Radikalumbau und Einsparungen

Klinikum Hersfeld-Rotenburg: Politik kritisiert Kommunikation der Klinikleitung

Das Bild zeigt eine Luftaufnahme des Herz-Kreislauf-Zentrums in Rotenburg an der Fulda.
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Das Herz-Kreislauf-Zentrum in Rotenburg beschäftigt derzeit rund 700 Mitarbeiter und soll nach Bad Hersfeld verlagert werden.

Die angekündigten Einsparungen und Umstrukturierungen im Klinikum Hersfeld-Rotenburg sorgen im Kreis auch politisch für Gesprächsstoff. Wir haben erste Reaktionen gesammelt.

Während die SPD die Übernahme des Herz-Kreislauf-Zentrums in Rotenburg durch das Bad Hersfelder Klinikum vor vier Jahren verteidigt, fordert die AfD den Rücktritt von Landrat Dr. Michael Koch. Die Rückmeldungen der Vorsitzenden aller sieben Kreistagsfraktionen auf den angekündigten Radikalumbau des Klinikums im Überblick:

Manfred Fehr von der SPD zeigt sich irritiert, dass die Zukunftspläne des kommunalen Klinikverbundes bereits in der Zeitung gestanden haben, bevor der Aufsichtsrat darüber entschieden hat: „Ich bin stocksauer. Und ich frage mich, für was unsere Aufsichtsratssitzung Ende August überhaupt noch nötig ist.“ Er macht aber auch deutlich: „Dass sich im Klinikum etwas tun muss, ist klar.“ Der Rotenburger Alt-bürgermeister verteidigt zugleich die Übernahme des HKZ durch das Bad Hersfelder Klinikum vor vier Jahren. „An der jetzigen Situation des Klinikums trägt das Herz-Kreislauf-Zentrum keine Schuld. Ohne das HKZ stünde das Klinikum jetzt ähnlich bescheiden da.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Herbert Höttl betont, dass die geplanten Veränderungen noch nicht beschlossen sind. „Die Geschäftsführung hat die Aufgabe, sich dem zu stellen und ist mit ihren Vorschlägen für eine Umstrukturierung jetzt an die Öffentlichkeit gegangen. Es liegt jetzt an den Gremien, die notwendigen Entscheidungen zu treffen.“ Der Aufsichtsrat, dem auch Höttl angehört, werde dies Ende des Monats tun. Anschließend würden sich die politischen Gremien mit der Zukunft des Klinikverbunds beschäftigen. Höttl: „Die CDU-Kreistagsfraktion wird dabei natürlich in erster Linie die Sicherung der Gesundheitsversorgung im Kreis, aber auch die Sorgen und Nöte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Auge behalten.“

AfD: Als Ehrenmann müsste Landrat Koch seinen Hut nehmen

AfD-Chef Peter Fricke hingegen übt scharfe Kritik an der Entwicklung des Klinikums und fordert Konsequenzen. „Als Ehrenmann müsste Landrat Dr. Koch seinen Hut nehmen und zurücktreten.“ Die Übernahme des HKZ, an das Koch seine berufliche Zukunft geknüpft habe, sei krachend gescheitert. Fricke: „Der mitverantwortliche ehemalige Geschäftsführer Martin Ködding hat sich gerade noch rechtzeitig aus dem Staub gemacht.“ Das Dilemma habe sich schon länger abgezeichnet, „ist aber aus politischem und persönlichem Ehrgeiz verdrängt worden. Dadurch ist viel Zeit und damit Geld verloren gegangen.“

Kaya Kinkel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagt, es sei jetzt notwendig, die Kräfte zu bündeln und eine enge Kooperation aller Gesundheitseinrichtungen im Landkreis zum Wohle der Patienten anzustreben. „Deshalb halten wir eine Debatte darüber, ob wir weiterhin alle drei Akut-Krankenhäuser in der Region benötigen, für angebracht.“ Grundlage für eine bestmögliche Gesundheitsversorgung in der Region seien gute Pflegekräfte und gute Ärzte. „Der Mangel an Fachkräften im medizinischen Bereich hat sich in den letzten Jahren jedoch verschärft, was dazu führt, dass die Krankenhäuser im Landkreis um die wenigen Fachkräfte konkurrieren müssen.“

FDP: Haben detaillierte Informationen erst aus der Presse erfahren

Dass es im Klinikum Hersfeld-Rotenburg nicht wie bisher weitergehen könne, darüber seien sich alle einig, sagt FWG-Sprecher Jörg Brand. „Wenn Geld vom Land und von den Krankenkassen fehlt und die äußeren Rahmenbedingungen immer enger werden, kann man sich irgendwann nicht mehr wie gewohnt bewegen“, so Brand, der auch einen Sitz im Aufsichtsrat des kommunalen Klinikverbundes hat. „Wichtig ist jetzt, das Klinikum Hersfeld-Rotenburg zu sichern.“

Der FDP-Vorsitzende Bernd Böhle erinnert daran, dass seine Fraktion vor den finanziellen Folgen der Übernahme des HKZ gewarnt und als einzige Fraktion im Kreistag dagegen gestimmt habe. „Ein Kauf-Interesse des Rhön-Klinikums wurde den Kreistagsmitgliedern zudem bewusst verschwiegen.“ Jetzt müssten die Bürger im Landkreis mit den Konsequenzen leben, „manche jedoch auch ihre persönlichen Konsequenzen ziehen.“ Böhle kritisiert, dass die Kreistagsmitglieder detaillierte Informationen über den geplanten Radikalumbau erst aus der Presse erfahren hätten. „Ein Zukunftskonzept, welches wir seit Monaten eingefordert haben, liegt den Kreistagsfraktionen bislang nicht vor und muss endlich auf den Tisch.“

Hartmut Thuleweit (Linke) sprach für die offene Fraktionsgemeinschaft mit Bernd Holzhauer von „einschneidenden Maßnahmen, die sich da ankündigen“. Viel mehr könne er jetzt noch nicht sagen. Er will das endgültige Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon abwarten, das für Ende August erwartet wird. „Uns ist wichtig, dass möglichst viele Arbeitsplätze und eine umfassende Versorgung erhalten bleiben.“ (Von Sebastian Schaffner)

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