Karen Müller, Eva Zamostny und Tamara Pascual sind das Electric Blues Trio 

Hairliche Hippie-Girls bei den Festspielen

Sie elektrisieren das Publikum mit ihrer Performance: Karen Müller, Eva Zamostny und Tamara Pascual (von links) singen, tanzen und spielen im Musical „Hair“ unter anderem das „Electric Blues Trio“. Foto: Harald Ernst

Bad Hersfeld. Im Musical „Hair“ sind sie das „Electric Blues Trio“ – so genannt nach dem gleichnamigen Song, den sie singen.

Doch auch im wahren Leben sprühen Karen Müller, Eva Zamostny und Tamara Pascual vor Energie und Lebensfreude. „Man surft wie auf einer Welle und muss einfach draufbleiben“, beschreibt Tamara Pascual die Leidenschaft, mit der das Ensemble auf der Bühne agiert. Man muss das Musical lieben, um hier Schritt halten zu können.

Love and Peace: Die Girls des Electric Blues Trio bei „Hair“ von links Eva Zamostny, Tamara Pascual und Karen Müller. Foto: Kai A. Struthoff

Die drei Frauen haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht – teilweise aber erst mit Umwegen. Karen Müller etwa stammt aus einem kleinen Ort im Westerwald, nahm schon früh Tanz und Gesangsunterricht und absolvierte dennoch eine Verwaltungsausbildung. Fünf Jahre arbeitete sie bei der Agentur für Arbeit, bevor sie ihren Traum lebte und an der Essener Folkwang Universität der Künste ein Studium begann. „Man muss sich treu bleiben und seinem Wunsch folgen“, sagt sie rückblickend.

Auch Tamara Pascuals Weg führte nicht direkt auf die Bühne. Sie hat zunächst Pädagogik studiert und mit Behinderten gearbeitet. Sie ist unter anderem Bundespreisträgerin bei „Jugend musiziert“ im Bereich „Pop Gesang“. Zurzeit beendet sie gerade ihre Ausbildung an der Theaterakademie August Everding in München und wird nach den Festspielen dort ihren Master machen. „Eine Art mich auszudrücken reicht mir nicht“, sagt sie, „das Musical verbindet alle Stilformen.“

Freigeist

Die gebürtige Wienerin Eva Zamostny indes hat direkt nach dem Abi an den Performing Arts Studios in ihrer Heimatstadt Gesang und Tanz studiert und ihre Ausbildung bei Reisen durch die ganze Welt vertieft. Die Unsicherheit des Schauspielerjobs macht ihr keine Angst. „Ich bin ein Freigeist und liebe meine Freiheit“. Bislang hat sie auch keinen Grund zur Sorge. Ein Engagement jagt das andere, mal länger, mal kürzer.

In Stuttgart war sie in einem „Long Run“ anderthalb Jahre in wechselnden Rollen im Abba-Musical „Mamma Mia“ zu sehen, „da wird das Theater zum Wohnzimmer“, sagt Eva lachend. In Bad Hersfeld war sie schon in „Cabaret“ und „My Fair Lady“ zu sehen.

Obwohl alle drei Darstellerinnen vom Alter her meilenweit von der Hippiezeit entfernt sind, finden sie die Botschaft von „Hair“ immer noch aktuell. „Es gibt viele Parallelen zur heutigen Zeit“, meint Tamara und Eva sagt: „Das ist die bewegendste Show, die ich je gemacht habe, die Texte berühren mich sehr.“ Alle drei haben sich intensiv mit den 1960er Jahren beschäftigt.

„Gil Mehmert hat uns viele Informationen über die damalige Zeit gegeben, und ich habe auch meine Eltern gefragt, wie es damals war“, sagt Karen. Nur so könne man authentisch auf der Bühne sein. „In Hair spielen wir ja keine Rollen, sondern uns selbst“, erklärt Eva. Dieses Konzept gab es schon bei der Uraufführung von „Hair“.

Wohngemeinschaft

Trotz des körperlich anstrengenden Pensums auf der Bühne finden die drei jungen Frauen noch Zeit, Bad Hersfeld und die Umgebung zu erkunden. Ausflüge zum Musical nach Fulda, aber auch zum Radfahren oder in den Wildpark Knüll stehen auf dem Programm. Eva Zamostny und Karen Müller, die sich schon von früheren Engagements kennen und deshalb eine Wohnung teilen, spielen außerdem noch im Kinderstück „Lenas Geheimnis“ mit.

Wer die drei Frauen auf der Bühne wirbeln, tanzen, singen und springen sieht, der gerät beim Zuschauen schon außer Atem. Doch Karen Müller, Eva Zamostny und Tamara Pascual haben dabei immer ein Lächeln im Gesicht. Diese hairlichen Hippie-Girls stehen wirklich unter Strom. (kai)

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