Musikalische Expedition

"Kasseler Herrenkonfekt" begeisterte im Bad Hersfelder Buchcafé

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Kasseler Herrenkonfekt: Urban Beyer und Florian Brauer (von links) begeisterten als „Kasseler Herrenkonfekt“ das Publikum im komplett ausverkauften Buchcafé.

Lieder über Männer - stolze oder romantische, starke oder eingebildete - bot das  "Kasseler Herrenkonfekt" mit Urban Beyer und Florian Brauer im Bad Hersfelder Buchcafé.

Bad Hersfeld – Für einen richtigen Mann gibt es keinen Ersatz und natürlich sind die Männer der Liebe wert – mit ihren musikalischen Expeditionen in die Welt der starken und stolzen und doch oft auch romantischen männlichen Helden trafen Urban Beyer und Florian Brauer (alias „Kasseler Herrenkonfekt“) im komplett ausverkauften Buchcafé nicht nur den Nerv ihrer Zuschauerinnen. Geistreich und humorvoll, musikalisch absolut souverän und mit genau der richtigen Mischung aus dandyhafter Attitüde und Schlitzohrigkeit bereiteten die beiden Multi-Instrumentalisten mit „Hersfelder Migrationshintergrund“ sich selbst und vor allem ihrem sichtlich begeisterten Publikum einen gelungenen und kurzweiligen Abend.

Stilecht gekleidet in Frack und Zylinder und mit reichlich Pomade im Haar hatten sie nicht nur Chansons der 1920er Jahre im Gepäck, die schon durch ihren Wortwitz bestachen, sondern auch neuere Kompositionen, denen sie eine ganz eigene Note verliehen.

Bewusstes Spiel mit Klischees

Überhaupt zeichneten sich alle Interpretationen durch ihre Originalität und das bewusste Spiel mit Klischees aus: Herbert Grönemeyers Hit „Männer“ wurde von Beyer und Brauer mit abgewandeltem Text und im Grammophon-Stil inklusive Schelllackplatten-Geknister und hängender Nadel interpretiert, Falco sang mit verspiegelter Sonnenbrille seinen Hit „Amadeus“ und auch die Rumba des Onkel Wumba aus Kalumba verwandelte sich in eine temperamentvolle kubanische Fiesta.

Zahlreiche Männertypen wurden aufs Korn genommen: Der Klischee-Italiener, der Frauenversteher, der Gigolo und auch der Don Juan durften nicht fehlen, ebenso wenig die Antwort auf die Frage, was Männer tun, wenn sie unter sich sind – Party-Tratsch ist offensichtlich keine rein weibliche Leidenschaft, wie sich anhand der Musik aus dem Filmklassiker „High Society“ leicht beweisen ließ.

Zum Einsatz kamen dabei nicht nur das Klavier und Florian Brauers Tenorstimme, sondern unter anderem auch Posaune, Trompete, Saxophon, die virtuos eingesetzte Sopran-Nasenflöte und ein Miniatur-Schlagzeug. Aus dem Konflikt zwischen dem Sänger, der im Rampenlicht steht, während der Pianist im Hintergrund ein Schattendasein fristet, machten die beiden musikalischen „Alpha-Männer“ in ihrer Interpretation von „Veronika, der Lenz ist da“ ein vergnügliches Spiel, bei dem sie die Rollen im fliegenden Wechsel tauschten. Beeindruckend gelangen ihnen die oft fließend gestalteten Übergänge zwischen Chanson und Jazz. Bewundernswert auch die Leichtigkeit und der spielerische Umgang mit der sehr niveauvollen Musik.

Handeln ist dem weiblichen Einfluss unterworfen

Am Ende wurde selbst der bekannte griechische Männerphilosoph Testos Teron bemüht: Seine Theken-Theorie, die sich – schenkt man den Ausführungen Florian Brauers Glauben – direkt aus dem Satz des Pythagoras ableiten lässt, bildete eine wichtige Grundlage zum Verständnis des starken Geschlechts, dessen Handlungen allerdings vom ersten verspeisten Regenwurm bis zur letzten Schaufel Schnee vor dem Herzinfarkt wesentlich dem weiblichen Einfluss unterworfen ist.

Denn was auch immer passiert: Hinter jedem starken Mann steht immer eine nörgelnde Frau.

VON UTE JANSSEN

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