besonderes.

Live-Auftritte sind immer anders und immer spannend. Auf der Bühne zu stehen ist natürlich auch ein Risiko, vor allem aber ein großes Geschenk.

Ist denn bei einem Live-Auftritt schon mal etwas schiefgegangen?

So richtig schiefgegangen ist zum Glück noch nie etwas. Aber klar, Kälte, Hitze oder Tonprobleme kommen vor. In solchen Momenten rücken die Menschen aber noch näher zusammen, was es wiederum besonders schön macht. Man muss aus der Not eine Tugend machen. Ich versuche, nie den Respekt vor der Bühne und vor dem Augenblick zu verlieren, und ich nehme jeden Auftritt gleich ernst, egal ob er vor 200 oder 2000 Menschen stattfindet.

In der Konzertankündigung heißt es, Sie wollen Neues, mehr Wahrheit, mehr Wahrhaftigkeit wagen – was ist damit gemeint?

Ich glaube, das hat ganz einfach mit den vergangenen Jahren zu tun. Jeder macht doch einen gewissen Reifeprozess durch. Ich habe mein erstes Album mit 26 aufgenommen, seitdem sind 15 Jahre vergangen.

Mit Anfang 20 weiß man noch nicht so genau, wer man ist. Jetzt weiß man zumindest mehr beziehungsweise man weiß, was man nicht will. Es ist Zeit für persönliche Geschichten, und ich sage bewusst immer persönliche, nicht private. So empfinde ich auch das Album, es fängt gerade an interessant zu werden, auch als Chanson-Sängerin ...

„Kleine große Liebe“ lautet der Titel Ihres neuen Albums und auch der Tournee. Warum?

Der Titel heißt wie der gleichnamige Song. Ich finde, es ist ein schöner Titel, weil er irgendwie auch eine Lebensphilosophie beschreibt. Er passt zu der Liedersammlung und zu meinem Leben.

Sie waren Teil der TV-Sendung „Sing meinen Song - Das Tauschkonzert“ – genauso wie Johannes Oerding, Gregor Meyle, Die Prinzen, Michael Patrick Kelly und Milow, die auch alle schon in der Stiftsruine aufgetreten sind. Ist das eigentlich Zufall?

(lacht) Wir sind alle Livemusiker und bis auf Milow deutschsprachig. Natürlich spielen wir alle gerne in tollen, besonderen Locations oder auf den üblichen Festivals. Dort trifft man sich mitunter auch. So groß ist das Land schließlich auch nicht.

Ich muss zugeben, auch ich kannte vor Ihrem ersten Konzert in Bad Hersfeld nur Ihren wohl größten Hit „Das Spiel“ – und war überrascht, wie erwachsen, spitzzüngig und auch humorvoll die Stücke waren. Werden Sie oft falsch eingeschätzt?

Ja, das gehört zum Leben als öffentliche Person wohl auch dazu. Zudem hat kaum jemand mehr Zeit, sich intensiv mit etwas zu beschäftigen und wirklich in die Tiefe zu gehen.

Ich habe das Privileg, Alben und Live-Musik zu machen ohne großen Boulevard-Aufschlag, und wenn die Menschen einen falsch einschätzen, kann man das auch als Chance verstehen.

„Das Spiel“ war tatsächlich sehr speziell und polarisierend, wie meine Stimme auch heute noch polarisiert. Es war aber eben auch nur eines von vielen Stücken. Ich habe ihm jedenfalls viel zu verdanken.

Zeit für einen Besuch der Festspiele, die zur gleichen Zeit in der Ruine stattfinden, haben Sie vermutlich nicht, wenn sie am 29. Juli hier sind?

Leider nein. Ich bin dann ja mitten in der Tour. Auch Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach, ich bin zum Beispiel seit einem Jahr nicht im Kino gewesen. Heute hat mein Mann Geburtstag und wir wollten eigentlich zusammen essen gehen.

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Alles Gute zum Muttertag

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In den ersten anderthalb Jahren war ich ganz bewusst nur Mama. Ich möchte meiner Tochter aber auch vorleben, dass es wichtig ist, sich glücklich zu machen. Das Leben basiert auf mehreren Säulen. Familie und Musik sind zwei bedeutende Säulen in meinem Leben.

Zur Person: Annett Louisan

Annett Louisan (42) ist eine deutsche Sängerin. Der Künstlername Louisan leitet sich vom Vornamen ihrer Großmutter Louise ab. 2004 wurde sie mit dem Lied „Das Spiel“ bekannt. Sie hat inzwischen mehr als eine Million Tonträger verkauft, mehrfach Gold- und Platin-Auszeichnungen erhalten und vor kurzem ihr neues Album „Kleine große Liebe“ veröffentlicht. Louisan lebt in Hamburg, ist seit 2014 in zweiter Ehe mit dem Musikproduzenten Marcus Brosch verheiratet und hat eine Tochter.

Hier gibt es die Tickets

Für das Konzert von Annett Louisan am Montag, 29. Juli, um 20 Uhr in der Stiftsruine gibt es nur noch wenige Restkarten. Tickets sind erhältlich über die Festspiele, Ticketzentrale Am Markt 1, Bad Hersfeld, Telefon 06621/640200, E-Mail: ticket-service@bad-hersfelder-festspiele.de, www.bad-hersfelder-festspiele.de. Außerdem bei der Hersfelder Zeitung, Benno-Schilde-Platz 2, Bad Hersfeld, Telefon 06621/161168.

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