Haftstrafe ohne Bewährung

Haft: Keine neue Chance für dreisten Räuber

ARCHIV - 25.01.2011, Niedersachsen, Hannover: Die Statue Justitia ist im Amtsgericht Hannover zu sehen. (zu dpa "Politik ohne Respekt vor der Justiz? Fall Sami A. löst Debatte aus" vom 16.08.2018) Foto: Peter Steffen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
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Bad Hersfelder Schöffengericht hat einen 33-Jährigen aus Bebra zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Zerknirscht und mit Tränen in den Augen entschuldigte sich der 33 Jahre alte Angeklagte bei den drei Männern, die er im September 2019 gemeinsam mit seiner damaligen Freundin in der Bad Hersfelder Innenstadt überfallen und beraubt hatte (wir berichteten). Er schäme sich für das, was er getan habe und wisse auch nicht, wie das habe geschehen können, sagte der aus dem Libanon stammende Mann.

In der Tat hat der Angeklagte, der seit 15 Jahren regelmäßig wegen Drogen- und Eigentumsdelikten vor Gericht steht, mit den Raubüberfällen und der damit verbundenen Körperverletzung eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Erstmals wurden Menschen auch verletzt. „Das geht gar nicht“, sagte Verteidiger Jochen Kreissl dem Angeklagten sehr deutlich.

Das drogensüchtige Räuber-Duo hatte zu nächtlicher Stunde jeweils Passanten angegriffen, geschlagen oder geschubst und ihnen mit brachialer Gewalt die Geldbörsen entwendet, sodass dabei deren Hosen zerfetzt wurden.

Für alle drei Betroffenen ist seitdem die Unbefangenheit, mit der sie auch im Dunklen durch die Stadt gingen, verloren gegangen. Sie sind ängstlicher geworden und fühlen sich noch heute von dem Vorfall belastet.

Auch die mitangeklagte 25-Jährige entschuldigte sich. Für sie war es die erste Straftat, wegen der sie sich vor Gericht verantworten musste. Und sie hat Chancen, dass es auch die letzte war. Seit einer Woche nimmt die junge Frau an einem Substitutionsprogramm in Fulda teil, bei dem die Drogen durch Medikamente ersetzt werden. Wenn sie sich stabilisiert habe, wolle sie auch beruflich Fuß fassen und hoffe, dann ihren zweijährigen Sohn, der zurzeit bei einer Pflegefamilie lebt, wieder zu sich nehmen zu können. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Silvia Reidt verurteilte sie zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zusätzlich muss die 25-Jährige 70 Sunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Weniger Entgegenkommen gab es für den 33-Jährigen, der überdies noch wegen eines Einbruchs angeklagt war. Sein Verteidiger hatte zwar für eine letzte Chance, eine Drogentherapie während der Haftzeit, plädiert und versichert, sein Mandant habe inzwischen den festen Willen, von den Drogen loszukommen und sein Leben zu ändern. Das Gericht folgte jedoch der Forderung von Staatsanwältin Jessica Maier, die eine Haft von drei Jahren und neun Monaten für angemessen hielt, und dem Gutachten von Dr. Rainer Hoffmann. Der Psychiater beschrieb den Angeklagten als dissoziale Persönlichkeit und erkannte keine Fähigkeit oder Bereitschaft zur Veränderung sowie ein nachhaltig gemeinschaftsschädigendes Verhalten und riet von einem weiteren Maßregelvollzug in einer Klinik ab.

Der 33-Jährige Palästinenser, der seine Eltern mit drei Jahren verlor und in einer kirchlichen Einrichtung im Libanon aufwuchs, lebt seit 15 Jahren als abgelehnter Asylbewerber in Deutschland – ohne Perspektive, Anspruch auf Sozialleistungen oder Arbeitsgenehmigung. Er darf aber auch nicht abgeschoben werden. Er wurde zurück in die Justizvollzugsanstalt Fulda gebracht.

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