Aufsichtsrat und Gesellschafter müssen entscheiden

Klinikum Hersfeld-Rotenburg: Geschäftsführer Dr. Tobias Hermann geht

Dr. Tobias Hermann vor dem Bad Hersfelder Klinikum.
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Dr. Tobias Hermann (rechts im Bild) mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Rolf Weigel vor dem Bad Hersfelder Klinikum.

Der Medizinische Geschäftsführer des Klinikum Hersfeld-Rotenburg, Dr. Tobias Hermann (53), hat um die Auflösung seines Vertrages zum 31. Mai dieses Jahres gebeten

Bad Hersfeld – Die Entscheidung habe rein private, familiäre Beweggründe. „Ich gehe nicht im Groll und meine Entscheidung hat auch nichts mit dem Ausgang der Kommunalwahl zu tun“, sagte Dr. Hermann unserer Zeitung.

Der Klinik-Konzern habe „einen wichtigen Meilenstein erreicht, und sei auf dem richtigen Weg“, erklärte Dr. Hermann, der sowohl Herzchirurg als auch Experte für Gesundheitsmanagement ist. Dr. Hermann hat die Mitarbeiter am Dienstag informiert. Die Entscheidung, ob der Vertrag aufgelöst werden kann, treffen die Gremien am 19. und 20. April. Auch über seine Nachfolge werden Aufsichtsrat und Gesellschafter entscheiden.

Tobias Hermann: „Der richtige Zeitpunkt, um zu gehen“

Er ist einer der Architekten des Radikalumbaus am Klinikum: der Medizinische Geschäftsführer Dr. Tobias Hermann. Jetzt verlässt er das Haus, lange bevor das Richtfest gefeiert werden kann. Doch immerhin sei das Fundament für den Umbau gegossen. „Die Strategie steht fest, der Weg ist klar“, sagt Dr. Tobias Hermann im Gespräch mit unserer Zeitung. Dieser Meilenstein sei für ihn der richtige Zeitpunkt, um zu gehen.

Dr. Hermann hat den Aufsichtsrat um die Auflösung seines Vertrags zu Ende April gebeten. Er hatte den Posten seit 1. Januar 2017 inne. Von Anfang an pendelte er zwischen Augsburg, wo seine Familie lebt, und Bad Hersfeld. Sein Ausscheiden habe ausschließlich private und familiäre Gründe, sagt der Herzchirurg, der zudem Betriebswirt und Fachmann für Gesundheitsmanagement ist.

„Mein Bitte um Vertragsauflösung hat nichts mit dem Ausgang der Landratswahl zu tun und auch nichts mit der Umstrukturierung des Klinik-Konzerns“, betont Dr. Hermann. Das Verhältnis zu seinem Co-Geschäftsführer Rolf Weigel sei sehr gut. Er habe in den Jahren in Bad Hersfeld viel gelernt und nette Kollegen kennengelernt.

Im Gespräch mit unserer Zeitung lässt Dr. Hermann aber auch erkennen, dass der Druck, der wegen des Radikalumbaus auf der Geschäftsführung lastet, an ihm gezehrt habe. Dennoch sei dies nicht der Grund für seinen Rückzug. Dr. Hermann ist überzeugt davon, dass der eingeschlagene Sanierungskurs der richtige ist. „Die Finanzlage der Kliniken wird sich nicht grundlegend verändern, deshalb ist weder Zeit noch Raum für andere Konzepte“, sagt er.

Als einzige Alternative bliebe sonst höchstens noch die Privatisierung des kommunalen Krankenhauses. Auch der neue Landrat Torsten Warnecke und ein möglicherweise anders besetzter Aufsichtsrat dürften bald von dieser Realität eingeholt werden. „Deshalb hoffe ich, dass auch weiterhin der Mut vorhanden ist, um den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.“ Er habe großen Respekt vor Landrat Dr. Michael Koch, der trotz der bevorstehenden Kommunalwahl unbeirrt an diesem Kurs festgehalten hat. Zugleicht betont Hermann, er verlasse das Klinikum im Guten und ohne Groll.

Überrascht reagierte der Betriebsrat des Klinikums Bad Hersfeld. Man sei über die Personalentscheidung von Dr. Hermann in Kenntnis gesetzt worden, ohne die genauen Beweggründe zu kennen. Eine Einschätzung sei daher noch nicht möglich. Über mögliche Auswirkungen auf den Umstrukturierungsprozess werde man sich mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Rolf Weigel austauschen, sagt der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Reim.

„Wir gehen natürlich davon aus, dass der Erhalt der Arbeitsplätze und der medizinischen Versorgung wie angedacht fortgesetzt wird.“ Hierfür werde sich der Betriebsrat weiterhin vehement einsetzen und von den Verantwortlichen die nächsten Schritte einfordern, kündigt Reim an.

Landrat Dr. Michael Koch wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht zu der Personalie äußern. (kai)

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