ZWISCHEN DEN ZEILEN

Klima, Geld und ein Trauerspiel

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Kai A. Struthoff

In unserer Wochenend-Kolumne schreibt Kai A. Struthoff über ein Umdenken von Bürgermeister Fehling, Kritik am Bad Hersfelder Haushalt, offene Fragen und das Trauerspiel bei der Stimmauszählung nach der US-Wahl.

Mit Erstaunen haben viele Stadtverordnete in Bad Hersfeld die bemerkenswerte Wandlung von Bürgermeister Thomas Fehling vom Klima-Saulus zum Klima-Paulus registriert. Vor Kurzem noch konnte er sich nicht so recht für das Thema begeistern und wollte den „Klimanotstand“, den Bad Hersfeld mit 70 anderen Kommunen dann doch ausgerufen hat, nicht ernst nehmen.

Nun setzt er sich mit seinen Haushaltsplänen quasi an die Spitze der Bewegung, will einen bundesweit einmaligen Klimamonitor aufbauen, denn an der „Bedeutung des Themas gab und gibt es keinen Zweifel“, sagt er jetzt.

„Schade, dass wir keinen Mitgliedsantrag dabei hatten“, lästerte eine Politikerin der Grünen spöttisch nach der Sitzung angesichts dieser überraschenden Volte.

Spott hin oder her: Es ist richtig, dieses wichtige Thema auch in Bad Hersfeld auf die politische Agenda zu setzen. Besser spät, als nie.

Auch sonst gibt es hinter den Kulissen schon Kritik am Haushaltsentwurf des Bürgermeisters. Manche Ansätze wären viel zu niedrig oder viel zu optimistisch angesetzt. Es fehle Geld für das dringend benötigte Feuerwehrhaus am Johannesberg, und etwaige Kürzungen der Vereinsförderung seien mit den großen Parteien nicht machbar, hören wir. Ich finde es grundsätzlich sehr löblich, dass Bad Hersfeld trotz wackliger Finanzdaten einen Haushalt aufstellt, um Planungssicherheit herzustellen. Für diesen Kraftakt gebührt allen Beteiligten Dank. Freuen wir uns auf eine spannende Haushaltsdebatte.

Gefreut hatten wir uns auch auf eine spanende Festspiel-Pressekonferenz in dieser Woche, die aber auch Corona zum Opfer gefallen ist. Die Festspiele versprechen baldige Infos auf anderen Kanälen. Im Haushalt ist das Geld für die Festspiele jedenfalls fest verankert, und auch die Förderung vom Land scheint gesichert. Joern Hinkel kann also planen. Und das muss er auch, damit der Vorverkauf beginnen kann. Mitte November soll es losgehen.

Was ist denn nun mit dem Wever-Areal, werde ich von vielen Leser gefragt. Diese Frage habe ich an den Bürgermeister weitergeben, als er mir am Dienstag vorab seinen Haushaltsentwurf erläuterte. Fehling hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, will aber auch keine falschen Erwartungen wecken. Es liefen Verhandlungen im Hintergrund. Einfach eine neue Halle zu bauen, etwa in Gewerbegebiet in Ludwigsau, sei aber nicht finanzierbar, denn eine neue Halle wäre wohl doppelt so teuer.

Mit Spannung und zunehmender Fassungslosigkeit haben wir in den vergangenen Tagen auf die taumelnde Weltmacht USA geschaut. Das Land, das uns nach dem Zweiten Weltkrieg Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gebracht hat, versinkt im Wahlchaos – getrieben von Donald Trump, der dabei auch die letzten politischen Gepflogenheiten über Bord geworfen hat. Er bleibt ein Saulus und wird kein Paulus mehr. Hoffentlich hat dieses Trauerspiel bald doch noch ein Happy End.

God bless America! (Kai A. Struthoff)

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