Kandidaten Michael Roth und Christina Kampmann im Interview

Suche nach SPD-Vorsitz: "Wir sind einfach ein gutes Team"

Glauben an ihre Chance: Christina Kampmann und Michael Roth bewerben sich um den Parteivorsitz bei der Bundes-SPD. Foto: Marvin He inz

Die SPD sucht eine neue Parteispitze: Der heimische Bundestagsabgeordnete Michael Roth und die nordrhein-westfälische Politikerin Christina Kampmann treten  an.

Unser Mitarbeiter traf die beiden am Rande einer Veranstaltung im Werra-Meissner-Kreis.

Frau Kampmann, Herr Roth, Sie waren die ersten, die sich offiziell um den SPD-Vorsitz beworben haben. Wann fiel die Entscheidung?

Kampmann: Ich bin erst mal aus allen Wolken gefallen, als mich Michael Ende Juni anrief und fragte, ob ich mir vorstellen kann, gemeinsam mit ihm anzutreten. Nach kurzer Bedenkzeit habe ich dann zugesagt – aus voller Überzeugung. Michael und ich vertrauen uns – und wir trauen uns diese große Aufgabe gemeinsam zu.

Roth: Christina und ich waren die ersten auf dem Spielfeld, dafür haben wir viel Zuspruch aus der Partei bekommen. Uns musste niemand erst überreden oder in die Pflicht nehmen.

Warum tun Sie sich das an, Vorsitzende einer am Boden liegenden SPD zu werden? Lautet das Motto: „Es kann nur besser werden“?

Kampmann: Wir beide haben der SPD viel zu verdanken. Ohne sozialdemokratische Politik wären wir nicht da, wo wir heute sind. Jetzt ist es an der Zeit, der Partei in einer schwierigen Lage etwas zurückzugeben. Wir laufen nicht weg vor der Verantwortung.

Roth: Natürlich soll es besser werden mit der SPD! Christina und ich sind ins Gelingen verliebt, nicht ins Scheitern. Und vor allem treten wir an, um zu bleiben. Ex-Vorsitzende hat die Partei nun wirklich zu genüge.

Frau Kampmann, Sie waren Bundestagsabgeordnete, Familienministerin in NRW und sind derzeit digitalpolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Landtag. Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Kampmann: Ich bin selber Arbeiterkind und war die erste in meiner Familie, die Abitur gemacht hat. Bei meinem ersten Job im Sozialamt in Bielefeld habe ich erlebt, wie viel Armut es direkt vor meiner eigenen Haustür gibt. Das war für mich der Schlüsselmoment.

Herr Roth, Sie sind seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestags und seit dem 17. Dezember 2013 Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Warum versuchen Sie es eigentlich nicht allein?

Roth: Ob Sie es glauben oder nicht: Alleine hätte ich das nicht gemacht! Aber als in der SPD ernsthaft über eine Doppelspitze diskutiert wurde, war ich Feuer und Flamme – und kam dann ganz schnell auf Christina. Die große Chance eines Spitzenduos ist ja gerade, dass es die Vielfalt und Buntheit einer Partei viel besser widerspiegeln kann. Und Christina und ich sind einfach ein gutes Team!

Frau Kampmann, warum ist Michael Roth der richtige Partner an Ihrer Seite, um die SPD aus dem Umfragetief zu führen?

Kampmann: Wir kennen uns ja nun schon etwas länger. Ich schätze Michael als überzeugten, leidenschaftlichen Europäer, der in seiner nordhessischen Heimat tief verwurzelt ist. Und was mir echt imponiert: Michael hat gezeigt, dass er Menschen überzeugen kann. Sechsmal hat er in seinem Wahlkreis das Direktmandat geholt, das kommt in der Politik nicht allzu oft vor.

Ist das Auswahl-Verfahren, das sich die SPD ausgedacht hat, das richtige? Glauben Sie, die Basis und potenzielle Wähler finden es gut, dass sich die SPD bis Anfang Dezember in erster Linie mit sich beschäftigt?

Kampmann: Es ist doch großartig, dass die SPD sich traut, diesen neuen Weg zu gehen. Die Zeiten, wo Personalfragen von einigen wenigen in Hinterzimmern entschieden wurden, sind vorbei. Jetzt liegt die Entscheidung bei unseren 430 000 Mitgliedern - das ist ein ganz offenes, transparentes Verfahren.

Roth: Dieser Prozess ist für die SPD eine tolle Chance, sich von ihrer besten Seite zu zeigen: Frisch, diskussionsfreudig und mit einer Streitkultur, die von Respekt getragen ist. Und die ersten Konferenzen zeigen, dass das gut funktioniert und das Interesse riesig ist.

Am Mittwoch ist die Castingtour der SPD in Saarbrücken gestartet. Olaf Scholz (61) und Klara Geywitz (43) gelten als Top-Favoriten. Parteiintern räumen Ihnen nur wenige ernsthafte Chancen ein. Warum kann es doch klappen?

Roth: Ganz ehrlich: Wir würden doch nicht sechs Wochen lang durch Deutschland touren, wenn wir nicht ernsthaft an unsere Chance glauben würden. Das Rennen um den Vorsitz ist völlig offen. Wir erhalten auf den Regionalkonferenzen ganz viel Zuspruch.

Kampmann: Viele Parteimitglieder sehnen sich nach einem echten Aufbruch mit frischen Gesichtern. Michael und ich sind ja das jüngste Team im Wettbewerb. Gerade in den sozialen Medien melden sich ganz viele junge Menschen bei uns, die uns unterstützen wollen. Das gibt uns unglaublich viel Rückenwind.

Sie wollen, dass künftig ein Drittel des Parteivorstands von Kommunalpolitikern besetzt wird. Warum?

Roth: Das Fundament unserer Partei sind die vielen Aktiven vor Ort. Das muss sich auch in unseren Gremien noch viel stärker widerspiegeln. Unsere erfolgreichen Bürgermeister und Landräte haben ein feines Gespür für die Probleme, die die Menschen bewegen.

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