Neubaustrecke Fulda-Gerstungen: Resolution im Stadtparlament

Knappes Ja zum Bahnhalt in Bebra

Das Bild zeigt den Bahnhof und den Lokschuppen Bebra mit vielen Gleisen. Es ist ein Symbolbild.
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Der Bahnhof Bebra spielt derzeit bei der Planung der Bahn keine Rolle mehr. Stadtpolitiker würden das gern ändern.

Mit knapper Mehrheit unterstützt das Stadtparlament in Bebra eine Resolution, die für einen Halt auf der geplanten Schnellbahnstrecke Fulda-Gerstungen in der Stadt wirbt.

Bebra - Die Kommunalpolitiker in Bebra beschlossen auch, dass ein externes Ingenieurbüro die Fahrtzeitberechnung der Bahn überprüfen soll: Der Verkehrsriese hatte einen Streckenverlauf über Bebra bei der Planung bereits aussortiert, weil der angepeilte Deutschlandtakt um wenige Minuten verpasst werde.

Auch aus Ronshausen und Wildeck liegen bereits Unterstützungsschreiben für die drei Bürgermeister der Nordkreiskommunen vor, die eine „faire Chance“ für Bebra fordern. Als Halt auf der Strecke sind derzeit vor allem Bad Hersfeld und ein Bahnhof „auf der grünen Wiese“ in Ludwigsau im Gespräch.

Die Entscheidung in der Eisenbahnerstadt fiel alles andere als einstimmig. Die CDU hatte bereits im September 2019 eine Resolution ins Stadtparlament eingebracht, die den Magistrat dazu aufforderte, sich für den Bahnhof Bebra stark zu machen. Damals sprachen sich alle Stadtverordneten noch dafür aus. Mittlerweile gibt es allerdings vor allem bei der SPD Bedenken, die in erster Linie Nachteile und Jobverluste im Güterverkehr befürchtet. Letztendlich stimmten 19 Parlamentarier für eine Resolution – bei sieben Gegenstimmen und sieben Enthaltungen.

Klarer fiel dagegen das Bekenntnis zu einem Gutachten aus, das die von der Bahn als zu lang eingeschätzte Fahrtzeit zwischen Fulda und Erfurt über Bebra überprüfen soll. Auch die Auswirkungen eines möglichen Fernverkehrshaltes auf Arbeitsplätze im Güterverkehr sollen Bestandteil sein. Kostenfaktor: maximal 10 000 Euro, ein Ergebnis soll bis Mitte Dezember vorliegen. Die Entscheidung fiel einstimmig bei zwei Enthaltungen.

Während der Diskussion im Stadtparlament heftig kritisiert wurde Bebras ehemalige Bürgermeister Uwe Hassl. Die von Hassl unterstützten Freien Wähler hatten die erneute Resolution eingebracht und das Zögern in Bebra scharf angegriffen. Die SPD konterte mit dem Vorwurf, die derzeitige Situation des Bahnhofs Bebra bei der Planung für die Neubaustrecke sei von Hassl ausgelöst, der nicht ausreichend informiert habe. „Er hat seinen Job nicht gemacht“, sagte Stadtverordnete Christina Kindler. Hassl habe bereits vor vier Jahren – gemeinsam mit sämtlichen Bürgermeistern des Kreises und Landrat Dr. Michael Koch – beim damaligen Verkehrsminister Alexander Dobrindt für den Halt in Bad Hersfeld votiert.

Gemeint ist eine Resolution aus dem April 2016, die sich gegen eine Strecke von Kirchheim durch das Geistal und Rohrbachtal und mit Anbindung an die bestehende Bahnlinie bei Bebra ausspricht. Bemängelt wird in dem Schreiben auch, dass Bad Hersfeld durch die Planung vom Fernverkehr abgeschnitten wird.

Hassl weist die Kritik zurück. Er habe nicht für Bad Hersfeld und gegen Bebra votiert und sich, wie jeder Bürgermeister der Eisenbahnerstadt, für den Erhalt der Wertigkeit des Bahnhofs und einen ICE-Halt eingesetzt. Bebra sei bis zum Vorstoß der dortigen Ortsgruppe der GDL im vergangenen Jahr nicht einmal im Gespräch als Halt auf der Strecke Fulda-Gerstungen gewesen. Der Vorschlag sei beim Beteiligungsforum der Bahn eingebracht worden. „Darüber wurde in der Presse berichtet – muss ich es der Politik dann noch in den Schoß legen?“

Es könne durchaus sein, dass Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling bei der Fernverkehrsstrecke sehr umtriebig gewesen sei. „Es haben sich aber auch die Bürger stark gemacht“, so Hassl.

(Clemens Herwig)

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