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Interview über Licht mit Sabine Frank vom Sternenpark Rhön

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„Die Nacht ist die schönere Hälfte des Tages“: Unser
„Die Nacht ist die schönere Hälfte des Tages“: Unser © Sternenpark, Jürgen Lutz/nh

Die Leiterin des Sternenparks Rhön, Sabine Frank, wird auf Einladung der Bad Hersfelder Grünen am Mittwoch, 19. Januar, in einem Online-Vortrag über Lichtverschmutzung sprechen.

Hersfeld-Rotenburg - Über zu viel Licht und die Faszination der Nacht sprach Kai A. Struthoff mit Sabine Frank.

Frau Frank, Sie bezeichnen sich selbst scherzhaft als „Sternenfee“ und sagen, Sie mögen die Dunkelheit. Was fasziniert Sie so sehr an der Nacht?

(lacht) Die Nacht mit einem Sternenhimmel ist wunderschön und voller Leben. Eigentlich ist Dunkelheit auch ein ganz normaler Zustand – auch wenn uns das ein wenig ausgetrieben wurde. Ich komme aus der Amateur-Astronomie und mache in meiner Freizeit Sternenführungen. Deshalb fühle ich mich in der Nacht auch sehr wohl, weil man dann nicht so ausgeleuchtet und angeguckt ist wie am Tag. Nachts ist die Luft sauberer, es ist ruhiger, und es gibt nicht so viele visuelle Ablenkungen, gleichzeitig sieht man gut. Für mich ist die Nacht die schönere Hälfte vom Tag.

Das sehen aber wohl nicht alle so. Seit jeher haben viele Menschen Angst vor der Dunkelheit?

Die Angst vor der Nacht und der Dunkelheit ist unbegründet, denn wenn man sich Statistiken anschaut, stellt man fest, dass die Dunkelheit der Nacht nicht gefährlich ist, in angeblichen Dunkelräumen passiert auch nichts. Mit „Sicherheit“ wird viel Geld verdient. Angst hat man, wenn man alleine ist oder sich alleine fühlt. Das gilt für den Tag und die Nacht. Die Angst wird teils auch in Krimis geschürt. Frauen sind vor allem im häuslichen Bereich bedroht, und Täter brauchen immer Licht. Dennoch, man muss diese Angst mit in die Waagschale legen.

Eben deshalb versuchen auch viele Menschen, ihre Häuser und Wege hell zu erleuchten. Sie sprechen dann von Lichtverschmutzung. Warum?

Licht hat an einigen Orten Berechtigung. Oft ist es aber auch unnötig und hat außerdem fatale ökologische Folgen. Zu viel Licht ist einer der Hauptgründe für das Artensterben und ein starker Stressfaktor. Trotzdem beleuchten wir die Nacht, obwohl die wenigsten Menschen – außer vielleicht in den Innenstädten – nach 22 Uhr noch unterwegs sind. Außerdem hat inzwischen jeder an seinem Handy eine Taschenlampe. Nicht zu vergessen ist der enorme Ressourcen- und Energieaufwand. Nötig wäre eine dunkle Infrastruktur auch in Siedlungen, da dort viele Arten leben.

Was ist so schädlich am Licht für die Tierwelt?

Menschen und Tiere haben schon auf Zellebene eine innere Uhr, die durch den Hell-Dunkel-Wechsel gesteuert wird. Bei uns Menschen funktioniert das, indem wir nachts das Licht im Schlafzimmer ausmachen. Die Tierwelt hat kein Rollo. Kunstlicht beeinträchtigt oder zerstört Lebensräume und Lebensweise von tag- und nachtaktiven Arten, weil sich das Kunstlicht zum Beispiel auf den Hormonhaushalt auswirkt. Es wirkt als Barriere oder entzieht die lichtempfindlichen Insekten dem Naturraum. Man muss daher die ökologischen Konsequenzen bei der Planung besser berücksichtigen.

Trotzdem gibt es immer mehr Licht in der Nacht?

Weil LED-Lampen Licht inzwischen sehr preiswert gemacht haben. Früher war das ganz anders, in den Dörfern gab es meist nur wenige Straßenlampen. Man wusste damals: „Licht macht die Pferde scheu, und die Diebe kühn“. Mit der Zeit wurden wir an immer mehr Licht gewöhnt. Wegen der fatalen Wirkung hat der Bundestag im Sommer das Bundesnaturschutzgesetz geändert und fordert für die gesamte Landesfläche eine Reduktion der Lichtverschmutzung, indem Leuchten so konstruiert und betrieben werden, dass sie weniger schädlich wirken. Denn ein weiteres Problem von Licht ist, dass es über Wolken sehr weit in die Umgebung reflektiert wird. Wir alle kennen die Lichtglocken, die zum Beispiel über Städten hängen und schon weithin sichtbar sind. In Bad Hersfeld sieht man das ganz deutlich.

Sie finden es vermutlich auch richtig, dass die neue Fulda-Brücke in Bad Hersfeld nicht mehr nachts mit LED-Lampen erleuchtet werden darf, obwohl das sehr schön aussieht?

Licht und Wasser – das sollte grundsätzlich vermieden werden, denn gerade am Gewässer ist Licht ein starker Eingriff. Dazu gibt es ganz klare wissenschaftliche Erkenntnisse. Ich will hier nicht als Lichtgegnerin verstanden werden, aber man muss die Notwendigkeit sorgfältiger abwägen. Das immer wieder angeführte Sicherheitsargument kann man auch leicht umkehren, denn ein weiteres Licht kann dazu führen, dass man alleine Wege geht, die außerhalb der sozialen Kontrolle durch die Öffentlichkeit liegen. Eine zu helle Ausleuchtung setzt zudem die Sehfähigkeit herab und sorgt für den sogenannten Laufstegeffekt. Wer Angst hat, geht jedoch sowieso nie alleine. Zudem sollte man für sensible Bereiche wie die Brücke Alternativen bedenken, – etwa ein sehr heller Belag, nachts können wir gut Kontraste sehen – oder Reflektoren. Auf alle Fälle darf nur sehr, sehr wenig Licht eingesetzt werden, und es muss eine Nachtruhe geben.

Sie meinen also, das menschliche Auge kann im Dunkeln mehr sehen, als wir ihm zutrauen?

Die menschlichen Augen sehen in der Dunkelheit eigentlich sehr gut. Man hat ein sehr viel breiteres Sichtfeld und sieht Kontraste besser als am Tag, wenn man keine Beleuchtung oder nur eine sehr geringe eher schwache hat. Bei heller Beleuchtung hingegen gibt es einen sehr starken Kontrast zur Umgebung, und ich sehe nur entlang des erleuchteten Korridors. Rechts und links versinkt alles im Unerkenntlichen. Weniger Licht hilft also beim besseren Sehen. Insbesondere wird die Sehfähigkeit durch warmes Licht unterstützt. Das ist so, als wenn man an einem Lagerfeuer sitzt. Das Feuer ist orangefarben und nicht weiß. Deshalb kann man gut in die Flammen schauen und trotzdem rechts und links noch alles erkennen.

Wir leben in einer Logistikregion, wo auch nachts gearbeitet wird. Dafür braucht man Licht?

Es geht ja auch nicht um kein Licht, sondern um besseres Licht – das nicht blendet, sondern die Sehfähigkeit erhöht und Energie spart. Ein gutes Beispiel ist die Firma Rhönsprudel, wo auch die ganze Nacht gearbeitet wird. Dort hat man die gesamte Beleuchtung auf nachtfreundliches, orangefarbenes Licht umgestellt und leuchtet nur auf die Nutzfläche. Dadurch wurde die Fernwirkung weitgehend unterbunden. Mit Blick auf die Gewerbegebiete in Bad Hersfeld sollte man einen Maßnahmenplan erstellen, um die Lichtverschmutzung zu reduzieren.

Aber gibt es dort nicht Beleuchtungspflichten, eben weil gearbeitet wird?

Ja, es wird Licht benötigt. Aber die Arbeiten finden in den großen Hallen statt und die Anlieferungen an Rampen. Und selbst wenn Außenbeleuchtung benötigt wird, heißt es nicht, dass sie nicht klug und umweltverträglich gestaltet werden kann. Das Biosphärenreservat hat hierzu technische Planungshilfen erstellt. Es gibt also keinen Grund, kilometerweit die Umgebung aufzuhellen.

Was kann jeder Einzelne gegen Lichtverschmutzung tun?

Es geht darum, Licht zu vermeiden, wenn man es vermeiden kann. Gegen Einbrecher hilft ohnehin kein Licht, dagegen helfen nur gute Schlösser – die Einbruchzahlen gehen übrigens seit Jahren zurück. Wenn man Licht zum Beispiel in der Hofeinfahrt braucht, sollte es immer nach unten und nicht in die Horizontale gelenkt werden. Und man sollte warme Farbtöne nutzen – dann sieht es auch gleich viel freundlicher aus.

Zur Person: Sabine Frank (49) ist in Fulda geboren. Sie hat Sozial- und Kulturwissenschaften an der Hochschule Fulda studiert und ist Leiterin des Sternenparks Rhön. Sabine Frank ist liiert. Ihre Hobbys sind Astronomie, Sport, Wandern und Artenschutz. 

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