Mitarbeiter bei Versammlung informiert

Defizit höher als erwartet: Klinikum Hersfeld-Rotenburg in Geldnot

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Der Klinikverbund benötigt Geld. Im Bild das Herz-Kreislauf-Zentrum in Rotenburg.

Die Lage am Klinikum Hersfeld-Rotenburg ist ernst: Auch für 2019 zeichnet sich laut der Geschäftsführer Martin Ködding und Dr. Tobias Hermann ein höheres Defizit ab als erwartet.

Darüber informierten sie am Mittwochnachmittag die rund 3100 Beschäftigten des kommunalen Klinikkonzerns in einer Mitarbeiterversammlung im Audimax der Bad Hersfelder Obersbergschulen.

Wie hoch der Verlust ausfällt, steht noch nicht fest. Klar ist hingegen, dass Landrat Dr. Michael Koch, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums, am Montag im Kreistag (14.30 Uhr, ebenfalls im Audimax) einen Nachtragshaushalt einbringen wird, der ein Darlehen in Höhe von 15 Millionen Euro für das Klinikum vorsieht, um es mit notwendigem Kapital auszustatten. Die Fraktionen entscheiden dann in der darauffolgenden Sitzung, ob das Geld freigegeben wird.

2018 hatte der vom Kreis getragene Klinikverbund 1,1 Millionen Euro Verlust gemacht – trotz einer 6,5-Millionen-Finanzspritze des Landkreises. 2017 war es ein Minus von 4,1 Millionen Euro.

Martin Ködding, Geschäftsführer Klinikum

Derweil soll die auf den Gesundheitssektor spezialisierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon bis Mitte dieses Jahres in einem Gutachten ein „Zukunftskonzept“ für den Klinikverbund erarbeiten. „Wir müssen jetzt handeln, um das Klinikum Hersfeld-Rotenburg zukunftssicher aufzustellen“, so Ködding. Ziel des Gutachtens sei es, „kurzfristig zu realisierendes Verbesserungspotenzial im Unternehmen umzusetzen“. Gründe für die wirtschaftliche Krise seien Fallzahlrückgänge, der Fachkräftemangel, die neuen Pflegepersonaluntergrenzen, die Unterfinanzierung durch die Krankenkassen sowie fehlende Investitionsmittel vom Land.

Ködding kündigte an, Sprechstunden für Beschäftigte einzurichten, um Fragen zum „Veränderungsprozess“ zu beantworten. Ferner sollen alle Mitarbeiter regelmäßig über den Stand der Dinge informiert werden. Grund zur Panik gebe es nicht, betonte Ködding: „Das Klinikum hat in der Vergangenheit immer wieder Stärke, Zusammenhalt und Teamgeist bewiesen, der Erfolg wird uns wieder recht geben.“ 

Hintergrund: Einer der größten Arbeitgeber in der Region

Mit seinen rund 3100 Beschäftigten zählt das vom Landkreis getragene Klinikum Hersfeld-Rotenburg zu den größten Arbeitgebern in der Region. Zum Klinikverbund gehören unter anderem das Klinikum, die Orthopädie, die Klinik am Hainberg (alle Bad Hersfeld), das Herz-Kreislauf-Zentrum (Rotenburg) und das MVZ mit 20 Facharztsitzen in Bad Hersfeld, Bebra und Rotenburg. (ses)

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