Keine Filme, keine Einnahmen

Corona: Kinobetreiber im Kreis Hersfeld-Rotenburg stehen vor dem Nichts

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Das Lächeln täuscht: Der Bad Hersfelder Kinobetreiber Horst Martin im leeren Kinosaal. Seit Wochen ist sein Betrieb wie auch das Bebraer Biber-Kino geschlossen.

Trotz der allmählichen Lockerungen bleiben die Kinos während der Corona-Pandemie weiterhin geschlossen. Es gibt auch keine neuen Filme.

Viele Geschäfte sind wieder offen, auch in den Schulen und in der Politik werden die ersten Schritte einer Rückkehr zur Normalität unternommen – doch für die Kinos gilt das nicht. Sie sind seit Wochen geschlossen, und aktuell gibt es keine Signale, wann das gemeinsame Filmegucken wieder möglich sein wird.

„Ich sehe das Ende noch nicht“, ist Horst Martin, Chef des Cineplex Kinocenters in Bad Hersfeld derzeit eher pessimistisch gestimmt. Sein Geschäft brach mit der von oben verordneten Schließung von einem Tag auf den anderen „von hundert auf Null“ zusammen.

Von einer „Katastrophe“ spricht auch Karl-Werner Rehs, der mit Sohn Mirko das Biber-Kino in Bebra betreibt und sieht ebenfalls betrübt in die Zukunft: „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“

Beide heimischen Kinobetreiber befinden sich im Vergleich mit vielen Kollegen noch nicht in unmittelbarer Existenznot. „Unsere Kinos befinden sich allesamt in Immobilien, die uns gehören“, berichtet Horst Martin, zu dessen Unternehmen auch Häuser in Thüringen und Niedersachsen gehören. Kinos in Großstädten befänden sich oft in Mietobjekten, was die laufenden Kosten in die Höhe treibe.

Auch die Familie Rehs in Bebra verfügt über eigene Räumlichkeiten mit dem dazugehörigen Hotelbetrieb. Der ruht zwar ebenfalls, doch an Handwerker und Lokführer darf noch vermietet werden.

Horst Martin hat sich seit gestern ebenfalls eine kleine neue Einnahmequelle erschlossen: In Eschwege und Gotha wurden Filme in Autokinos gespielt. „Das Interesse war groß“, erzählt er, „wir hatten 250 Vorbestellungen.“

An der grundsätzlichen Misere ändert das freilich nichts. Martin hat die leitenden Mitarbeiter seiner Kinos in Kurzarbeit schicken müssen. Die Aushilfen gehen jedoch leer aus. „Ich habe die Betriebe so weit heruntergefahren, wie es geht. Aber bei uns gibt es ja nur entweder oder: Auf oder zu.“

Den Vorschlag, die Kinosäle nur locker zu besetzen und so die Abstandsregelungen einzuhalten, habe es natürlich auch gegeben. Jedoch habe niemand die Verantwortung übernehmen wollen.

Ein weiteres Problem, das die gesamte Branche betrifft: Es gibt keine neuen Filme, weil die Verleihfirmen alle Neustarts verschoben haben. „Früher konnte man in so einem Fall ein paar alte Bud Spencer-Filme zeigen“, erinnert sich Karl-Werner Rehs, doch heute funktioniere das nicht einmal mit James Bond.

„Ein Tropfen auf dem heißen Stein – mehr nicht“ ist laut Rehs auch das Hilfsprogramm aus dem hessischen Filmfonds, über das jetzt 500 000 Euro bereitgestellt wurden.

Verzweifelt klingen er und Horst Martin trotz der prekären Lage noch nicht. Und die Hoffnung haben sie auch noch nicht aufgegeben. „Vielleicht Ende Juli“, sagt Rehs.

Von Karl Schönholtz

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