Mit Abstand und Mundschutz

In den Kirchen im Kreis wird wieder Gottesdienst gefeiert

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In der Bad Hersfelder Stadtkirche geleitet Küster Valentin Terminski jeden Besucher persönlich an seinen Platz, der mit roten Punkten gekennzeichnet ist. 

In zahlreichen evangelischen und katholischen Kirchen haben am Wochenende zum ersten Mal nach langer Pause wieder Gottesdienste stattgefunden, wenn auch anders als gewohnt.

Denn natürlich muss auch in Gotteshäusern das Abstandsgebot gewahrt werden. „Maximal ein Zehntel“ der zur Verfügung stehenden Plätze könnten besetzt werden, sagt Pfarrer Thorsten Waap aus Heringen, der bereits am Muttertagssonntag wieder Gottesdienst feierte. Für ihn ist die Konsequenz daraus, künftig zwei Termine am Sonntag anzubieten, damit alle Gläubigen eine Chance haben, den Gottesdienst zu besuchen.

Ebenfalls ungewohnt: In den Kirchen darf wegen der Gefahr von Tröpfcheninfektionen nicht laut gesungen werden. Der erste Gottesdienst nach so langer Pause sei sehr bewegend gewesen, berichtet Waap. „Viele Menschen hatten bei den ersten Orgelklängen Tränen in den Augen“, berichtet er.

Gottesdienst im Freien an Himmelfahrt

Im ehemaligen Kirchenkreis Rotenburg werden die Gläubigen erstmals am Himmelfahrtstag wieder zu Gottesdiensten zusammenkommen, im günstigsten Fall mit Abstand bei Sonnenschein im Freien, „so wie es auch in den vergangenen Jahren auf dem Rotenburger Marktplatz üblich war“, sagt Dekanin Gisela Strohriegl. Große Zusammenkünfte, wie etwa an der Friedrichshütte, wird es gleichwohl nicht geben. Denn in Zeiten von Corona ist man seitens der Kirche sehr sorgsam darauf bedacht, bei den Gottesdiensten den Infektionsschutz zu wahren. Kirchenvorstände arbeiten nach Angaben der Dekanin derzeit auf Hochtouren, um in gemeinsamer Abstimmung ihre Kirchen „Corona-fit“ zu machen. Es sei ein Vorantasten in vielen Schritten. Hygieneschutzkonzepte der Gemeinden muss die Kirchenleitung absegnen und Verantwortliche vor Ort müssen für deren Umsetzung gefunden werden.

Erster Gottesdienst nach der Corona-bedingten Schließung der Kirchen in der katholischen Kirche "Christus der Erlöser" in Rotenburg. Die Besucher verteilen sich locker im Kirchenraum.

Auch in den katholischen Kirchen wurde erstmals wieder Gottesdienst gefeiert. Dabei sollte das Schutzkonzept des Bistums Fulda Halt und Orientierung bieten, ohne zu sehr einzuengen, erläutert Pfarrer Andreas Schweimer. Auch die Eucharistie wurde gefeiert, mit gebotenem Sicherheitsabstand. 

„Hier haben Sie bei Gott einen Platz. Herzlich willkommen“. Mit diesen freundlichen Worten auf den Bankreihen begrüßte die Katholische Kirchengemeinde „Christus der Erlöser“ in Rotenburg am Samstagabend nach zehn Wochen erstmals wieder die Gottesdienstbesucher. 

Schutzkonzept bietet Orientierung

Und dabei machte sie charmant auf die Abstandsregelungen aufmerksam. 31 Anmeldungen gab es für die erste Messe, auf die sich nicht nur Pfarrer Andreas Schweimer sehr gefreut hat. Viele Gläubige nahmen schon lange vor Beginn Platz in dem Gotteshaus in froher Erwartung auf gemeinsames Beten und Innehalten. „Auch wenn das Zelebrieren der Messe anders als gewohnt sein wird, sollen die Regeln nicht die Feier und die Freude überdecken“, sagte Pfarrer Schweimer. Darum freute er sich, dass das Schutzkonzept des Bistums Fulda Halt und Orientierung biete, aber keineswegs „allzu sehr einengt“. 

Viele Besucher kamen mit Mundschutz und desinfizierten sich am Eingang die Hände. In dem Gotteshaus, das normalerweise Platz für 410 Gläubige bietet, war am Samstag der Mindestabstand locker einzuhalten. An einige Änderungen im Ablauf wird man sich gewöhnen müssen, meinte der Geistliche. Das Weihwasserbecken beispielsweise wurde geleert, Gesangbücher nicht mehr ausgelegt. Beim Friedensgruß wurde gewunken, das Körbchen für die Kollekte wanderte nicht von Hand zu Hand, sondern steht künftig gut sichtbar beim Ausgang der Kirche. 

Eucharistiefeier: Pfarrer Andreas Schweimer teilte mit zuvor desinfizierten Händen und auf Abstand die Hostien aus.

Kirchliche katholische Gemeinschaft ist ohne Eucharistiefeier undenkbar. „Es ist die Eucharistie, die die Gemeinschaft stiftet“, betonte Schweimer, der in zwei Metern Entfernung mit zuvor desinfizierten Händen die Hostien austeilte. Er sagte „Der Leib Christi“ nicht mehr zu jedem Einzelnen, sondern vorher für alle. „So vermeiden wir einen direkten Gesprächskontakt“, erklärte er seiner Gemeinde. 

Klangerlebnis der besonderen Art

Für den derzeit nicht erlaubten Gemeindegesang hat Andreas Schweimer einen Mittelweg gefunden: Als Gerhard Ankenbauer an der Orgel den Choral „Nun freue dich, du Christenheit“ spielte, sprach die Gemeinde den Text mit. Ein Klangerlebnis der besonderen Art. 

Für Renate Düker und Sylvia Mewitz war die Messe in Corona-Zeit wichtig. „Es ist halt schön, dass dies überhaupt wieder stattfinden kann, und es ist vielleicht so ein bisschen Normalität in dieser anderen Zeit“. Für Elfriede Claus-Götzner waren einige Änderungen „gewöhnungsbedürftig“. Aber sie weiß, wie wichtig reale Gottesdienste besonders für die Älteren sind. „Sie können mit Videos nicht viel anfangen und sind angewiesen auf das Leben und die Aktivitäten in der Gemeinde“. 

"Ohne Gottesdienst ist für mich kein Sonntag"

44 Gläubige haben an diesem Sonntagmorgen den Weg in die Bad Hersfelder Stadtkirche gefunden. Helferinnen und Helfer des Kirchenvorstands desinfizieren Hände und notieren Namen, Anschriften und Telefonnummern, bevor Küster Valentin Terminski jeden an seinen mit einem roten Punkt markierten Platz geleitet. Auch das Verlassen der Kirche ist anschließend genau geregelt.

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau hat, wie die Gottesdienstbesucher, Mund und Nase mit einer Schutzmaske abgedeckt. Während der Gottesdienstfeier spricht sie allerdings ohne Maske.

 Pröpstin Sabine Kropf-Brandau erläutert eingangs die Infektionsschutzregeln. „Sie sollen mit einem guten und sicheren Gefühl in Gottes Haus kommen“, sagt sie. Nicht allen ist das möglich, weil sie das Tragen der Mund-Nase-Maske nicht den ganzen Gottesdienst lang aushalten, auch wenn der nur knapp 30 Minuten dauert. Sie haben an Himmelfahrt Gelegenheit, in der Stiftsruine einen Gottesdienst zu besuchen. Insgesamt 80 Stehplätze wird es geben. 

Helga Schwamberger jedenfalls ist glücklich, wieder in die Kirche gehen zu können: „Ohne Gottesdienst ist für mich kein Sonntag“, sagt sie. 

Auch Beate Pütz findet die persönliche Anwesenheit in der Kirche schöner als Gottesdienst im Fernsehen. Wolfgang und Nikica Lißner freuten sich über das Höchstmaß an „Wertschätzung und Verbundenheit“, das sie schon bei der Begrüßung empfanden und waren durch das im Gottesdienst erfahrene Verbundensein sehr berührt.

Von Susanne Kanngieser und Christine Zacharias

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