Projekt auf dem Schlachthof-Gelände steht erneut vor dem Aus

Kaufland: Stadt Bad Hersfeld zieht Antrag zurück

Hier soll ein Kaufland-Markt entstehen, wenn es nach den bisherigen Plänen der Stadt Bad Hersfeld geht. Das Bild zeigt das Schlachthofgelände am Peterstor. Der Zerlegebetrieb der RVF könnte dann ins Gewerbegebiet Haune II/In den Giesen umziehen, der Fleisch- und Wurstverkauf bei Kaufland stattfinden.
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Hier soll ein Kaufland-Markt entstehen, wenn es nach den bisherigen Plänen der Stadt Bad Hersfeld geht. Das Bild zeigt das Schlachthofgelände am Peterstor. Der Zerlegebetrieb der RVF könnte dann ins Gewerbegebiet Haune II/In den Giesen umziehen, der Fleisch- und Wurstverkauf bei Kaufland stattfinden.

Die Ansiedlung eines Kaufland-Marktes auf dem Schlachthof-Gelände in Bad Hersfeld steht erneut vor dem Aus.

Bad Hersfeld – Nachdem die umstrittene Ansiedlung eines Kaufland-Marktes mit einer Verkaufsfläche von rund 4000 Quadratmetern auf dem Schlachthof-Gelände in der Kreisstadt Bad Hersfeld nach einem Vor-Ort-Termin Ende September zumindest nicht mehr ganz aussichtslos schien (wir berichteten), steht das Projekt nun erneut vor dem Aus.

Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling hat den Antrag auf Zulassung einer Abweichung vom Regionalplan Nordhessen, ohne die die Umsetzung nicht möglich ist, kurzfristig zurückgezogen. Eigentlich wären die Ansiedlung und das gewünschte Baurecht am Montag erneut Thema im Zentralausschuss der Regionalversammlung Nordhessen gewesen. Nach einem entsprechenden Schreiben des Bürgermeisters von Freitag wurde der Punkt aber wieder von der Tagesordnung genommen. Gestern Abend sollte sich dann der Magistrat der Stadt Bad Hersfeld erneut mit dem Thema befassen, weshalb es von der Stadt aktuell kein weiteres Statement dazu gab. Im Raum steht unter anderem der Vorwurf, dass das Gutachten der von der Stadt beauftragten GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH) fehlerhaft sei.

Hauptgründe für das bisher ablehnende Votum waren laut Regierungspräsidium die Tatsache, dass das Gelände städtebaulich nicht integriert sei und es sich um ein Gewerbegebiet handele. Außerdem wird von Kritikern befürchtet, dass anderen Märkten die Kaufkraft entzogen wird.

Im September hatten sich die Vertreter des Zentralausschusses persönlich ein Bild von den örtlichen Gegebenheiten und Entfernungen gemacht. Bürgermeister Thomas Fehling hatte das Vorhaben inklusive autonomem Shuttle zur Fußgänerzone zudem noch einmal in Wort und Bild präsentiert. Manches Ausschussmitglied zeigte sich damals überrascht, wie nah das Schlachthofgelände und der innerstädtischen Bereich beieinanderliegen und Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber hatte auf die Bedeutung neuer Verkehrskonzepte im Stadtverkehr der Zukunft hingewiesen. Die Fraktionen im Bad Hersfelder Stadtparlament stehen einmütig hinter dem Projekt, und auch der lokale Handel begrüße die Ansiedlung, wie Jörg Markert, Leiter der City-Galerie, betont hatte. „Kaufland ist ein Wunsch der Bevölkerung. Wir wollen etwas für die Innenstadt tun“, hatte der Bad Hersfelder Investor Walter Rossing bei dem Termin argumentiert. Er stehe weiterhin hinter dem Projekt, wollte sich mit Blick auf weitere Gespräche mit allen Beteiligten aber ebenfalls noch nicht aktuell äußern.

Dr. Stefan Holl, Geschäftsführer der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH, teilte auf Nachfrage mit: „Wir haben von diesem Vorwurf erst Ende letzter Woche über die Stadt erfahren, und sammeln derzeit noch die Informationen, bevor wir über das weitere Vorgehen entscheiden.“ Bislang lägen keine Informationen vor, die das Gutachten grundsätzlich infrage stellten. Man berate die Stadt Bad Hersfeld seit zwei Jahrzehnten erfolgreich und unter Beachtung wissenschaftlicher Gütekriterien, heißt es.

Gegen die Kaufland-Ansiedlung sprachen sich neben dem Einzelhandelsverband Hessen Nord und Thorsten Hellwig, der einen Edeka-Markt auf dem nahen Post-Gelände plant, zuletzt auch die Vertreter der Nordkreis-Kommunen Alheim, Bebra, Ronshausen, Rotenburg und Wildeck aus. Dort fürchtet man eine weitere Konzentration auf Bad Hersfeld und warnt vor Einzelfallentscheidungen den Regionaplan betreffend. Der Landkreis als Träger öffentlicher Belange hat keine Bedenken geltend gemacht.

Vollsortimenter gehört zur Schwarz-Gruppe

Kaufland mit Sitz in Neckarsulm betreibt über 1000 Märkte und gehört wie Lidl zur Schwarz-Gruppe. Filialen in der Umgebung gibt es in Fulda, Eisenach, Bad Salzungen und Eschwege. Der Vollsortimenter lockt vor allem mit günstigen Preisen. Die für Bad Hersfeld beantragte Verkaufsfläche beträgt 4000 Quadratmeter, tatsächlich sind es laut Investor aber nur 3500. Kaufland sei auf Lebensmittel und Drogerieartikel fokussiert, übrige Waren machten zehn Prozent der Fläche aus, so Walter Rossing. (Nadine Maaz)

Per Shuttle durch die Unterführung: Bürgermeister Thomas Fehling hatte das Projekt im September dem Zentralsausschuss der Regionalversammlung Nordhessen vorgestellt.

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