Wochenendporträt

Ein Kannibale zum Start für Polizeipressesprecher Manfred Knoch

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Mehr als 16 Jahre lang war Kriminalhauptkommissar Manfred Knoch (61) Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen. Zum 31. Juli ist er aus dem aktiven Dienst in den Ruhestand gewechselt.

Bei einem spektakulären Fall musste Polizeipressesprecher Manfred Koch sich gleich zu Beginn seiner Dienstzeit bewähren: Dem Kannibalen von Rotenburg.

Hersfeld-Rotenburg –Der 61 Jahre alte Manfred Knoch, Kriminalhauptkommissar a.D., saß Anfang Dezember 2002 gerade einmal vier Wochen als Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen auf seinem Stuhl in der Polizeidirektion in Bad Hersfeld, da wurde er ins sprichwörtliche eiskalte Wasser geworfen.

Aus Rotenburg meldete sich ein Anwalt telefonisch bei der Polizei und teilte mit, dass ihm ein Mandant aus dem Wohnplatz Wüstefeld gerade den Mord an einem anderen Menschen gestanden habe.

Der Fall des Kannibalen von Rotenburg nahm seinen Lauf. Und nachdem die Rechtsmediziner in Gießen das tiefgefrorene Fleisch aus der Truhe des Wüstefelders eindeutig als Menschenfleisch erkannt hatten, lief auch die Medienarbeit an. „Das kam wie eine Welle über uns. Nachfragen von Presseorganen weltweit erreichten uns“, erinnert sich Manfred Knoch, der in diesem Fall weniger Aussagen treffen musste – das wurde von der Staatsanwaltschaft in Kassel übernommen. So war er vielmehr dafür zuständig alles rund um das Thema Funk, Fernsehen und Print zu koordinieren.

„Nachdem der Fall publik geworden war, bin ich am nächsten Tag zum Bahnhofskiosk gefahren und habe dort sämtliche Ausgaben der Tageszeitungen gekauft. Darunter auch die aus der Hauptstadt, denn das Opfer stammte ja aus Berlin“, erinnert sich Knoch.

Nach dieser beruflichen Feuertaufe konnte ihn als Pressesprecher nichts mehr erschüttern. Selbst vor den Fernsehkameras gab er immer wieder eine gute Figur ab und sorgte so dafür, dass die Menschen aus der Region immer wieder positiv über ihre osthessische Polizei sprachen.

Den guten Draht zu den Menschen vor Ort stellte Knoch auch durch seine Tätigkeit als Sicherheitsberater im Auftrag des Landeskriminalamtes sicher. Manfred Knoch gab bei unzähligen Veranstaltungen Tipps an Menschen, wie sie sich beispielsweise vor Einbrüchen in die eigenen vier Wände schützen können. „Da kam mir doch meine Ausbildung als Großhandelskaufmann bei der ehemaligen Rotenburger Firma Haack und Co. sehr gelegen. Wir waren ein Großhandel für Fensterbeschläge“, sagt Knoch, der erst über diesen Umweg zur Polizei gekommen war. „Ich wollte nicht zur Bundeswehr und habe mich daher auf gut Glück bei der hessischen Polizei beworben. In der Polizeiarbeit habe ich einfach mehr Sinn gesehen. Und ich bin tatsächlich genommen worden“, erinnert er sich. Sein erster Tag bei der Polizei war der 1. April 1979. Und in seiner Zeit bei der Bereitschaftspolizei ging es für ihn ebenso spannend zu wie später am Schreibtisch als Pressemann der Polizei. „Ich war Anfang der Achtzigerjahre bei den Demonstrationen rund um die Startbahn-West am Frankfurter Flughafen ebenso dabei, wie 1980 bei den Protestaktionen um das Atommüll-Endlager in Gorleben.“

Während seiner Zeit als Polizeipressesprecher hatte Manfred Knoch auch die Funktion des Opferschutz-Koordinators. Eine für ihn sehr belastende Tätigkeit, denn gemeinsam mit einem Notfallseelsorger musste er Menschen die Todesnachricht überbringen, wenn eines ihrer Familienmitglieder ums Leben gekommen war. „Das ist mir immer sehr nahe gegangen. Besonders, wenn ich die Leute gekannt habe. So wie bei dem Tötungsdelikt in meinem Heimatort Lispenhausen im Oktober 2017, als eine junge Frau getötet wurde.“ 

Fußballer und Lokalpolitiker

Seinen Dienst als Kriminalbeamter hat Manfred Knoch am 31. Juli quittiert. Bereits im Jahre 2014 hatte er schon alle seine politischen und weiteren ehrenamtlichen Ämter niedergelegt, weil er aus persönlichen und familiären Gründen seinem Heimatort Lispenhausen im Dezember 2014 den Rücken gekehrt hatte und nach Meimbressen bei Calden gezogen war. Manfred Knoch war neben seiner beruflichen Tätigkeit in vielen Ehrenämtern engagiert. So war er bereits im Alter von elf Jahren seinem Heimatverein SC 1919 Lispenhausen beigetreten und jagte dort viele, viele Jahre dem runden Leder nach. Auch nach seiner aktiven Fußballzeit betreute er Kinder- und Jugendmannschaften. Von 1994 bis in die 2000er engagierte er sich zudem in der Vorstandsarbeit. Neben seinen Aktivitäten für den SC Lispenhausen hat Manfred Knoch, der seit 1980 Mitglied der SPD ist, auch einige politische Ämter bekleidet. Dem Rotenburger Stadtparlament gehörte er mit Unterbrechungen zwischen 1993 und 2014 an. Im Kreistag saß er für die Sozialdemokraten von 1993 bis 2003 und die Geschicke in seinem Heimatort lenkte er als Ortsvorsteher von 2001 bis 2014. Heute trägt er die Bezeichnung Ehrenortsvorsteher. Gerne wäre Manfred Knoch im Jahre 2004 aus dem aktiven Polizeidienst als Wahlbeamter in die Heringer Stadtpolitik gewechselt. Doch im Bürgermeisterwahlkampf unterlag er in der Stichwahl gegen Hans Ries von der WGH. Im ersten Wahlgang hatte Knoch noch vor seinem Mitbewerber gelegen. Sechs Jahre später trat er auf Wunsch einiger Genossen aus dem Werratal noch einmal als „Notkandidat“, wie Manfred Knoch seine Bewerbung von 2010 rückblickend selbst bezeichnet, gegen Amtsinhaber Hans Ries an und erlebte dann „mit Ansage“ eine politische Bruchlandung.

Zur Person

Manfred Knoch ist eigentlich Lispenhäuser durch und durch. Erst im Jahre 2014 hat er seinem Heimatort aus privaten Gründen den Rücken gekehrt und ist nach Meimbressen bei Calden gezogen. Ausgeschieden aus dem Polizeidienst zum 31. Juli 2019 wird es ihm künftig aber sicher nicht langweilig werden. Im heimischen Garten warten viele Aufgaben auf ihn. Außerdem fährt er gerne zu Spielen des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Seit 1966 ist er Fan des BVB. Auslöser war die WM 1966 in England. Damals spielten die Dortmunder Hans Tilkowski, Lothar Emmerich und Siegfried Held für die Nationalelf. Knoch selbst trug als Kind beim Bolzen den Namen Lothar Emmerich und später in der Jugend war er der Manni Burgsmüller. Dieser jagte ebenfalls für den BVB von 1976 bis 1983 dem runden Leder nach. Seit 2006 ist Knoch sogar Mitglied des BVB. Manfred Knoch ist geschieden, lebt in einer Beziehung und hat einen 16 Jahre alten Sohn und eine 22 Jahre alte Tochter. (rey)

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