Landtagswahl am 28. Oktober

Kaya Kinkel (Grüne) ist die jüngste Abgeordnete im Landtag

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Leben am Fluss: Bewegung in der Natur und am Wasser schätzt Kaya Kinkel sehr. Als Treffpunkt für das Gespräch mit unserer Zeitung hat sie sich das Bootshaus in Bad Hersfeld ausgewählt.

Bad Hersfeld. Am 28. Oktober wählt Hessen einen neuen Landtag.Wir stellen die Direktkandidaten des Wahlkreises 11 (Hersfeld) vor. Heute ist es Kaya Kinkel (Grüne) aus Wildeck-Hönebach.

Kaya Kinkels Leben hat sich enorm verändert, seit sie vor fünf Jahren zum ersten Mal für den Landtag kandidiert hat. Seit Oktober ist sie tatsächlich Landtagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen. Außerdem ist sie inzwischen Mutter eines zweijährigen Sohnes.

„Es macht unheimlich Spaß, Politik mitzuverantworten und zu gestalten“, sagt die 31-Jährige, die zurzeit die jüngste Abgeordnete des Hessischen Landtags ist. In den vergangenen Monaten habe sie überwiegend positive Erfahrungen gemacht, sowohl mit den Kollegen von der eigenen Fraktion als auch mit denen der anderen Fraktionen, erzählt Kinkel. Sie habe jedoch eine Weile gebraucht, um sich an den Betrieb im Landtag zu gewöhnen. Kaya Kinkel ist Sprecherin ihrer Fraktion für die Bereiche Wirtschaft, Jugend, Lesben- und Schwulenpolitik.

Umgekehrt war es aber auch für ihre Gesprächspartner von Wirtschaftsverbänden und Institutionen erst einmal gewöhnungsbedürftig, mit einer jungen Frau zu verhandeln.

„Ich habe gemerkt, dass die mich teilweise nicht ernst genommen haben“, berichtet Kinkel. Inzwischen habe sich das aber verbessert.

Es ist ihr auch gelungen, für einige Herzensthemen ihrer Partei Aufmerksamkeit zu erzeugen, zum Beispiel dafür, dass es für Unternehmen wichtig ist, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur für Frauen zu ermöglichen, wenn sie qualifizierte Nachwuchskräfte sichern wollen oder auch das Umweltfreundlichkeit nicht unbedingt in den wirtschaftlichen Untergang führt. „Ich muss oft erklären, wie man mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben kann“, sagt Kinkel.

Auf jeden Fall ist sie überzeugt, dass grün wirkt, dass mit vielen Themen in Hessen ohne die Regierungsbeteiligung der Grünen ganz anders umgegangen worden wäre. Als Beispiel nennt Kaya Kinkel die Integration von Flüchtlingen. In Hessen habe es keine Diskussion gegeben, ob und wie viele Menschen aufgenommen werden. Es sei nur ganz pragmatisch nach Lösungen gesucht worden. Zu den Erfolgen grüner Politik rechnet Kaya Kinkel auch das Hessenticket für den öffentlichen Nahverkehr für Schüler und Landesbedienstete, das viele Menschen dazu veranlasst habe, auf die Bahn umzusteigen.

Und wie grün ist der Alltag der Grünen-Politikerin Kaya Kinkel? Sie fährt, wann immer es möglich ist, mit dem Zug. Doch wenn sie zu Terminen über Land muss, dann nimmt auch sie das Auto. Das fährt noch ganz konventionell, doch „das nächste wird ein Elektroauto“, versichert sie. In jedem Detail umweltgerecht und politisch korrekt zu sein, das gelingt jedoch auch ihr nicht.

„Man muss eine Grundhaltung haben und ein Bewusstsein für das, was man mit dem eigenen Tun auslöst“, betont die Abgeordnete. So bestellt sie nur in Ausnahmefällen etwas im Internet, den jede Bestellung trage dazu bei, dass mehr Lastwagen auf den Straßen unterwegs seien. Kaya Kinkel ist auch Vegetarierin, aber vor allem deshalb, weil ihr Fleisch einfach nicht schmeckt. Fisch dagegen isst sie gerne.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Kaya Kinkel auch ein persönliches Anliegen. Schließlich hat sie einen zwei Jahre alten Sohn, mit dem sie gerne so viel Zeit wie möglich verbringen will. Linus besucht tagsüber eine Kinderkrippe und ist anschließend bei einer seiner Omas, bis er von seinem Vater abgeholt wird.

An drei Tagen in der Woche ist die Landtagsabgeordnete in Wiesbaden, doch auch im Wahlkreis hat sie viele Termine.

Kandidaten kurz und knapp

1. Die Breitbandversorgung ist ... Grundlage für einen lebenswerten ländlichen Raum und deshalb wollen wir, dass Glasfaserleitungen bis in jedes Haus und jedes Unternehmen in Hessen reichen! 

2. Die ärztliche Versorgung verbessere ich, indem ich ... mich dafür einsetze, dass medizinische Versorgungszentren ermöglicht und Kommunen unterstützt werden, in der medizinischen Versorgung aktiv zu werden, zum Beispiel, indem sie selbst Ärztinnen oder Ärzte einstellen können. 

3. Die Abschaffung der Straßenbaubeiträge finanziere ich durch ... Die Abschaffung der Straßenbaubeiträge finanzieren die Kommunen, die in den letzten Jahren vom Land erheblich besser ausgestattet und entschuldet wurden. Hilfe für Infrastrukturmaßnahmen wie Radwege- oder Straßenbau in den Kommunen ist aber auch in der nächsten Legislaturperiode nötig! 

4. Die Polizei im Kreis muss ... gut ausgestattet sein, damit sie sichtbar sein und Freiheit und Bürgerrechte verteidigen kann. Aber: Polizei ist nicht alles, es gilt auch in Extremismusprävention und Demokratieförderung zu investieren! 

5. Unsere Kinder bekommen in der Schule ... nicht alle die gleichen Bildungschancen – die sind noch immer viel zu stark vom sozialen, kulturellen und materiellen Hintergrund seiner Eltern abhängig. Daran müssen wir weiter arbeiten, damit jedes Kind seine Talente bestmöglich entfalten kann. 

6. Die Feuerwehren müssen in der Zukunft ... ebenso wie die vielen anderen ehrenamtlichen Menschen gefördert und unterstützt werden. Gerade die Feuerwehren tragen einen nicht unerheblichen Teil zum geselligen Dorfleben bei! 

7. Die Landtagswahl wäre für mich ein Erfolg, wenn ich … für die Grünen 42 Prozent erreiche. Aber ich bin auch mit weniger zufrieden ;-) 

8. Wenn ich mal keine Politik mache, dann … verbringe ich Zeit mit meiner Familie. Am liebsten draußen! 

9. In meinem Lieblingsrestaurant bestelle ich am liebsten … Fisch. Man kann nicht immer nur Grünes essen. Aber wählen! 

10. Als Lesestoff besonders beeindruckt hat mich in letzter Zeit … Quality Land von Marc-Uwe Kling. Eine Geschichte über eine Zukunft, in der alles durch Algorithmen „optimiert“ ist – erschreckend! 

11. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzlerin sein dürfte, würde ich … Seehofer entlassen! Wer persönliche Eitelkeit und Populismus zu den Leitlinien seiner Politik macht, gehört nicht in das Amt eines Innenministers. 

12. Diese Marotte würde ich mir am liebsten abgewöhnen: … Später nach Hause kommen, als ich ankündige. 

13. Mit diesen drei Eigenschaften würden mich meine besten Freunde beschreiben: ... Ergebnis einer Blitzumfrage: ausgeglichen, humorvoll, zielstrebig (hach, meine Freunde sind super!)

Zur Person

Kaya Kinkel ist in die Politik gegangen, weil sie überzeugt ist, dass wir alle etwas an unserer Art zu leben und zu wirtschaften verändern müsse, weil wir sonst uns selbst und künftigen Generationen die Lebensgrundlage entziehen. Deshalb hat Kinkel auch nach ihrem Studium der Medienwirtschaft in Ilmenau noch den Studiengang „Nachhaltiges Wirtschaften“ in Kassel angeschlossen und anschließend drei Jahre in einem Fachbüro gearbeitet. Sie lebte und arbeitete ein Jahr in Neuseeland und drei Monate in Südafrika, wo sie an einem Projekt zu CO2-Einsaprungen mitgearbeitet hat. Seit Oktober 2017 ist Kinkel als Nachrückerin Mitglied der grünen Fraktion im Hessischen Landtag. Sie ist zudem Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag Hersfeld-Rotenburg und Mitglied des Kreisvorstands. Kaya Kinkel lebt mit ihrem Mann und ihrem zweijährigen Sohn in Hönebach und hält sich in ihrer Freizeit gerne im Freien auf. Mit Liebe und Leidenschaft arbeitet sie, gemeinsam mit ihrem Sohn, im Garten. (zac)

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