SPD, CDU und Grüne setzen auf Kooperation

Kommunalwahl in Bad Hersfeld: Der heiße Hauch von Kenia

Das Bild zeigt das Bad Hersfelder Rathaus mit dem Turm der Stadtkirche im Hintergrund und dem Lullusbrunnen im Vordergrund.
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Unter den Augen von Lullus: Im Bad Hersfelder Rathaus und der Stadtpolitik geben künftig wohl die Farben der Flagge Kenias an, woher der Wind weht.

Nach der Kommunalwahl am 14. März 2021 bleibt die SPD in der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung stärkste Kraft - gefolgt von der CDU und den Grünen.

Bad Hersfeld – Schwarz, Rot, Grün – die Farben der Flagge von Kenia – werden wohl auch in den nächsten fünf Jahren in Bad Herfeld angeben, woher der Wind weht. Und der dürfte speziell für Bürgermeister Thomas Fehling afrikanisch-heiß werden. Das lässt jedenfalls das Ergebnis der Kommunalwahl in der Kreisstadt vermuten.

Auf Anfrage unserer Zeitung bekräftigen CDU, SPD und Grüne, dass sie ihre enge Zusammenarbeit auch in der nächsten Legislaturperiode fortsetzen wollen. Allerdings sprechen die Fraktionsvorsitzenden dabei eher von Kooperation und nicht von einer formalen Koalition.

Vorläufiges Ergebnis der Kommunalwahl in Bad Hersfeld

Stärkste Kraft bleibt die SPD mit 13 Sitzen (32,36 %), sie stellt mit dem früheren Bürgermeisterkandidaten Karsten Vollmar zugleich den Politiker mit den meisten Wählerstimmen (6525) – dicht gefolgt von Lothar Seitz (5940), der die zweitmeisten Stimmen holte und damit beste Voraussetzungen für eine weitere Amtszeit als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung haben dürfte. Einen guten Start in eine politische Karriere hat auch die jüngste Kandidatin überhaupt, die 19-jährige Amy Petzel, erzielt. Sie erhielt auf Anhieb 3508 Stimmen.

Zweite Kraft bleibt die CDU, die 2,67 Prozent und zwei Sitze dazu gewinnt (21,92 %). Dies dürfte ganz wesentlich dem persönlichen Einsatz und kraftvollen Auftreten des Ersten Stadtrats Gunter Grimm zu verdanken sein, der mit 5752 Stimmen das drittbeste Direktstimmenergebnis erzielte.

Den größten Sprung machen die Grünen und legen satte fünf Prozent auf Platz drei im Parlament zu, was ihnen auch zwei zusätzliche Sitze bringt. Dabei war die Spitzenkandidatin der Grünen, die parteilose Andrea Zietz (mit 4132 Stimmen hinter Antje Fey-Spengler, 5016) bei der letzten Wahl noch mit der NBL angetreten, die damals drei Mandate errang, 2021 aber nicht mehr zur Wahl stand.

Die FDP hat ihre Position als drittstärkste Kraft eingebüßt, leicht an Prozentpunkten (11,47 %) und auch einen Sitz verloren. Politische Beobachter werten das als Kritik an der immer noch vorhandenen Nähe der FDP zu ihrem früheren Parteimitglied Bürgermeister Fehling. Tatsächlich hatten die Liberalen um Fraktionschef Bernd Böhle – mit 2866 Stimmen beliebtester FDP-Kandidat – sich zuletzt immer öfter vom Bürgermeister distanziert.

Die FWG gewinnt einen Sitz dazu (10,63 %) und wurde vom Wähler für engagierte Arbeit im Parlament, die stets von fleißiger Öffentlichkeitsarbeit begleitet wurde, belohnt. Die meisten Stimmen holte auch hier Fraktionschef Jürgen Richter (3507), allerdings wurde mit Noah Seitz (2491) ein politischer Newcomer auf Platz vier gewählt.

Die UBH verliert einen Sitz im Stadtparlament, obwohl sie leichte Zugewinne hat (7,74 %). Fraktionschef Hans-Jürgen Schülbe, der künftig wohl auch im Kreistag sitzen wird, holte 3015 Stimmen.

Die Linken verteidigen mit leichten Verlusten ihr eines Mandat (3,17 %). Spitzenkandidat Horst Zanger erhielt 1152 Stimmen.

So kommentieren die Stadtpolitiker ihr Abschneiden

Karsten Vollmar (SPD) ist sehr zufrieden. Die Arbeit der vergangenen fünf Jahre habe sich gelohnt. „Jetzt wollen wir das in uns gesetzte Vertrauen mit solider und glaubwürdiger Politik rechtfertigen.“ Er werde jetzt Gespräche mit der CDU und den Grünen führen, die das Ziel einer stabilen Mehrheitsbildung haben. Vollmar will auch mit den anderen Fraktionen Kontakt aufnehmen. „Nur gemeinsam können wir die Folgen der Pandemie und die anderen Probleme lösen und die zu Recht viel gescholtenen Bad Hersfelder Verhältnisse hinter uns lassen.“

Andreas Rey (CDU) freut sich über den Zugewinn von zwei Sitzen im Stadtparlament und wertet das als Votum für „eine verlässliche und sachorientierte Politik“. Vieles spreche dafür, die Kooperation mit SPD und Grünen auch in der künftigen Wahlperiode fortzuführen.

Andrea Zietz (Grüne) betont stolz, dass die Grünen mit einem Plus von fünf Prozent den größten Zuwachs aller Parteien hätten, „darauf sind wir sehr stolz“. „Es war keine Selbstverständlichkeit, dass unsere Liste mit einer parteilosen Spitzenkandidatin angenommen wird.“ Ein Erfolg für das ganze Team, aber auch für sie persönlich. „Bestätigt hat das Wahlergebnis auch die bisherigen Mehrheitsverhältnisse“, meint Zietz. Den Bürgern sei „Verlässlichkeit offensichtlich wichtiger als kurzfristige Schlagworte“. Sie wertet das als deutlichen Auftrag, weiterhin für stabile Verhältnisse in der Stadtpolitik zu sorgen.

Bernd Böhle (FDP) spricht von einem guten Ergebnis, ärgert sich aber über den knapp verlorenen Sitz. Ein Grund dafür könne sein, dass die FDP „immer in die Ecke von Thomas Fehling gestellt wird“. Böhle betont die Bereitschaft, mit allen politischen Kräften zum Wohle der Stadt zusammenarbeiten.

Jürgen Richter (FWG) meint „unsere Inhalte und Personen haben offensichtlich die Menschen erreicht.“ Deshalb habe die FWG zulegen und ein weiteres Mandat erringen können. „Grundsätzlich sind wir an Gesprächen mit allen anderen Fraktionen im Sinne eines konstruktiven Miteinander interessiert“, erklärt Richter mit Blick auf die künftige Arbeit.

Hans-Jürgen Schülbe (UBH) ist hingegen enttäuscht: „Unsere Erwartungen haben sich nicht erfüllt.“ Die UBH-Vorschläge zur Sanierung des Klinikums seien nicht wie erhofft unterstützt worden. Dennoch werde die UBH die „Arbeit für unsere Heimatstadt wie gewohnt fortsetzen“ und sich mehr für jüngere Leute öffnen.

Die Linke ließ unsere Anfrage unbeantwortet. (Kai A. Struthoff)

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